AZ-Interview Ex-Sechzger Kurzweg: "Meine Eltern sind noch Löwen-Fans"

Von 2011 bis 2016 Löwe: Peter Kurzweg. Foto: imago, sampics/AK

Ingolstadts Peter Kurzweg spricht im AZ-Interview über das Derby und seinen Spitznamen "Axt von Giesing".

 

AZ: Herr Kurzweg, in München haben Sie sich aufgrund Ihrer rustikalen Spielweise den Spitznamen "Axt von Giesing" erworben. Haben Sie sich bei den "Schanzern" schon einen ähnlichen Namen gemacht?
Peter Kurzweg: Nein. Sie dürfen mich also immer noch "Axt von Giesing" nennen (lacht), das kam damals während meiner Zeit bei 1860 vom Physio der Amateure. Den Namen hab’ ich mitgenommen, so heiße ich immer noch und das ist auch absolut okay für mich. Ich war eben noch nie das Jahrhunderttalent, über den alle gesagt haben: "Der wird mal Fußballprofi." Ich war nie in irgendeiner Auswahlmannschaft. Es hat sich trotzdem ausgezahlt, dranzubleiben.

Kurzweg: "Sechzig wird eine schwere Nuss"

Am Montagabend empfangen Sie mit dem FC Ingolstadt Ihren Ex-Klub. Wer kennt Sie denn noch unter Ihrem alten Spitznamen?
Der Felix Weber auf jeden Fall, auch Karges und der Steges (Nico Karger und Zeugwart Norbert Stegmann, d. Red.). Und nach dem Spiel hoffentlich ein paar Jungs mehr (lacht).

Welches Spiel erwarten Sie im Duell Schanzer gegen Sechzger?
Sechzig wird auf jeden Fall eine schwere Nuss. Es wird sicher um jeden Zentimeter gekämpft. Es wird diesmal kein richtiges Heimspiel für uns, weil sie ein paar tausend Fans mitbringen. Löwen-Fans gibt es überall, auch bei uns um die Ecke. Das wird eine schwere Aufgabe. Ein Sascha Mölders ist immer für ein Tor gut, auch wenn er in seinem hohen Alter keine zwölf Kilometer mehr läuft. Wir sind selbstbewusst genug, um zu sagen: Wir wollen sie ohne Punkte wieder heimschicken.

Sie liegen mit Ingolstadt derzeit auf Rang zwei, haben gute Chancen auf die Rückkehr ins Fußball-Unterhaus, wo sich auch die Sechzger gerne sehen würden. Wo finden in Ingolstadt Aufstiegsfeiern statt?
Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Klar wäre es schön für uns und unsere Fans. Ich habe schon mal einen Aufstieg miterlebt, mit den Würzburger Kickers. Dafür lohnt es sich, das ganze Jahr zu schuften. Aber es ist noch ein langer Weg, darüber brauchen wir uns noch keine Gedanken zu machen.

Zu 1860 München hat Kurzweg noch eine persönliche Verbindung

Sie haben bisher alle Spiele gemacht, mit Ausnahme einer Rot-Sperre nach einem Platzverweis gegen den FC Bayern II (1:2, d. Red.). Wie sind Sie mit ihren eigenen Leistungen zufrieden?
Für mich persönlich lief es nach meinem Wechsel im Sommer sehr gut. Gegen die Bayern habe ich mich leider selbst rausmanövriert. Als Ex-Löwe habe ich meine ganze Jugend Derbys gegen die Roten gespielt. Vielleicht sind mir deshalb die Sicherungen durchgebrannt.

Wenn Sie schon gegen die Bayern im Derby-Fieber waren, werden sich vermutlich auch die Löwen warm anziehen müssen.
Ich habe richtig Bock auf das Spiel gegen die Löwen. Ich habe elf Jahre bei Sechzig gespielt, von der Jugend bis zu den Amateuren. Das wird auf jeden Fall ein besonderes Spiel für mich – und gegen Sechzig noch etwas mehr, da eine persönliche Verbindung besteht. Ich verfolge privat immer noch, was so los ist, meine Eltern sind immer noch Löwen-Fans.

Worüber sprechen die Kurzwegs in letzter Zeit, wenn es um Sechzig geht?
Dass Daniel Bierofka hingeschmissen hat, das hat mich sehr gewundert. Ich hatte ihn ja noch selbst als Trainer und schätze seinen Charakter sehr. Ich würde mir wünschen, dass er seinen Weg macht – er hat auf jeden Fall das Zeug, höher zu trainieren. Die Sechzger haben es erstaunlich gut aufgefangen mit ihrem neuen Trainer, sie sind noch ungeschlagen. Mit Michael Köllner hatte ich aber noch keine Berührungspunkte. Ich kann nur sagen, dass er recht bayerisch spricht (lacht).

"Statt 15.000 würden 50.000 Fans ins Grünwalder Stadion gehen"

Die vielen Turbulenzen dürften Ihnen in Giesing auch nicht fern geblieben sein.
Rund um den Verein war immer etwas los. Das kann man mit keinem anderen Klub vergleichen, bei dem ich danach war (Würzburg und Union Berlin, d. Red.). Auf der einen Seite heißt es: Investor raus, Präsident raus, Geschäftsführer raus – jede Woche soll ein anderer gehen. Bei einer Niederlage ist jedes Mal der Teufel los. Auf der anderen Seite begeistert Sechzig immer noch Zigtausende: Statt 15.000 würden manchmal wohl immer noch 50.000 Fans ins Grünwalder Stadion gehen, wenn sie alle Platz hätten.

Zurück zum Spiel: Was würden Sie gerne nach dem Schlusspfiff in die Mikrofone sagen?
Dass es ein geiler Fight war, dass wir alles rausgehauen haben und dass wir uns die drei Punkte erkämpft haben.

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