Amiri, Serdar und Co. Ausnahme oder Abo? Diese Perspektiven haben die DFB-Debütanten

DFB-Youngster: Lukas Klostermann, Suat Serdar, Nadiem Amiri und Luca Waldschmidt (l-r). Wer hat eine Chance auf mehr Einsätze? Foto: Bernd Thissen/dpa

Beim Testspiel gegen Argentinien kamen gleich vier Debütanten – Nadiem Amiri, Suat Serdar, Robin Koch und Luca Waldschmidt – zum Einsatz. Wie stehen ihre Chancen, sich auf Dauer einen Platz in der Nationalelf zu sichern?

 

Tallinn - Die Fünferkette der glücklichen Fügung lautete: Antonio Rüdiger, Thilo Kehrer, Matthias Ginter, Jonathan Tah, Niklas Stark. Es geht um die Verkettung der Absagen, die Robin Koch zu seinem urplötzlichen Nationalelf-Debüt beim 2:2 gegen Argentinien verhalf.

Chelseas Rüdiger ist nach langer Verletzung noch im Aufbautraining, Kehrer von Paris St.-Germain fehlt seit August, Ginter erlitt kurz vor der Länderspielperiode eine Schulterluxation – das sind die gesetzten Verteidiger neben Abwehrchef Niklas Süle vom FC Bayern.

Kimmich einziger Bayern-Debütant unter Löw

Weil aber Tah (Leverkusen) wegen eines grippalen Infekts am Spieltag aus Dortmund abgereist war, sollte Herthas Stark, wie von Bundestrainer Joachim Löw tags zuvor angekündigt, seine DFB-Premiere feiern. Doch auch er musste passen, ein Magen-Darm-Infekt. Der Koch dagegen, der Robin Koch vom SC Freiburg, blieb verschont und gesund. Und ist nun Nationalspieler. So schnell kann’s gehen. Märchenhaft. "Das ist alles so schnell gegangen", berichtete der 23-jährige Neuling, für den natürlich "ein Traum in Erfüllung gegangen" sei. Koch: "Das versuche ich jetzt mitzunehmen." Nur was außer dem Trikot und dem Erlebnis? Den erfüllten Traum herüberretten in den nächsten, den von der EM 2020?

Etwa mit dem nächsten Einsatz am Sonntag in Tallinn (20.45 Uhr, RTL live), wenn es in der Qualifikation gegen Estland geht? 105 Debütanten (darunter – und jetzt Achtung! – sieben Freiburger und in den letzten fünf Jahren mit Joshua Kimmich nur ein Bayern-Profi) haben in der Ära Löw den Weg in die Nationalelf gefunden – seit seinem Amtsantritt im August 2006 als Nachfolger von Sommermärchen-Motivationscoach Jürgen Klinsmann.

One-Hit-Wonder, also Beispiele für Nationalspieler, die nach einem Länderspiel-Einsatz nicht mehr zum Zuge kamen, gibt es genügend. Der Letzte heißt Mark Uth, damals Hoffenheim, heute Schalke, der 100. Debütant. Vor einem Jahr beim 0:3 in Holland am Ball, danach nicht mehr. Doch wer ist gekommen, um zu bleiben von den aktuellen Neulingen? Wer hat tatsächlich Chancen auf die EM-Teilnahme? Bleibt die Berufung Ausnahme oder wird sie zum Abo?

Robin Koch (23/Freiburg/57 Bundesliga-Spiele)

Beim Debüt als zentraler Mann der Dreierkette zeigte er über 90 Minuten, was in ihm steckt. "Robin war sehr stabil und selbstbewusst, hatte eine gute Ausstrahlung", sagte Löw, "keine Anzeichen von Nervosität." Vater Harry Koch (49), eine Legende beim 1. FC Kaiserslautern mit legendärer Lockenpracht auf dem Haupt, war stolz wie Harry. Für seinen Sohn, zuvor als Ergänzungsspieler lediglich mit fünf Einsätzen für die U21, wird es trotz des starken Debüts einigermaßen schwierig. Zu viel Konkurrenz – siehe oben.

Luca Waldschmidt (23/Freiburg/87 Bundesliga-Spiele)

Auch der Angreifer bekam ein Löw-Lob: "Luca war sehr gut unterwegs, hat viele Bälle behauptet, kam das eine oder andere Mal zum Abschluss. Er war auch körperlich sehr präsent, war wichtig." Sein starker linker Fuß und seine Flexibilität auf den vorderen Positionen machen ihn zu einer echten EM-Alternative, womöglich als Joker.

Nadiem Amiri (22/Leverkusen/112 Bundesliga-Spiele)

Wie Waldschmidt glänzte auch Mittelfeldspieler Amiri bei der U21-EM in Italien. Nun kam er als Einwechselspieler bei seiner ersten Nominierung gleich auch zum Debüt auf dem Platz, wirkte allerdings sehr nervös. Wird es schwer haben angesichts von Toni Kroos, Ilkay Gündogan, Leon Goretzka und anderen Größen im Mittelfeld.

Suat Serdar (22/Schalke/76 Bundesliga-Spiele)

Siehe Amiri, denn da gibt es ja noch Leon Goretzka und Julian Draxler. Weil der türkische Verband um Serdar geworben hatte, könnte der Achter mit Offensivdrang sich mit einem Einsatz in einem Pflichtspiel am Sonntag in Estland "festspielen", danach den Verband nicht mehr wechseln. Wäre zumindest eine Perspektive für Löw.

Der nächste Debütant hätte Niklas Stark (24), Innenverteidiger von Hertha BSC Berlin, sein können. Doch am Freitag zog er sich im Hotel eine Risswunde am linken Unterschenkel zu, die genäht werden musste. Er reiste danach ab.

Lesen Sie hier: Oliver Bierhoff mit Lobeshymne an Bayern-Star Serge Gnabry

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading