Auch von Privatverkäufern Flächen für Wohnen, Schulen & Co: Die Stadt kauft "alles"

Gruben, Bagger, Baustellen: Auf 190 Hektar Fläche entstehen im neuen Stadtteil Freiham Wohnungen für 20 000 Menschen. Die größten Flächen dafür hat die Stadt schon in den 1960er Jahren angekauft. Kleines Bild: Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD). Foto: iko/AZ

Um mehr Wohnungen, Schulen & Co. bauen zu können, sucht die Stadt dringend Grundstücke von privaten Verkäufern. Was darf das kosten?

 

Wo man hinschaut in München: Die Stadt baut. (Sozial-)Wohnungen im Werksviertel, an der Bayernkaserne, in Freiham. Zig neue Schulen und Kitas im ganzen Stadtgebiet. Die neue Feuerwache 4 und bald ein Volkstheater auf dem Viehhof.

All das ginge nicht, hätte die Stadt keine eigenen Flächen, die sich bebauen ließen. Das Problem ist nur: Deren Zahl ist begrenzt. Und weil Spekulanten auf dem boomenden Münchner Grundstücksmarkt horrende Kaufpreise zahlen, hat die Stadt München kaum Chancen, neue Flächen dazuzukaufen.

Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD), Münchens oberster Immobilienchef, geht jetzt in die Offensive – und ruft private Grundstückseigentümer auf, an die Stadt zu verkaufen: "Ich kaufe alles, was einen seriösen Preis hat!" Und zwar egal, ob es sich um ein Waldstück im Mangfalltal handelt, einen Acker in Aubing oder ein Grundstücks-Sahnestückchen innerhalb des Altstadtrings.

Ein "Akquise-Team" soll Angeboten finden und Verhandlungen führen

Um Flächen zum Kauf zu finden, hat Markwardt ein siebenköpfiges "Akquise-Team" in seinem Haus installiert, das Angebote durchforstet, Verkäufer oder auch potenzielle Vermieter sucht und Verhandlungen führt.

Immerhin, der Zuzug nach München ist ungebremst. Laut Prognosen werden weiterhin jährlich bis zu 30 000 Neubürger an die Isar ziehen. Und nur dann, wenn auch ein Grundstück dafür da sei, könnten auch weiter bezahlbare Wohnungen, Schulen, Alten- und Servicezentren oder Kultureinrichtungen gebaut werden. "Wir müssen strategisch denken", sagt Markwardt, "und weiter Flächenvorrat schaffen."

Bestes Beispiel dafür, wie sich dieses "Vorratsdenken" in der Vergangenheit ausgezahlt hat, ist das neue Stadtviertel Freiham für 20 000 Menschen, das im Münchner Westen entsteht. Da hatte der damalige SPD-OB Hans-Jochen Vogel weit vorausgedacht, und schon in den 60er Jahren darauf gedrungen, dass die Stadt dort große Acker aufkauft – für Zeiten, in denen neue Wohnungen gebraucht werden. "Heute hätten wir für diese Flächen sicherlich ein zigtausendfaches von dem Preis damals zahlen müssen", sagt Markwardt.

Seit 2005 hat sich die Stadt deshalb verordnet, keine Grundstücke mehr zu versilbern, um Schulden abzubauen. Sondern festzuhalten, was irgendwie geht. So verwaltete das Kommunalreferat Ende 2015 immerhin noch 3300 Grundstücke allein im Stadtgebiet (Gesamtfläche: 22 Millionen m²). Nur 691 Flächen (6,5 Millionen m²) aber laufen als noch freie "strategische Vorratsflächen". Dazu kommen 1000 Flächen außerhalb der Stadt. Markwardt: "Das reicht nicht für lange"

Nun ist es nicht so, dass die Stadt in Geld schwimmt. Der Kommunalreferent hat einen Pauschalbetrag von rund 50 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung, um Flächen einzukaufen. "Aber wenn das Angebot vernünftig ist, braucht man bloß mit dem Kämmerer reden", sagt Markwardt. "Da geht immer was."

Was Forst, Acker & Co. wert sind

Über 500 000 Quadratmeter Fläche im Stadtgebiet hat das Akquise-Team des Kommunalreferats seit 2015 angekauft. Gerade verhandelt es um knapp 25 000 m² Bauerwartungsland. Welche Preise bietet die Stadt?

  • Forst: Ein Hektar Forst (10 000 m²) ist ohne Bäume rund 20 000 Euro wert (also 2 Euro/m²). Mit Bäumen etwa das Doppelte.
  • Acker: Für einen Hektar Acker (etwa in Aubing) bietet die Stadt rund 120 000 Euro (12 Euro/m²).
  • Stadtgrund: Ein 500-m²- Grundstück mit Gebäude im Stadtgebiet bringt 15 bis 30 Millionen Euro. In besten Lagen 60 Millionen Euro.

Wer Grund zu verkaufen hat, wendet sich an: Kommunalreferat, Immobilienservice/Akquise, Roßmarkt 3, Tel: 233-25 274, akquise.kom@muenchen.de

 

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