AZ exklusiv Streit um Handspiel-Regel: Urs Meier kritisiert Schiedsrichter scharf

Links: Schiedsrichter Felix Zwayer lässt nicht mit sich diskutieren. Rechts: Ex- Schiedsrichter Urs Meier. Er kann eine solche Auslegung der Handspiel-Regel nicht nachvollziehen. Foto: imago/Jan Huebner, Martin Hoffmann, AZ-Montage

Urs Meier spricht in der AZ über das Handspiel von Mats Hummels beim Spiel des FC Bayern gegen Düsseldorf und den Video-Schiedsrichter.

 

München - Der 60-jährige Schweizer Urs Meier zählte jahrelang zu den weltbesten Schiedsrichtern. Im Interview mit der AZ spricht er über die Auslegung der Handspielregel und die Video-Schiedsrichter.

AZ: Herr Meier, am Sonntag wurde gerätselt, warum Fortuna Düsseldorf nach einem unabsichtlichen Handspiel von Bayern-Star Mats Hummels einen Elfmeter zugesprochen bekam. Wer soll da noch durchblicken?
URS MEIER: Die Auslegung der Handspielregel ist wirklich katastrophal – und zwar auf allen Ebenen, in der Bundesliga und international. Ich kann nur noch den Kopf schütteln. Eigentlich ist die Handregel ja sehr einfach. Aber aktuell wird fast immer Elfmeter gepfiffen, wenn der Ball die Hand berührt.

Urs Meier: "Ich kann nur noch den Kopf schütteln"

Moment: Die Handregel ist sehr einfach?
Ja, klar. Der Schiedsrichter muss entscheiden, ob Absicht vorliegt oder nicht, ob die Bewegung der Hand natürlich oder unnatürlich ist – und ob die Hand zum Ball geht oder eben der Ball zur Hand. Das sind die Kriterien. Doch aktuell wird auch dann auf Elfmeter entschieden, wenn ein Ball aus kurzer Distanz mit Wucht an die Hand geschossen wird – etwa beim Spiel Tottenham gegen Manchester City in der Szene mit Tottenhams Danny Rose. Nicht einmal die City-Spieler haben Strafstoß gefordert. Aber dann hat der Video-Schiedsrichter eingegriffen. Ich verstehe das nicht.

Warum mischt sich der Video-Schiedsrichter bei Handspielen im Strafraum denn so oft ein?
Ich glaube, dass von oben viel Druck auf die Video-Schiedsrichter ausgeübt wird und deshalb Angst und Verunsicherung herrschen. Man sollte aber vielmehr die Schiedsrichter auf dem Spielfeld wieder stärken und sie entscheiden lassen, ob bei einem Handspiel Absicht vorliegt oder nicht. Natürlich ist es richtig, dass bei klaren Fällen per Video-Schiedsrichter eingeschritten wird, wenn der Feldschiedsrichter ein Vergehen nicht gesehen hat. Aber das sind Ausnahmen. Wir sollten zu dem Modell von früher zurückkehren. Die Wahrheit liegt auf dem Platz – und dort soll der Schiedsrichter die Situationen bewerten und entscheiden. Es ist ja auch so, dass man bei einer Videosequenz die Geschwindigkeit eines Schusses überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Urs Meier: "Das ist falsch und hat mit Fußball nichts mehr zu tun"

Leverkusens Trainer Peter Bosz hat angeregt, dass man doch einfach bei jedem Handspiel im Strafraum Elfmeter pfeifen könnte. Dann wäre es unkomplizierter.
Es ist klar, was dann passieren würde: Jeder Spieler würde versuchen, dem Gegner im Strafraum absichtlich an die Hand zu schießen. Und die Jungs sind so gut, die schaffen das. Dann würde es ja nur noch Elfmeter geben. Ich halte davon nichts. Schon jetzt laufen viele Abwehrspieler durch die Strafräume und halten ihre Hände auf dem Rücken, damit sie den Ball ja nicht berühren. Das ist nicht natürlich, das ist falsch und hat mit Fußball nichts mehr zu tun.

 

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