AZ-Interview Ex-Keeper Pfaff: "Ulreich braucht jetzt das Vertrauen"

Immer noch sehr beliebt: Jean-Marie Pfaff. Foto: firo/Augenklick

Ex-Bayern-Torhüter Jean-Marie Pfaff spricht in der AZ über Sven Ulreich – den Keeper, der Manuel Neuer vertreten wird. "Jetzt muss er da sein und alles für den Verein geben", sagt er.

 

München - Der Belgier (65) stand von 1982 bis 1988 im Tor des FC Bayern. Er wurde dreimal deutscher Meister.

AZ: Herr Pfaff, der FC Bayern muss mindestens zwei Wochen auf den an der Wade verletzten Torhüter und Kapitän Manuel Neuer verzichten. Wie schwer wiegt dieser Verlust beim Kampf ums Double?
JEAN-MARIE PFAFF: Also ich kann mich auf jeden Fall nicht mehr als Ersatz ins Tor stellen, das ist klar. (lacht) Natürlich ist es schade für Manuel und die Bayern in diesem Moment. Es geht noch um die Meisterschaft und den DFB-Pokal. Manuel ist eine Persönlichkeit. Er hat schon wegen seiner Fußverletzung über ein Jahr gefehlt. Da gab es schon Zweifel, ob er noch mal stark zurückkommt. Dass er jetzt wieder verletzt ist, tut ihm nicht gut. Er verliert wieder seinen Rhythmus.

Trauen Sie Sven Ulreich zu, Neuer in den kommenden Spielen fehlerfrei zu ersetzen?
Ulreich muss jetzt vor allem ruhig bleiben, sein Spiel spielen und die Abwehr organisieren. Die Bayern-Mannschaft ist auch mit Ulreich im Tor stark genug fürs Double. Ulreich ist ehrgeizig, er saß die meisten Spiele dieser Saison auf der Bank. Jetzt muss er da sein und alles für den Verein geben. Das ist die Aufgabe bei einem der größten Vereine der Welt. Dafür bekommt man ja auch ein gutes Gehalt.

In der vergangenen Saison hat Ulreich im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid entscheidend gepatzt.
Das stimmt. Ich habe mir damals gedacht: Warum schlägt er den Ball nicht einfach weg? Ulreich hat zu viel nachgedacht in dieser Szene, deshalb ist es schiefgegangen. Aber so etwas wird ihm nicht noch einmal passieren, er hat eine zweite Chance verdient. Ulreich braucht jetzt das Vertrauen – vom gesamten Klub! Er kann das schaffen.

Pfaff: Neuer kann noch fünf Jahre auf Top-Niveau spielen

Ist es für den FC Bayern nicht beunruhigend, dass Neuer seit Jahren immer wieder mit Verletzungen zu tun hat?
Das fängt eben an, wenn man älter wird. (lacht) Nein, im Ernst: Ich bin der Meinung, dass Torhüter im Alter von 33 Jahren ihr Training ein bisschen runterfahren sollten. Mehr aufs Fahrrad und nicht mehr jeden Tag nach den Bällen fliegen und mit der Hüfte auf den Boden knallen. Manuel braucht natürlich immer noch intensives Training, aber vielleicht nicht mehr so viele Wiederholungen bei den Übungen wie früher.

Glauben Sie, dass Bayern schon nach einem Nachfolger für Neuer Ausschau hält?
Ich denke, dass Manuel noch fünf Jahre auf Topniveau spielen kann, wenn sein Körper mitmacht. Es wäre schön, wenn Bayern selbst einen Torhüter ausbildet, der irgendwann auf Neuer folgt. Es gibt ja inzwischen eine Nachwuchsakademie und einen Torwartkoordinator (Tom Starke, Anm.d.Red.). Ich hätte den FC Bayern in diesem Bereich auch gern unterstützt, aber bis heute hat sich da noch nichts ergeben. Es ist wichtig, dass man die jungen Torhüter nicht allein lässt, sondern seine Erfahrung an sie weitergibt.

Wie viele Titel holt Bayern in dieser Saison?
Im Pokal muss Bayern nach Bremen, das ist eine gute Mannschaft. Aber wenn man sich die Qualität der Bayern anschaut, müssen sie die Partie gewinnen. Und in der Liga geht es darum, gelassen zu bleiben und die nächsten Spiele mit höchster Konzentration anzugehen. Dann klappt es mit dem Double. Ich hoffe, dass Manuel bald wieder gesund ist. Und Sven Ulreich wünsche ich viel Glück für die nächsten Spiele.

Lesen Sie hier: Was steckt dahinter? Manuel Neuer im Pressetalk des FC Bayern

 

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