Ausgangsbeschränkungen gelten weiter Kontrollen am Wochenende: Ein bisschen mehr Freiheit

, aktualisiert am 05.04.2020 - 17:20 Uhr
So war's am Freitag: Spaziergänger am Isarufer in der Nähe des Tierparks Hellabrunn. Foto: Felix Hörhager/dpa

Die Beschränkungen im Freistaat gelten weiter – allerdings will die Münchner Polizei nicht mehr ganz so streng vorgehen wie zuletzt.

 

HINWEIS: Am Sonntagnachmittag hat die Münchner Polizei erklärt, dass "ein längeres Verbleiben ohne Bewegung" einen Verstoß gegen die Regeln darstelle. Noch am Freitag während der Recherche für diesen Artikel hatte ein Polizeisprecher unter anderem gegenüber dem AZ-Reporter angegeben, dass es okay sein müsse, "20 Minuten auf einer Parkbank zu sitzen" oder auf Picknickdecken an abgelegenen Orten, wo man "nicht wie auf dem Präsentierteller" liege. Um Missverständnisse zu verhindern, haben wir die Passage unter der Überschrift "Was ist am Wochenende erlaubt?" an den aktuellen Standpunkt der Polizei angepasst. 


München - Die Osterferien haben begonnen, statt Urlaubsreisen gibt’s Ausgangsbeschränkungen, Kanzlerin Merkel appelliert, auch von Verwandtenbesuchen dringend abzusehen. Wenigstens wird an diesem Wochenende das Wetter schön. Sonnenschein und wärmere Temperaturen werden wieder viele ins Freie locken.

Polizei will mit Augenmaß kontrollieren

Nachdem die Münchner Polizei vor einer Woche auch gegen Menschen rigide vorgegangen ist, die niemanden gefährdeten, sondern nur die Sonne und Natur genießen wollten, lässt Innenminister Joachim Herrmann die Zügel nun ein klein wenig lockerer.

Bis vor einer Woche hatten sich die Regeln zunächst schleichend verschärft, nun rudert vor allem die Münchner Polizei etwas zurück. Die Regeln Kontaktverbot, Abstand halten und Menschenansammlungen meiden, gelten aber uneingeschränkt weiter.

Strenge Kontrollen der Polizei am letzten Wochenende

Rückblick: Voriges Wochenende hatte die Polizei Rentner verjagt, die alleine auf Parkbänken saßen. Auch Sonnenhungrige, die sich allein auf eine Wiese legten, wurden ermahnt. Ausflüge aufs Land sollten Münchner generell bleibenlassen. "Ein Ausflug von München zu den beliebten Zielen im weiteren oberbayerischen Bereich wie den dortigen Bergen oder auch Seen ist definitiv nicht als triftiger Grund zu sehen!", verbreitete die Polizei via Twitter.

Genau das Gegenteil davon verkündete Ministerpräsident Markus Söder am nächsten Tag. Dem "Spiegel" sagte er: "Wir dürfen das Land nicht wegsperren. Wir brauchen Luft zum Atmen. Wenn jemand an den Tegernsee fährt und da spazieren geht und entsprechend Abstand hält, dann ist das okay. Wir müssen auch auf die psychische Stabilität unseres Landes achten."

Unter anderem der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn warf der Polizei vor, übers Ziel hinauszuschießen. Auch die AZ zweifelte die Verhältnismäßigkeit einzelner Maßnahmen an. Nun lenken Politik und Polizei ein wenig ein. Polizeisprecher da Gloria Martins zeigte am Freitag Verständnis, dass es die Menschen nach zwei Wochen Ausgangsbeschränkungen nach draußen zieht und niemand "24 Stunden, sieben Tage die Woche in den eigenen vier Wänden hocken will". Nicht jeder habe "eine 60 Quadratmeter Dachterrasse". Was sich (leicht) ändert – und was nicht:

Was ist am Wochenende erlaubt?

Parkbank/Sonnenbad: "Stehen, Gehen, Sport an der frischen Luft sind in Ordnung", erklärt Sven Müller von der Münchner Polizei am Sonntagnachmittag, "allerdings ein längeres Verweilen ohne Bewegung geht nicht, das ist ein Verstoß gegen die Regelungslage".

Ausflüge: Generell verboten sind sie nicht. Martins: "Wer sich als Münchner mit seiner Frau ins Auto setzt, um einen Ausflug zu machen, wird nicht zurückgeschickt oder angezeigt." Innenminister Herrmann mahnt jedoch dringend, nicht zig Kilometer zu einem beliebten Ausflugsort zu fahren. Dort treffe man "unweigerlich auf eine große Zahl an anderen Ausflüglern". Er rät: "Bleiben Sie lieber im heimischen Umfeld, das Sie gut kennen und wo Sie auch wissen, dass an einem bestimmten Ort nicht mit Menschenansammlungen zu rechnen ist." Gegen einen "Spaziergang auf einem einsamen Waldweg" spreche nichts.

Picknick: Nach wie vor "sehr heikel" und zu vermeiden. Martins mahnt: "Nicht zu mehreren Personen die Decke ausbreiten und dann die Platte mit Antipasti auspacken!" Picknicker würden nach Hause geschickt. 

Tabu-Regionen: In einigen Regionen besteht derzeit ein weit überdurchschnittliches Infektionsrisiko. Es wäre "völlig verfehlt", jetzt dort hin zu fahren, so Herrmann. Tabu-Zonen sind derzeit der Landkreis Tirschenreuth und Umgebung, die Landkreise Rosenheim und Miesbach.

Mit dem Motorrad fahren: Zur Arbeit darf man fahren, ein Ausflug in die Berge ist nicht erlaubt. Hier droht eine Geldbuße.

Herrmann: "Wir müssen uns am Riemen reißen"

Innenminister Joachim Hermann appelliert an die Vernunft: "Wenn wir jetzt die Zähne zusammenbeißen, uns am Riemen reißen und alles dafür tun, dass es weder in den städtischen Parks, noch in den Bergen und den anderen Ausflugsgebieten zu dichten Menschenansammlungen kommt, sondern sich die Luftschnapper, Spaziergänger und Freiluftsportler möglichst in der näheren Umgebung zu ihrer Wohnung gut verteilen, dann werden wir diese schmerzhafte Phase umso eher überwunden haben."

Seit Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen (21.3.) hat die bayerische Polizei rund 300.000 Kontrollen durchgeführt. Am Wochenende und in den folgenden Tagen soll besonders an beliebten Ausflugszielen und "Hotspots" noch stärker kontrolliert werden.

Lesen Sie hier: Daten zeigen - So gut klappt "Social Distancing" in München

 

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