AZ exklusiv Wirt Lochbihler verteidigt AfD-Veranstaltung in seinem Pschorr

Beste Lage: Der Pschorr zwischen Viktualienmarkt und Schrannenhalle. Hier durfte die AfD auftreten. Nun hat sich die Brauerei dazu geäußert. Foto: imago, facebook, privat

Jürgen Lochbihler zählt zu den Favoriten, falls ein Posten als Wiesn-Wirt frei wird. Allerdings sorgt er mit einer politischen Veranstaltung für Wirbel. Er selbst versteht die Aufregung nicht so ganz.

 

München - Es ist ein ungeschriebenes Gastro-Gesetz, an das sich alle halten. Fast alle. Die Münchner Innenstadt-Wirte haben sich vor längerer Zeit intern darauf verständigt, keine AfD-Veranstaltungen in ihren Wirtshäusern und Restaurants stattfinden zu lassen.

Natürlich gibt es immer wieder Anfragen der rechtspopulistischen Partei, in einem bekannten Lokal in bester Lage für ihre Ansichten zu trommeln und ihr Image aufzupolieren. Doch die Innenstadt-Wirte schieben der AfD stets einen Riegel vor. Bis auf Jürgen Lochbihler, Wirt vom Pschorr am Viktualienmarkt.

Im Pschorr lud die AfD zum "politischen Dialog"

Am 4. Oktober hatte er die AfD bei sich im Haus. Damals fand in seinem Bierkeller ein "politischer Dialog und Vortrag" der AfDler Wilfried Biedermann und Uwe Jung statt. In den sozialen Netzwerken gibt es einige Bilder, die die Veranstaltung bezeugen. Neben den AfD-Logos wird da gern betont, dass der "politische Dialog" im Pschorr über die Bühne gegangen ist.

Nachdem die AZ in der Weihnachtsausgabe darüber berichtet hatte, meldeten sich Wirte-Kollegen, die ganz klar dagegen polterten: "Wie kann es sich der Lochbihler rausnehmen, der AfD die Türen zu öffnen?", fragten sie entsetzt.

Lochbihler könnte 2019 Wiesn-Wirt werden

Pikant: Lochbihler zählt zu den Favoriten, falls heuer ein Posten als Wiesn-Wirt frei wird. Nach einem Abrechnungsfehler in Millionenhöhe könnte es für Wiggerl Hagn im Löwenbräuzelt eng werden. Toni Roiderers Zukunft im Hackerzelt ist nach den Hygienemängeln (Strafbefehl über 95.000 Euro) ebenfalls ungewiss.

Die Stadt, allen voran OB Dieter Reiter, will hart durchgreifen und lässt nun einen externen Wirtschaftsprüfer noch mal alle großen Zelte unter die Lupe nehmen, was den Wirten freilich sauer aufstößt (AZ berichtete). Nicht nur, dass sie ebenfalls fürchten müssen, Fehler gemacht zu haben. Die Millionensumme, die diese Prüfung kosten wird, will die Stadt auf die Wirte abwälzen. Aber wer weiß, was diese Prüfung ergibt – vielleicht wackelt ein weiterer Wirt?

Lochbihler: "Hatten auch schon die FDP im Haus"

In dem ganzen Vor-Wiesn-Beben spielt jetzt also der potenzielle Wiesn-Neuzugang Jürgen Lochbihler mit seinem guten Ruf. Zunächst wollte er sich nicht zu der AfD-Veranstaltung im Pschorr äußern. Doch jetzt erklärt sich Lochbihler in der AZ. Die Aufregung um die AfD-Veranstaltung versteht er nicht. Im Gegenteil – er verteidigt sie: "Warum soll ich dieser Partei kein grünes Licht geben? Wir hatten die FDP auch schon bei uns im Haus. Und junge Leute von der Mahnwache." Dass die AfD für extremere Ansichten bekannt ist, sieht Lochbihler nicht so: "Das war kein rechtsradikaler Abend."

Hat er die Brauerei vorab informiert, dass die AfD im Pschorr (das Lokal heißt nicht Lochbihler) auftreten wird? Der Wirt dazu: "Nein. Jede Anfrage für unsere Veranstaltungsräume wird geprüft. In dem Fall habe ich mich vorab gewissenhaft informiert und das individuell für mich entschieden. Da ich der Hausherr im Pschorr bin, muss ich das mit niemandem absprechen."

Die Wirte haben sich abgesichert

Die meisten Wirte verhalten sich anders. Vor allem nach dem Streit, den Ricky Steinberg vom Hofbräukeller 2016 mit der AfD hatte. Steinberg hatte eine vereinbarte Veranstaltung der AfD mit der damaligen Parteichefin Frauke Petry kurzfristig abgesagt. Rechte Gesinnung wolle er in seinem Haus nicht haben, so der Wiesn-Wirt damals. Die Partei zog vor Gericht, klagte dagegen – und gewann. Seitdem haben sich viele Wirte abgesichert.

Auch wenn erst nach Vertragsabschluss herauskommt, dass ein gebuchter Raum in Wahrheit für eine AfD-Veranstaltung gedacht ist, kann der Wirt den Einlass verwehren, ohne mit Folgen rechnen zu müssen.

 

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