AZ-Interview mit dem Fastenprediger Maxi Schafroth: "Ein Schulterklopfen mit Söder wäre falsch gewesen"

Maximilian Schafroth bei seinem Debüt als Fastenprediger beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg. Foto: Tobias Hase/dpa

Den Tag nach seiner Fastenpredigt auf dem Nockherberg hat sich Maxi Schafroth freigenommen und war für niemanden erreichbar. Jetzt spricht er mit der Abendzeitung.

München - Maxi Schafroth ist Kabarettist aus dem Allgäu. Heuer hatte der 34-Jährige seinen ersten Auftritt als Fastenprediger auf dem Nockherberg. Im AZ-Interview er über sein plötzliches Verschwinden vom Derblecken, über seine Rede und eine mögliche Wiederkehr im nächsten Jahr.

AZ: Sie sind ja nach der Rede nicht mehr im Saal gewesen.
MAXI SCHAFROTH: Ich wollte danach meine Ruhe und kein großes Tamtam. Ich bin keiner, der dann in den Saal geht und alle umarmt. Ich saß mit meiner Familie und den Musikern in einem Stüberl, wir haben Schnaps getrunken und gesungen. Wir waren für uns und das hat mich gefreut, weil ich meine Eltern schon lange nicht mehr gesehen habe.

Haben Sie noch mit Politikern gesprochen?
Nein. Das war auch ein Grund, warum ich verschwunden bin. Ein Handshake und Schulterklopfen mit Söder wäre das falsche Symbol gewesen. Ich wollte mich danach nicht mit einem Paulanerkrug und Söder hinstellen und sagen: "Mei, sind wir gute Freunde."

Schafroth: Probleme am Tag vor dem Auftritt

Die Politiker waren ja überwiegend begeistert. Ist das ein vergiftetes Lob?
Ich habe mir auch gedacht: Hoppala, Hoppala. Was heißt jetzt das, wenn der Söder mich lobt? Aber es ist okay für mich, denn Lob gab es aus allen Lagern und ich hab ja gesehen, dass immerhin der Aiwanger verschnupft war und der Joachim Herrmann sich bemühen musste, gute Miene zu machen. Aber am Ende der Rede, da sind die Kollegen am Künstlertisch aufgestanden und haben geklatscht. Und als ich den Tag danach in der Stadt unterwegs war, da haben die Leute angehalten und mir gesagt: "Maxi, das hast gut gemacht."

Wie ging es Ihnen die Tage vor der Fastenpredigt?
Am Tag vorher hatten wir eine technische Probe und da war der Sound nicht gut. Da wurde ich nervös, weil mir klar wurde, es kann so viel schiefgehen. Ich habe dann darum gebeten, dass mir die Rede mit einer Reißzwecke am Pult festgemacht wird, falls ich sie vergesse oder auf dem Weg zur Bühne verliere und die Band drüberläuft. Am Tag des Anstichs habe ich noch eine Probe gemacht und entschieden, dass ich am Pult sprechen werde. Nervös wurde ich erst, als meine Eltern gekommen sind. Die waren nämlich so schrecklich aufgeregt. Und da kommst du als Kind nicht raus, dass du dann auch aufgeregt bist.

Was haben Sie in der Stunde vor Ihrem Auftritt gemacht?
Ich lag auf einer Eckbank und bin nochmal meine Rede durchgegangen.

Schafroth: "Habe gemerkt, dass ich am richtigen Platz bin"

Im Saal standen Sie mit der Kapelle und Ihren Sänger direkt neben unserem Pressetisch und wirkten sehr ruhig.
Ja, das ist ein interessantes Phänomen. Da standen meine Sängerbuben und die Musiker aus dem Nachbardorf. Das hätte nicht besser kommen können, als dass da die Leute dabei sind, die mir früher im Schulbus das Gesicht mit Edding verschmiert haben. Es war kurios, aber die Anspannung war komplett weg. Auch beim Blick zum Pressetisch habe ich all die bekannten Gesichter gesehen, die mich seit dem Bekanntwerden, dass ich Fastenprediger werde, begleiten.

Wann wussten Sie bei der Rede, dass es funktioniert?
Ich kenne das von vielen Auftritten, dass ich in einen Raum komme und merke, ob ich willkommen bin oder nicht. Schon beim Startapplaus habe ich gemerkt, dass ich am richtigen Platz bin. Die Rede war im Einklang mit Herz, Bauch und Kopf, ich wusste, dass ich da gut durchkomme.

Machen Sie’s nächstes Jahr wieder?
Jetzt habe ich ‘nen Narren daran gefressen und will es wieder machen. Ich sehe aber auch Entwicklungspotenzial und will mich mit mehr Zeit reinknien und auch Plenarsitzungen im Landtag besuchen.

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