AZ exklusiv Löwe Daniel Wein: "Wir können und wollen die Bayern schlagen"

"Eine Derby-Niederlage schmerzt immer": Daniel Wein (l.) bei der 0:1-Pleite gegen den FC Bayern II im Oktober 2017. Foto: sampics/Augenklick

Groß geworden beim TSV 1860, dann neun Jahre FC Bayern, und seit 2017 wieder Löwe: Es gibt kaum einen größeren Derby-Experten als Daniel Wein. Im AZ-Interview sagt er: "Wir wollen Revanche."

 

München - Am Sonntagnachmittag trifft der TSV 1860 im Münchner Lokalderby auf den FC Bayern II (14 Uhr, Magenta Sport und im AZ-Liveticker). Vor der Partie hat die AZ mit Sechzigs Daniel Wein gesprochen, der von 2005 bis 2014 für die Roten spielte.

AZ: Herr Wein, können Sie sich noch an den 6. November 2012 und den 6. November 2013 erinnern?
Daniel Wein: Ehrlich gesagt nicht. Könnte was mit den Derbys zu tun haben, oder?

Genau: Es setzte jeweils eine Derby-Pleite für Sie – mit Bayern II gegen 1860 II.
Eine Derby-Niederlage schmerzt immer. Ich war ja vorher in der Jugend fünf Jahre bei Sechzig, danach acht oder neun Jahre bei den Bayern, bevor ich über den Umweg Wehen-Wiesbaden wieder zu den Löwen kam. Ich habe bestimmt 20 Derbys mitgemacht. Da hat wohl nur der Felix Weber mehr. Da sind viele Emotionen drin, es geht es immer rund und für die Fans ist es sowieso das wichtigste Spiel der Saison. Verlieren will da keiner.

Daniel Wein: "Das Spiel bedeutet uns, den Fans und der Stadt München eine Menge"

Die letzten Vergleiche gab es in Sechzigs Regionalliga-Saison 2017/18, die beide verloren gingen. Sie dürften also noch eine Rechnung offen haben mit den Roten.
Wir sind in dem Jahr aufgestiegen und haben damit den wichtigeren Job gemacht. Von daher konnten wir ein bisschen leichter mit den Niederlagen (0:1 und 1:3, d. Red.) leben. Trotzdem wollen wir Revanche und das jetzt geraderücken!

Am Sonntag bekommen Sie dazu die Chance: 14 Uhr, Grünwalder Stadion, restlos ausverkauft – kribbelt es schon?
Ja, schon seit dem Spiel in Halle. Das Spiel bedeutet uns, den Fans und der ganzen Stadt eine Menge. Wir wissen, was auf dem Spiel steht: Einerseits geht es um drei Punkte, andererseits ums Prestige – auch, wenn wir nur gegen Bayern II spielen.

Wo Sie es schon ansprechen: Viele Löwen-Fans werden in Erinnerungen an die "großen" Derbys schwelgen.
Klar wäre es unseren Fans lieber, wir würden in der Bundesliga gegen die großen Bayern spielen. Das wäre mir auch lieber. Ich kann mich noch gut an das letzte große Derby erinnern, als Sechzig die Bayern im DFB-Pokal am Rande einer Niederlage hatte – und der Ribéry kurz vor dem Elfmeterschießen den Elfmeter reingemacht hat. Momentan ist die Situation halt, wie sie ist – es ist ein Drittligaderby. Aber ich glaube trotzdem, wenn wir am Sonntag das Spiel gewinnen, werden uns die Fans genauso dafür feiern.

Sie haben ja den Vergleich: erfolgsverwöhnte Bayern mit eingepflanztem "Mia san mia" gegen den Arbeiterverein von Giesings Höhen. Inwieweit hat man das auch in der Jugend gespürt?
Bei den Bayern hat man immer gehört: Du musst jedes Spiel gewinnen. Natürlich ist das der größte Verein, mit Champions League und vielen Titeln. Aber das hat in diesem Spiel am Samstag nicht viel zu sagen. Wir gehen mit Selbstvertrauen in dieses Spiel und sagen: Wir können und wollen die Bayern schlagen.

Wein über das Bierofka-Aus: "Ich bin wegen ihm hier"

Trainer Michael Köllner hat vor ein paar Tagen erklärt, Bayerns Zweitvertretung sei fußballerisch mit die beste Mannschaft in der Liga. Was sagen Sie dazu?
Ich sehe es auch so, dass die Bayern vom Spielerischen her natürlich sehr stark sind. Auf das Fußballerische und die Technik wird dort sehr viel Wert gelegt. Sie haben mit Cuisance auch einen, der ein paar Millionen wert ist (Top-Talent Michaël Cuisance, Marktwert laut "transfermarkt.de" 12 Millionen Euro). Aber dann macht es doch noch mehr Spaß, gegen sie zu spielen. Wir können mit Einsatz, Mentalität und Willen dagegenhalten. Mit Sascha und dem Lexi (Sascha Mölders und Stefan Lex, d. Red.) haben wir auch zwei ehemalige Bundesligaspieler, die vorangehen.

Welchen Eindruck haben Sie grundsätzlich von ihrem neuen Chefcoach?
Der Trainer erweckt einen sehr positiven Eindruck: Das Training macht Spaß, er ist ein sehr offener und sympathischer Typ. Er arbeitet viel mit kleineren Gruppen. Jeder Spieler soll zu ihm kommen, er will persönliche Sachen erfahren. Ich finde gut, wie er sich um uns kümmert, das gibt einem ein gutes Gefühl.

Sie zählten zu den Spielern, die beim 1:0-Sieg in Halle das T-Shirt mit der Aufschrift "Danke Biero" in die Kamera gehalten haben. Wie schmerzlich war das Aus von Daniel Bierofka?
Sehr. Wir alle haben dem Biero viel zu verdanken. Ich persönlich bin wegen ihm hier, er hat mich geholt und mir in jedem Spiel, in dem ich fit war, das Vertrauen geschenkt. Wir wollten ihm in Halle zeigen, wie dankbar wir sind und ihm ein Abschiedsgeschenk machen. Aber jetzt blicken wir mit unserem neuen Trainer nach vorne.

Die Gerüchte, dass es im Team nicht gestimmt haben soll, können Sie demnach nicht bestätigen.
Nein. Wir waren unter Biero ein Team, eine gute Mannschaft. Er hat die Arbeit angefangen, jetzt wollen wir sie fortsetzen.

Die bayerischen Vergleiche gehen weiter: Nach den Bayern folgen die Duelle mit der SpVgg Unterhaching und dem FC Ingolstadt: Wie geht Ihre Derby-Rechnung?
Ich wäre zufrieden, wenn wir zwei Spiele gewinnen und eins unentschieden spielen – also sieben Punkte holen. Wenn ich mich für eines entscheiden müsste, würde ich sagen: Wir schlagen die Bayern, denn das ist für mich immer noch das echte Derby.

Lesen Sie hier: Bibiana Steinhaus leitet das Münchner Derby!

 

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