Aspirin? Baldrian? Kippe! Als Jogi Löw bei der EM 2008 Qualm aufwirbelte

Rauchend hinter Glas: Joachim Löw bei der EM 2008. Foto: dpa

Bei der EM 2008 durfte Löw nicht auf der Bank sitzen – und wirbelte mächtig Qualm auf.

 

Ein Länderspiel ganz ohne Jogi Löw – gab’s nie seit seiner Amtsübernahme 2006? In den bald 13 Jahren als Cheftrainer samt 173 Einsätzen hat Löw ein Spiel an der Seitenlinie versäumt, war aber im Stadion.

Denn selbst als der Bundestrainer für das EM-Viertelfinale 2008 gegen Portugal (3:2) wegen Auseinandersetzungen mit dem Vierten Offiziellen im vorherigen Gruppenspiel gegen Österreich gesperrt worden war, verfolgte er die Partie in einer Loge des Basler Stadions "St. Jakob Park". Als es in der Schlussphase im Kampf um den Einzug ins Halbfinale eng und kribblig wurde, steckte sich Löw in der Loge – hinter Glas – eine Zigarette an. "Die Situation war schon aufreibender, als wenn man den direkten Kontakt zur Mannschaft hat", sagte Löw, "es war eine spannende Phase im Spiel, da habe ich mir eben eine angezündet."

Jogi beim Rauchen: "Erwischt" von Kameras

TV-Kameras "erwischten" Löw, im weißen, komplett durchgeschwitzten Hemd samt Glimmstängel. Der Bundestrainer beteuerte, es habe in den Logen kein Rauchverbot geherrscht. Und ja, er habe vor einiger Zeit wieder angefangen, ab und an eine Zigarette zu rauchen, nach dem Essen zum Beispiel. Reines Genussrauchen, sagen sie alle. Das nervenaufreibende 3:2, bei dem die Portugiesen nach 0:2 auf 1:2 und kurz vor Ende von 1:3 auf 2:3 herankamen, war eher kein Genuss. Im Gegenteil: nichts für schwache Nerven.

Die Uefa habe ihm neben Getränken noch Aspirin und Baldriantropfen in die Loge gestellt, berichtete Löw amüsiert, das habe ihn verwundert, "aber das war in der Tat so".

Aber was war damals in Basel in Sachen Coaching und Kontakt zum Rest des Trainerteams und der Mannschaft überhaupt erlaubt? Über Handy oder einen Mittelsmann mit der Trainerbank zu kommunizieren, in irgendeiner Form Anweisungen zu geben oder strategische Entscheidungen zu treffen, wurde von der Uefa untersagt. Löw hatte sich am Vormittag des Viertelfinals mit seinen Assistenten Hansi Flick und Torwarttrainer Andy Köpke besprochen und alle Szenarien, selbst die Auswahl möglicher Elfmeterschützen, durchgespielt.

Sorg übernimmt Aufgaben in Minsk

Ging ja nochmal gut. Flick, damals 43, machte eine patente Figur als Stellvertreter – auch äußerlich, weil mit Löw auf einer Stil-Linie – und suchte nur manchmal den Blickkontakt mit seinem Vorgesetzten auf der Tribüne. Vor der Fahrt ins Basler Stadion hatte Löw noch einmal zur Mannschaft gesprochen – das war gestattet. Die Kabinenansprache hielt Flick. In Minsk übernimmt Sorg beides.

Pikante Nebenwirkung des damaligen Spiels: Löw verstieß mit dem Griff zur Kippe gegen die Prinzipien seines Arbeitgebers. Das DFB-Präsidium hatte im Februar 2008 eine Empfehlung herausgegeben, in der es hieß: Stadionbesuchern von Heimländerspielen werde ab sofort ein genereller Rauchverzicht nahegelegt.

Diesen Samstag wird Löw, gesundheitlich angeschlagen, sicher clean bleiben.

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