"Aktionsbündnis Artgerechtes München" Fleisch nur aus artgerechter Haltung: Alle Parteien dabei

OB Reiter wird sich Gedanken machen müssen, welches Fleisch die Stadt bei öffentlichen Veranstaltungen anbietet. Foto: Wackerbauer

Fleisch aus artgerechter Tierhaltung soll, wenn es nach dem Willen fast aller Parteien geht, bald bei allen städtischen Veranstaltungen angeboten werden. Die CSU stellte jetzt einen Dringlichkeitsantrag, SPD und Grüne wollen sogar eine feste Quote einführen.

 

München - Vor drei Wochen überreichte das "Aktionsbündnis Artgerechtes München" Oberbürgermeister Dieter Reiter eine Unterschriftenliste, auf der über 30.000 Menschen unterzeichnet hatten. Ziel des Bündnisses ist, dass die Stadt in ihrem Wirkungskreis bei Empfängen und Veranstaltungen in Zukunft nur noch Fleisch anbietet, das aus artgerechter Tierhaltung stammt.

Dass längst auch die Parteien im Rathaus auf das Thema aufmerksam geworden sind, zeigt sich jetzt in einem Dringlichkeitsantrag der CSU. Sie fordert, dass die Stadt nur noch Fleisch verwenden soll, das mit dem Bio-Siegel und Herkunftsnachweis des Freistaats Bayern zertifiziert ist. "Die Landeshauptstadt München soll in ihrem Zuständigkeitsbereich als Vorbild wirken und ausschließlich Tiere aus artgerechter Tierhaltung mit entsprechender Zertifizierung anbieten. Das lässt sich bei allen städtischen Empfängen und Veranstaltungen, bei denen die Landeshauptstadt München die Kosten trägt, sofort verwirklichen", schreibt die Fraktion in ihrem Antrag.

Feste Quote soll eingeführt werden

SPD und Grüne begrüßen diesen Vorschlag, gehen aber sogar noch einen Schritt weiter. Sie wollen die städtischen Referate damit beauftragen, in ihren Häusern und bei der Vergabe von Verpflegungsleistungen verstärkt Produkte aus artgerechter Tierhaltung zu beschaffen.

Andererseits sollen bis Ende 2017 weitreichende Pilotprojekte angestoßen werden: Bei allen städtischen Empfängen soll nur noch Fleisch aus artgerechter Tierhaltung angeboten werden, außerdem möchten die Politiker, dass probeweise ein Anteil von 30 Prozent Fleisch aus artgerechter Tierhaltung beim Stadtgründungsfest sowie bei einer städtischen Gesellschaft eingeführt wird.

"Stadt hat Vorbildfunktion"

Diese Pilotprojekte sollen dann evaluiert und die Ergebnisse dem Stadtrat vorgelegt werde. Ziel ist dabei, einen verpflichtenden Anteil für Produkte aus artgerechter Tierhaltung für alle städtischen Referate vorzugeben.

"Die Stadt muss in Sachen Tierschutz eine Vorreiterrolle einnehmen. Dazu gehört auch, bei Empfängen und anderen festlichen Anlässen keine Billigfleisch-Ware von zweifelhafter Qualität und Herkunft anzubieten, sondern möglichst Fleisch aus artgerechter Haltung. Deshalb wollen wir mehrere Pilotprojekte auf die Spur setzen, um zum Beispiel einen Überblick über die Preisentwicklung zu gewinnen", so SPD-Stadträtin Bettina Messinger. "Wir haben von Anfang an das Bündnis Artgerechtes München unterstützt, um möglichst überall im städtischen Einflussbereich nur noch Fleisch aus artgerechter Tierhaltung anzubieten. Dieser Änderungsantrag ist ein Anfang, der den weiteren Weg der Stadt aufzeigt. Leider wollte die CSU keinen gemeinsamen Weg gehen, aber ihr Dringlichkeitsantrag macht Hoffnung, dass sie endlich die Bedeutung dieses Themas verstanden hat", sagte die Grünen-Politikerin Sabine Krieger.

Welches Konzept sich letzten Endes durchsetzt, bleibt abzuwarten. Dass sich aber immer mehr Menschen Gedanken um gesunde Ernährung und damit zusammenhängend einen verantwortungsvollen Umgang mit Tieren machen, zeigt also nicht nur die Unterschriftenliste. Denn wenn sich fast alle Parteien im Rathaus mit dem selben Thema beschäftigen, scheint der Gedanke doch angekommen zu sein.

 

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