AZ-Interview Markus Babbel über Ribéry-Interesse: "Franck wäre hier ein Rockstar"

Markus Babbel würde Franck Ribéry gerne vom FC Bayern nach Australien lotsen. Foto: AZ-Montage, Augenklick/Rauchensteiner/firo

Im AZ-Interview lockt Markus Babbel, Trainer in Sydney, Bayern-Star Ribéry nach Australien. "Hier in der Liga wäre er der absolute Superstar, die Fans würden verrückt spielen."

München - Markus Babbel spielte von 1991 bis 2000 für den FC Bayern. Er war Trainer beim VfB Stuttgart, Hertha BSC, der TSG 1899 Hoffenheim und dem FC Luzern. Seit 2018 coacht er die Western Sydney Wanderers. Im AZ-Interview spricht der 46-Jährige über seinen Plan Bayern-Star Franck Ribéry nach Australien zu locken.

AZ: Herr Babbel, seit letztem Jahr arbeiten Sie in Australien, coachen die Western Sydney Wanderers. Dort ist aktuell Hochsommer. Was bedeutet das Klima für die Trainingseinheiten?
MARKUS BABBEL: Im Sommer kannst du nicht zweimal trainieren, nur einmal ab 10 Uhr, danach wird’s einfach zu heiß. Unsere U21 trainiert übrigens um 7 Uhr früh. Meine Frau Tina und ich leben in Sydney Downtown, mit Blick auf die Harbour Bridge, da ist es zum Glück nicht so heiß wie außerhalb der City. Das Trainingsgelände der Wanderers liegt rund 45 Kilometer entfernt. Dort wird es oft richtig heiß, morgens um 10 Uhr schon 30 Grad, über Mittag manchmal bis zu 43 Grad.

Daher stehen die Australier auch sehr früh auf, gehen abends zeitig ins Bett.
Das stimmt. In der Früh siehst du die Leute vor Sonnenaufgang joggen, da ist es noch recht angenehm. Der ganze Tagesrhythmus verschiebt sich hier wegen der Hitze. Mir kommt das sehr entgegen. Ich bin vom Typ her keine Nachteule, stehe gerne früh auf, da habe ich mehr Energie als abends. Um 6.15 Uhr fahre ich zur Arbeit, aus der Stadt raus, antizyklisch zum Verkehr, stehe nicht im Stau, und nachmittags ohne Probleme zurück – wieder antizyklisch. Ideal.

Babbel: Australische Liga wie 2. Bundesliga

Mit welcher Liga ist die australische A-League vergleichbar?
Das Niveau ist ordentlich, wie in der Schweizer Liga oder in der Zweiten Bundesliga. Die meisten Vereine leben von ihren Ausländern, man darf aber nur fünf pro Klub verpflichten. Wenn die nicht performen oder verletzt sind, kann’s schon mal gruselig werden. Da sinkt das Niveau auf Dritte Liga oder Regionalliga.

Sie haben mit Ex-Bayern-Profi Alexander Baumjohann sowie Patrick Ziegler, einst in Unterhaching, später in Kaiserslautern, und Kwame Yeboah schon drei Profis mit Bundesliga-Vergangenheit verpflichtet. Lockt die A-League mit dicken Gehältern?
Für australische Verhältnisse verdienen sie sehr gut, das ist gutes deutsches Zweitliga-Niveau. Hier gibt es einen "salary cap", also eine Gehaltsobergrenze. Nur maximal zwei sogenannte "marquee player" dürfen mehr verdienen – auch wenn das, verglichen mit Europa, recht schmales Geld ist. Unser Verein hat nur einen "marquee player": Oriol Riera, ein Spanier, früher in der Priméra Division unter anderem für Deportivo La Coruña aktiv.

Babbel: "Franck wäre als Attraktion sensationell"

Nun aber planen Sie den ganz großen Coup: Sie wollen Bayerns Altstar Franck Ribéry zum Ende seiner Karriere nach Sydney locken. Nur ein PR-Gag?
Sein Vertrag läuft aus und soweit ich weiß, ist er ab Sommer frei. Und wenn es eine Chance gibt, muss man es versuchen. Für den australischen Fußball wäre Franck als Attraktion sensationell. Hier in der Liga wäre er der absolute Superstar, der "unique selling point", das Alleinstellungsmerkmal - anders als in Katar oder den USA. Darüber hinaus hätte er für seine Familie eine hohe Lebensqualität, man wird in Ruhe gelassen, und ein bisschen was gäbe es schon auch zu verdienen. Wenn es aber nur ums Geld geht, und das habe ich ihm gesagt, dann musst du nach Katar oder irgendwo anders hingehen. Unser Verein würde ihn sehr, sehr gerne aufnehmen, die Fans würden verrückt spielen. Franck wäre hier ein Rockstar. Auch wenn die Chance, ihn wirklich zu bekommen, gering ist.

Sie haben einen Zweijahresvertrag plus Option unterschrieben. Zufrieden mit der Entscheidung nach den dreieinhalb Jahren beim FC Luzern?
Sehr, das hier ist genau mein Ding. Die Aufgabe bei den Wanderers ist eine neue Erfahrung, eine absolute Herausforderung, die mir unglaublich viel Spaß macht. Ich musste meine Ansprüche vom europäischen Niveau etwas herunterschrauben, leiste hier sozusagen Entwicklungshilfe – aber das ist es alles wert. Auch meiner Frau Tina gefällt es hier, wir haben ein sehr schönes Zuhause gefunden, die "Opera" (das Wahrzeichen Sydneys, d. Red.) ist um die Ecke.

Nach 21 Spieltagen stehen Sie mit den Wanderers lediglich auf Rang acht von zehn Teams, die Playoffs – bis Rang sechs – sind außer Reichweite.
Ja, aber der Verein wird in Zukunft einer der besten Australiens sein. In ein paar Wochen ist unser neues Trainingscamp fertig, das hat dann absolut europäischen Standard. Außerdem bekommen wir ein neues Stadion mit 30 000 Plätzen. Eine enge, kompakte Arena, britischer Style. Die wird dann sicher mit 20 000 bis 25 000 Leuten voll sein und uns mehr pushen als momentan. Wir spielen im großen Olympiastadion, der ANZ-Arena, da gehen über 80 000 rein. Wenn sich dort dann nur knapp 20 000 Fans verlieren, ist das ähnlich bescheiden wie früher, als wir im Winter mit Bayern im Olympiastadion gekickt haben.

Sie sind Tattoo-Fan, haben sich von all ihren Stationen als Spieler und Trainer – mit Ausnahme des unrühmlichen Engagements bei der TSG Hoffenheim – das Vereinsemblem auf den rechten Oberarm stechen lassen. Auch schon das der Sydney Wanderers?
Nein, noch nicht.

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