Anwohner sind erbost München: Ärger um die "Party-Tanke" in der Kapuzinerstraße

Die Aral-Tankstelle an der Kapuzinerstraße hat eine unmittelbare Wohn-Nachbarschaft. Foto: Daniel von Loeper

Tankstellen-Anwohner in der Isarvorstadt klagen über nächtliches Partyvolk. Die Lokalpolitik ist ratlos, der Betreiber sieht sich nur zum Teil zuständig.

 

München - "Aral – alles super", wirbt die Tankstelle in der Kapuzinerstraße 46. "Aral – nichts ist super", finden hingegen erboste Anwohner von direkt gegenüber.

Denn die 24-Stunden-Tankstelle nahe der Wittelsbacherbrücke ist im Corona-Sommer zum Magnet für Feierfreudige geworden. Der Grund: Der integrierte Rewe-to-go-Shop bietet die ganze Nacht Alkohol-Nachschub nur etwas über normalen Supermarktpreisen. Das taugt dem Partyvolk, das von der nahen Isar kommt.

"Mein 13-jähriger Sohn wacht nachts immer wieder auf. Glasflaschen fliegen draußen zu Boden. Am Wochenende höre ich grölende Leute um ein Uhr nachts, auch um fünf Uhr morgens", sagt Anwohner Rüdiger S.. Mit seiner Familie wohnt er seit zehn Jahren in einem Haus gegenüber, ohne irgendwelche Probleme.

"Verschmutzung, Vandalismus und Lärmbelästigung"

Im sich aufheizenden Corona-Sommer platzt ihm langsam der Kragen: "Verschmutzung, Vandalismus und Lärmbelästigung haben stark zugenommen. Ich habe nie die Polizei gerufen, denn es liegt mir fern, jemanden zu denunzieren. Ich suche das Gespräch", sagt der 46-jährige Projektleiter bei einer Eventagentur.

Über das "alkoholisierte nächtliche Halligalli" hat er sich vergangene Woche beim Bezirkssauschuss Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt offiziell beschwert. Dem Gremium hat er berichtet: Um 22 Uhr stünden junge Leute Schlange vor dem Eingang der Aral-Tankstelle. "Um diese Uhrzeit gehen die Leute normalerweise in Bars. Die Tankstelle verkauft wie eine Bar." Ärgerlich für den Nachbarn: Das Tankstellenpersonal sähe keine Verantwortung, für Ruhe zu sorgen und sich um den Dreck zu kümmern. "Die sind überfordert", meint S., der mehrmals mit Mitarbeitern gesprochen hat.

Die ausgelassenen Abifeiern und Feiern zur Mittleren Reife sind inzwischen vorbei. Vergangenes Wochenende hat S. allerdings eine 30 Meter lange Schlange vor dem Tankstelleneingang bemerkt; es darf ja nur eine abgezählte Zahl an Kunden gleichzeitig hinein, die Freunde aus der Gruppe warten draußen, oft mit Musik. Nachts um drei Uhr habe jemand aus Jux den Auto-Staubsauger der Tankstelle aktiviert. "Kein Mensch sagt ihnen, es ist genug, auch wenn sie noch so betrunken sind", beschwert sich S.

Eine Lösung sieht der Münchner im Vergleich mit der Hauptstadt: "In Berlin darf keiner vor den Spätis stehen, aber hier dürfen die Leute an der Quelle bleiben." Was die Verwaltung seiner Meinung nach prüfen soll: "Warum 24 Stunden Alkohol verkaufen? Das ist lukrativ. Aber der Einzige, der profitiert, ist der Tankstellenbetreiber!" Der Vater von drei Kindern geht davon aus, dass es "krasser" wird, wenn die Stadt jetzt nicht einschreitet.

Anwohner: "Wir haben ein Recht auf Nachtruhe"

Dazu stört S., dass Bier und Wein, Zigaretten und Chipstüten von dieser Tankstelle "zu 99 Prozent an die Isar geschleppt werden und teils dort liegenbleiben". Der Münchner sagt: "Ich möchte die wunderschöne Isar schützen und ich möchte die Jugend vor unkontrolliertem Alkoholmissbrauch schützen." Vor allem wünscht S. sich weniger Lärm: "Wir haben ein Recht auf Nachtruhe, wie sie ein Recht auf das Feiern", findet er.

Der Bezirksausschuss hat den Ärger um die Tankstelle an die Stadt weitergeleitet. Eine einfache Lösung ist jedoch nicht in Sicht. Lokalpolitikerin Barbara Turczynski-Hartje (SPD) meint: "Das wird schwierig. Die Stadt macht nicht einzelnen Tankstellen spezielle Auflagen."

Der Tankstellen-Betreiber an der Kapuzinerstraße, Wolfgang Tulach, sagt: "Das ist eine Sondersituation, wie die Wiesn. Es ist jetzt mehr Jugend auf der Straße." Das Thema nimmt er erst: "Uns ist wichtig, mit den Anwohnern klarzukommen. Wenn Uneinsichtige kommen, rufen wir die Polizei."

Auf das Tankfeld hat er neuerdings eine Kamera gerichtet, damit die Mitarbeiter genau sehen, was vor der Tür passiert: "Betrunkene und Randalierer sollen das Grundstück verlassen", verlangt Tulach, der die Tankstelle seit zehn Jahren gepachtet hat. Wenn es dann auf der Straße eskaliert und Flaschen geworfen werden? Der Betreiber meint: "Das ist ärgerlich, hat aber mit der Tankstelle nichts zu tun."

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