Alte Speisekarten zeigen Preis-Explosion auf der Wiesn: D-Mark-Preise jetzt in Euro!

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Alte Speisekarten dokumentieren den enormen Preisanstieg bei Speisen und Getränken auf dem Oktoberfest. Foto: Felix Hörhager/dpa/Sigi Müller/AZ

Heuer überholen die Preise auf der Wiesn teilweise die, die früher in D-Mark aufgerufen wurden. Die AZ hat alte Speisekarten gecheckt.

 

München - Das Oktoberfest wird immer teurer – das sind sicher nicht die heißesten Neuigkeiten, die man verkünden kann. Heuer aber haben die Europreise die DM-Preise von vor 30 Jahren überholt.

Im Augustinerzelt kostete das Hendl im Jahr 1988 11 Mark und zwanzig Pfennig. Heuer zahlen die Augustiner-Gäste 11 Euro und 30 Cent. Der Euro wurde am 1. Januar 2002 als Bargeld eingeführt und viele werden sich erinnern, wie sie den Teuro in Mark umgerechnet haben, um dann Sätze zu sagen wie: "Das sind zwoundzwanzigmarksechzig", zum Beispiel über ein Hendl im Augustiner.


Die Augustiner-Speisekarte aus dem Jahr 1988. (Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken) Foto: Sigi Müller

Das damals freilich schon wieder teurer war und im Jahr 2007 schließlich schon 8,95 Euro gekostet hat. 1988 kostete die Leberknödelsuppe im Augustinerzelt 4,50 Deutsche Mark, heute 5,90 Euro. Vor 30 Jahren gab's die halbe Ente mit Blaukraut und Kartoffelknödel für 24,50 DM, heute kostet sie 26 Euro.


Die Augustiner-Speisekarte von 2007. (Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.) Foto: Sigi Müller


Die aktuelle Augustiner-Speisekarte. Heuer kostet das halbe Hendl hier 11,30 Euro. (Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken) Foto: Bernd Wackerbauer

Helmut Dietl sammelt alte Wiesn-Speisekarten

Wohlgemerkt, das Phänomen, dass auf der Wiesn alles teurer wird, betrifft nicht nur das Augustinerzelt, das mit 11,10 Euro für die Maß heuer das günstige der Großen Wiesnzelte beim Bierpreis ist. Doch AZ-Leser Helmut Dietl (ja, er heißt wirklich so) nimmt seit mehr als 30 Jahren immer wieder Speisekarten aus Lokalen und auch von der Wiesn mit. Sein Archiv dokumentiert, wie die Preise immer größere Sprünge machen.

Die Wirte erklären diese Verteuerung stets mit gestiegenen Kosten. Die Stadt rüstet jedes Jahr mehr bei der Sicherheit auf und seit 2017 müssen die Wirte eine Umsatzpacht zahlen. 2017 waren das 5,1 Prozent des Nettoumsatzes. Mit den geschätzten Umsätzen lag die Stadt so daneben, dass die Pachten angepasst wurden, weshalb die Wirte der Großen Wiesnzelte in diesem Jahr 7,8 Prozent Umsatzpacht zahlen. Das wurde wieder auf die Gäste umgelegt.

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Bierpreis-Inflation: Stärkster Preisanstieg seit 2012

Die Maß kostet in fast allen Oktoberfest-Zelten wieder deutlich mehr als im Vorjahr. Dieses Jahr sind es im Durchschnitt 11,24 Euro – 41 Cent mehr als 2017. Damit erreicht die Bierpreis-Inflation in diesem Jahr 3,8 Prozent, während die "normale" Inflationsrate bei 1,8 Prozent liegt.

Auf der Wiesn entspricht die Bierpreisinflation dem stärksten Preisanstieg seit 2012. Damals war der Bierpreis um 3,9 Prozent gestiegen.

Auch der von Geschäftsbank UniCredit aus den Preisen für zwei Maß Bier, einem halben Hendl und einer Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr berechnete Wiesn Visitor Price Index (WVPI) verzeichnet in diesem Jahr erneut einen Anstieg. Er liegt aber mit 3,3 Prozent trotz der deutlichen Bierpreiserhöhung unter dem 3,7 Prozent-Anstieg des Vorjahrs. Grund hierfür ist die vergleichsweise moderate Erhöhung der Hendl-Preise um nur zwei Prozent – nach deutlichen 6,2 Prozent 2017. Dies geht aus einer jetzt veröffentlichten UniCredit-Analyse zum Oktoberfest 2018 hervor.

Aber trösten Sie sich: Mit der hohen Inflation der Bierpreise steht das Oktoberfest nicht alleine da. Auch die Preise auf anderen Volks- festen in Süddeutschland sind in den vergangenen 15 Jahren deutlich gestiegen. So lag die Bierpreisinflation in diesem Zeitraum etwa auf dem Gäubodenvolksfest in Straubing bei 69 Prozent und auf dem Cannstatter Volksfest in Stuttgart immerhin bei 47 Prozent. Dennoch: An den Bierpreisanstieg von 72 Prozent auf dem Oktoberfest kommt kein anderes Volksfest heran.

 

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