Ärger mit der S-Bahn Verkehrswende? In München geschieht das Gegenteil!

Fahrgäste steigen an der Hackerbrücke aus einer S-Bahn aus und ein. Foto: Lino Mirgeler/dpa

In München gibt es Ärger um das S-Bahn-Chaos. Verantwortliche und Politiker reichen den Schwarzen Peter reihum.

 

München – Alle reden von Klimaschutz und von der Notwendigkeit, den öffentlichen Personennahverkehr im Zuge einer "Verkehrswende" auszubauen. Doch in München geschieht gerade das Gegenteil. Ausgerechnet zu Schuljahresbeginn wurden S-Bahn-Verbindungen eingeschränkt. Als Schuldige kommen viele infrage.

Was war passiert: Vor einigen Tagen teilte die S-Bahn mit, dass man gezwungen sei, eine Reihe von Verstärkerzügen in den Stoßzeiten zu streichen. Grund: Man komme mit der Wartung und Instandsetzung einiger S-Bahn-Züge nicht nach. Außerdem führten Bauarbeiten zu Verzögerungen.

Atemnot in Münchner S-Bahnen

Pendler sagten, dass die Verstärkerzüge zu den Morgen- und Nachmittagsstunden ohnehin nur auf dem Papier stünden und in der Regel sowieso ausfielen. Wer jetzt erst erschrocken feststelle, dass da was nicht laufe, "scheint nicht viel vom Alltag der Fahrgäste mitzubekommen", spottete Andreas Barth vom Fahrgastverband Pro Bahn. Realität ist auf den acht Münchner S-Bahn-Linien nach wie vor ein 20-Minuten-Takt, der auf einigen Linien zu bestimmten Zeiten auf zehn Minuten verkürzt werden sollte, um die drangvolle Enge in den Waggons abzubauen. Eine S-Bahn-Fahrerin berichtete gar von einer "Atemnotattacke".

Die Betriebseinschränkungen fallen in eine Zeit, in der allenthalben eine massive Aufrüstung des ÖPNV gefordert wird. Dazu kommt, dass die überlastete S-Bahn wegen ständiger Störungen ohnehin schon die Nerven so mancher Pendler bis zum Bersten strapaziert. "Ausgerechnet zu einer Zeit, in der die S-Bahn durch Unzuverlässigkeit und häufige Ausfälle sowieso schon Negativschlagzeilen am laufenden Band macht", setze die Bahn eine weitere "nicht zu akzeptierende Zumutung" aufs Gleis, schimpfte OB Dieter Reiter.

Wer hat Schuld am Bahn-Desaster?

Als Schuldige für das Desaster kommen viele infrage, in erster Linie die Deutsche Bahn. So äußerte sich zumindest Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Man werde als Besteller von Nahverkehrsleistungen Vertragsstrafen gegenüber der Bahn prüfen, sagte Söder.

SPD-OB Reiter sagte, er hoffe, dass Söder für eine baldige Verbesserung des Zustands sorge. Vize-Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche (SPD; München-Land) warf der Regierung gar "Versagen" vor. Schuld an der Misere sei die Staatsregierung, welche den Ausbau der S-Bahn jahrelang vernachlässigt habe, meinte Markus Büchler von den Grünen.

In der CSU rumort es: Ministerin Schreyer schimpft auf Scheuer

Auch innerhalb der CSU wird der Schwarze Peter herumgereicht. Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU), Abgeordnete für München-Land, soll in der Herbstklausur der CSU-Landtagsfraktion in Kloster Banz ihren Parteifreund, den Verkehrsminister Andreas Scheuer, vorgehalten haben, dass ausgerechnet am ersten Schultag S-Bahnen ausfielen. Nach drei CSU-Bundesverkehrsministern in Folge falle jedes S-Bahn-Ärgernis auf die CSU zurück. Der "Flaschenhals" in München sei Resultat der Stadtpolitik, soll sich Scheuer verteidigt haben. Sollte heißen: die Politik der rot-grünen Koalition, die vor fünf Jahren zu Ende ging und durch Schwarz-Rot ersetzt wurde.

Wie immer, wenn etwas schief gegangen ist, greift man zum Krisenstab. Deutschlandweit werden bei der DB Kapazitäten gesucht, um die Wartung in München voranzutreiben. Immerhin können die Fahrgäste der S-Bahn bald kostenlos über WLAN surfen, falls sie in der Enge das Smartphone aus der Tasche bekommen. Die Umrüstung der Züge ist für Ende 2020 geplant.

Lesen Sie hier: Gespräch zu S-Bahn-Ausfällen - Ausleihe aus anderen Städten?

 

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