AZ-Interview mit Arnd Zeigler Werder-Stadionsprecher: "Die Allianz Arena gefällt mir gar nicht"

"Ich muss gestehen, bis ich zehn war, war ich Bayern-Fan, aber irgendwann berührte mich der ewige Abstiegskampf mehr als ein Team, das dauernd gewinnt", sagt Werder-Stadionsprecher und Entertainer Arnd Zeigler. Foto: Ben Knabe/dpa

Werder-Stadionsprecher Arnd Zeigler erklärt seine Vorliebe fürs Olympiastadion, seine Wandlung vom FC Bayern- zum Werder Bremen-Fan und den Entertainment-Faktor von Uli Hoeneß.

 

MünchenAZ-Interview mit Arnd Zeigler. Der Moderator und Buchautor ist seit 2001 Stadionsprecher bei Werder Bremen. Mit seinem Programm "Dahin, wo es wehtut. Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs – live" ist er zur Zeit auf Tournee.

AZ: Herr Zeigler, Glückwunsch zum Titel. Das Fachmagazin "Grillen" kürte einst die Stadionwurst im Weserstadion zur besten der Bundesliga. Wie schmecken Ihnen denn die Würste in der Allianz Arena?
ARND ZEIGLER: Ich muss gestehen, ich habe dort noch nie eine gegessen. Ich war auch erst zwei-, dreimal in der Arena, das letzte Mal im August 2016, als Werder 0:6 verlor. Verständlich, dass mein Appetit da nicht mehr so groß war.

Wie gefiel Ihnen die Arena?
Gar nicht. Mir kommt die Allianz Arena so steril vor wie ein Krankenhausflur. Dabei mag ich München als Stadt sehr und liebe den Olympiapark. Da war ich als Kind immer mit meinen Eltern, wenn wir auf dem Weg in den Italien-Urlaub Zwischenstopp in München machten. Das Olympiastadion hat auch eine besondere Bedeutung. 1995, als wir am letzten Spieltag mit dem 1:3 bei Bayern noch die Meisterschaft vergeigt haben. 2004 haben wir dafür dort 3:1 gewonnen und uns den Titel geholt. Dabei muss ich ja gestehen, bis ich zehn war, war ich Bayern-Fan.

Um Himmels willen. Wie das?
Wie so viele, die in den 1970ern groß geworden sind, war ich geprägt von den drei Landesmeister-Titeln der Bayern. Müller und Beckenbauer waren Idole, ich war bei Autogrammstunden von Uli Hoeneß und Paul Breitner hier in Bremen. Hoeneß unterschrieb auf Postern einer Margarinemarke, Breitner warb für eine Bausparkasse. Irgendwann hat mich aber Werder mehr gepackt, berührte mich der ewige Abstiegskampf mehr als ein Team, das dauernd gewinnt.

Die Bayern wurden Ihnen also zu langweilig?
Der Bayern-Fan funktioniert generell anders als alle anderen Fans. Da ist man angesäuert, wenn man im Mai nur eine Meisterschaft feiert und nicht mindestens das Double. Die Fans stehen mehr oder weniger unbeteiligt auf dem Marienplatz, die Spieler wirken gelangweilt auf dem Rathausbalkon. Was Bayern abhandengekommen ist, ist eine gewisse Leichtigkeit. Man freut sich nicht mehr über einen Sieg, sondern nimmt ihn als selbstverständlich hin. Bayern hat sich das hart erarbeitet. Nur entwertet es eben den Fußball, weil es nicht mehr wie in den Nuller-Jahren möglich ist, dass mal Werder Meister wird. Oder Stuttgart. Oder Wolfsburg.

Zeigler amüsiert von Uli Hoeneß

So langweilig die Liga, so unterhaltsam sind die Klubbosse. In Ihrer Sendung haben Sie die O-Töne der Pressekonferenz vom Oktober mit Szenen aus dem Königlich Bayerischen Amtsgericht zusammengeschnitten. Dabei war der Auftritt selbst Realsatire, oder?
Fraglos. Ich rätsele bis heute, wie das einem Verein wie den Bayern passieren konnte. Dass so ein Desaster rauskam, fand ich faszinierend. Seltsam auch, dass Hoeneß kürzlich seinen Auftritt als nicht optimal bezeichnete und etwas Selbstkritik zu verströmen schien, und letzte Woche wieder meinte, er habe dort halt die Wahrheit gesagt und die müsse man eben vertragen. Da waren plötzlich doch wieder die anderen Schuld an der suboptimalen Wahrnehmung dieser PK.

Sie als Entertainer und Satiriker müssen doch dankbar sein, dass es so eine Figur wie Hoeneß überhaupt noch gibt.
Tatsächlich war mein Wunsch-Interviewgast seit vielen Jahren immer Hoeneß. Das hat sich in den letzten ein, zwei Jahren etwas verflüchtigt. Ich verstehe nicht, warum er mit so einer Verhärtung auftritt und mit dieser Vita samt Flugzeugabsturz und Haftstrafe nicht mit mehr Gelassenheit und Demut agiert. Stattdessen präsentiert er sich negativ, bitter und hart. Er ist nur noch im Verteidigungsmodus und am Austeilen.

Den Rauswurf von Breitner von der Ehrentribüne fand ich bedenklich. Sicher gehörte es sich aus Sicht eines alten Freundes nicht, dass Breitner im Fernsehen so loslederte. Aber da muss ich als Hoeneß souverän drüberstehen, ohne ihn rauszuschmeißen. Zwei absolute Ikonen desselben Klubs – da setzt man sich auf der Tribüne halt ein paar Meter auseinander. Kindisch fand ich das.

Voller Lob für Werder Bremens Trainer

Sprechen wir mal von Bremen. Sie bescheinigten der Mannschaft im Herbst ein gewaltiges Potenzial. Warum steht Werder nicht weiter oben?
Ich kann mich sehr über Platz 7 freuen. Vor drei Jahren unter Viktor Skripnik waren wir eine tote Mannschaft. Ohne Spieler mit nennenswertem Marktwert oder guter Perspektive. Jetzt haben wir ein tolles Tandem mit Frank Baumann und Florian Kohfeldt, die einzelne Positionen mit Spielern wie Osako oder Rashica, keine Stars, die Bayern oder Dortmund verpflichten würde, die aber optimal ins Werder-Kollektiv passen, verstärkt haben.

Was zeichnet Kohfeldt aus?
Er hat viel von dem, was ich auch an Jürgen Klopp mag und schätze. Enorme Taktikbesessenheit gepaart mit der Fähigkeit, die Spieler mit viel Empathie und der richtigen Ansprache zu erreichen. Ein guter Theoretiker und ein toller Mensch. Deswegen sagen auch nahezu alle Spieler, vom Nachwuchstalent bis zu einem gestandenen Star wie Max Kruse, dass sie so einen guten Trainer wahrscheinlich noch nie hatten. Sehr wichtig ist: Er ist greifbar und authentisch. Kein Poser, kein Maulheld.

Gleich nach dem Ligaspiel kommt es zum Aufeinandertreffen zwischen Bremen und Bayern im Pokalhalbfinale. Welchen Gegner wünschen Sie sich für das Endspiel?
Natürlich wäre der HSV interessanter. Auch wenn es dann wohl das erste Hochsicherheitspokalfinale wäre. Das Nordderby in Berlin, das wäre schon eine reizvolle Vorstellung. Natürlich sollten wir dafür aber erst einmal die Bayern schlagen. Hätte ich die Wahl, ob wir lieber Samstag in der Liga gewinnen oder Mittwoch im Pokal, ich würde mich für Letzteres entscheiden. Oder am allerliebsten zweimal gewinnen.

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