Aufsichtsratssitzung des FC Bayern 8:0 für Hoeneß! Er bleibt Präsident – vorerst

Uli Hoeneß bleibt Präsident des FC Bayern, erhielt volle Rückendeckung durch den Aufsichtsrat. Hier verlassen die Bayern-Bosse die Allianz Arena. Foto: dpa

Der Bayern-Präsident bietet dem Aufsichtsrat seinen Rücktritt an. Doch Stoiber & Co. lehnen das einvernehmlich ab – damit die Unruhe vor den Finals nicht noch größer wird

München - Montagabend, Zweitliga-Zeit. Doch nicht 1860 spielte in der Allianz Arena gestern, sie leuchtete in Bayern-Rot. Die Aufsichtsräte des Vereins, Vertreter von Großkonzernen, spielten Schicksal für Uli Hoeneß – den Vorsitzenden, den Steuersünder, der sich selbst angezeigt hat und gegen den die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es ging um seine Ämter, um seine Zukunft. Es ging gut aus. 8:0 für Hoeneß.

 

Die acht Aufsichtsräte lehnten sein Rücktrittsangebot „einvernehmlich“ ab. Hoeneß bleibt – vorerst. In beiden Ämtern, als Aufsichtsrats-Boss und Präsident. Um 20.39 Uhr ließ sich Hoeneß aus der Arena chauffieren, er saß auf dem Rücksitz seines Dienst-Audis, das Handy am Ohr. Die Sitzung hatte um 16 Uhr begonnen, Hoeneß war um 15.31 Uhr vorgefahren. Um 17.36 Uhr (Zeitpunkt der Bayern-Erklärung, siehe oben) war klar: Die Sitzung des Kontrollgremiums verlief ganz in seinem Sinne. Das Angebot des 61-Jährigen, sein Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrats ruhen zu lassen, bis die Behörden über seine Selbstanzeige entschieden haben, es wirkte.

Hoeneß habe in der Aufsichtsratssitzung „sein Bedauern über den Vorfall ausgedrückt und sich entschuldigt“, teilte die AG in einer Presseerklärung mit. Keiner der Beteiligten war am Montagabend bereit, ein Statement abzugeben, sie rauschten an den Reportern und Kamera-Teams durch die Schranke auf den Autobahnzubringer Fröttmaning. Neben Hoeneß besteht der Aufsichtsrat aus acht Mitgliedern.

Die Konzern-Vorstände Herbert Hainer (adidas), Martin Winterkorn (VW), Rupert Stadler (Audi) und Timotheus Höttges (Telekom) hatten sich laut „Spiegel“ zuletzt darauf verständigt, dass Hoeneß sein Amt ruhen lassen solle. Der Einzug ins Finale der Champions League habe ein Umdenken bewirkt. In dem Gremium sitzen auch der Bänker Dieter Rampl, „Focus“-Herausgeber Helmut Markwort, der früherer Ministerpräsident Edmund Stoiber und Karl Hopfner. Stoiber und Hopfner, seit Jahrzehnten loyal an der Seite von Hoeneß, waren Kandidaten für eine Zwischenlösung. Doch dazu kam es nicht.

Die AZ klärt die wichtigsten Fragen zum Hoeneß-Gipfel.

Warum hat der Aufsichtsrat für Hoeneß gestimmt? Es ist ein Freispruch auf Bewährung, jedoch betont sachlich und distanziert formuliert. Geholfen haben Hoeneß seine offene Reue, das deutliche Rücktrittsangebot und der Zeitpunkt zum Saisonende. Geschickt hatte er selbst bereits im „Zeit“-Interview gesagt: „Auf keinen Fall werde ich vor dem Finale der Champions League zurücktreten.“

Haben die Aufsichtsräte ihr Gesicht gewahrt? Ja. Sie bestehen in der Mitteilung auf Klärung aller Fakten – nach der Saison. Im Juni oder später. Das Misstrauen ist da, aber eine Verurteilung seitens der Konzerne erstmal aufgeschoben. Vor den beiden Finals, allen voran dem Showdown in der Champions League am 25. Mai in London gegen Dortmund, und dem Pokalfinale (1. Juni gegen Stuttgart) wollten die Konzernbosse keine weitere Unruhe reinbringen und in den Augen der Fans als potenzielle Buhmänner dastehen.

Wie geht es für Hoeneß weiter? Bis die Staatsanwaltschaft seine Steuerdaten vollständig geprüft hat, können Monate vergehen. Bis dahin steht er unter Beobachtung, allerdings nun mit Rückendeckung des Vereins.

„Es spricht für Uli, dass der Aufsichtsrat sein Angebot abgelehnt hat“, sagte Ehrenpräsident Franz in „Bild“, „ein toller Vertrauensbeweis für Uli. Jetzt kann ich nur hoffen, dass er möglichst gut aus der Steueraffäre herauskommt.“

Lesen Sie hier: Vertragsverlängerung von Rummenigge bis 2016?

Lesen Sie hier: Das sagte Seehofer der Online-Ausgabe der Münchner „Abendzeitung“.

 

27 Kommentare