150 Jahre 1860 "Bestes Torwart von Welt“

Gibt seine Loge in der Arena auf: Petar Radenkovic Foto: dpa

MÜNCHEN - Petar Radenkovic, der Radi, stand acht Jahre im Löwen-Tor. Der Serbe hängte in der Hitparade sogar die Beatles ab.

 

Die Stadion-Besuche von Petar Radenkovic sind zuletzt seltener geworden. Das liegt zum einen daran, dass die 75-jährige Torwart-Ikone des TSV 1860 sich in Belgrad neu verliebt hat, andererseits verliert der Serbe, der insgesamt acht Jahre das Löwen-Tor hütete, auch immer mehr die Lust an seinem Verein. „Wir sind alle müde vom Mittelmaß. Die Löwen befinden sich nur noch im toten Winkel."

Auch deswegen hat Radenkovic seine Loge in der Allianz Arena zum Saisonende gekündigt – an die Rückkehr in die Bundesliga glaubt er langsam nicht mehr. „Ich bin gespannt“, sagt er mit trauriger Stimme, „ob ich das noch erleben darf“. Ängste, die der frühere AZ-Kolumnist als Löwen-Profi nie kannte. Er ist der beliebteste 1860-Star aller Zeiten. Noch heute wird ihm eine Sympathie entgegen gebracht, die kein anderer Löwen-Profi mehr nach ihm erfuhr. Er wurde zum Super-Star – ganz ohne Skandale.

In den 60er Jahren räumte er mit seinen Kameraden um den unvergessenen und bereits verstorbenen Rudi Brunnenmeier fast alles ab: DFB-Pokalsieger 1964, Deutscher Meister 1966 – und 1965 im Europapokal-Finale in Wembley gegen West Ham (0:2) standen die Blauen auch. Mit Radi, der sich selbst als „bestes Torwart von Welt“ bezeichnete, im Löwen-Kasten. „Was die Bayern heute sind“, sagt Radi, „das waren wir in den 60er Jahren. Wenn wir auf die Straße raus sind, dann wurden wir von den Fans gejagt.“

Was heute nur noch die wenigsten wissen: Radenkovic spielte nur für die Blauen – weil er nach seiner Flucht aus Jugoslawien 1960 beim Stadt-Rivalen FC Bayern eine Absage bekam. Selbst bei den Alten Herren des Rekordmeisters fanden sie keine Verwendung für den damals 26-jährigen Radenkovic.

Gut für 1860, schlecht für die Roten. Denn Radi stieg – über den Umweg Wormatia Worms – auf zum ersten Entertainer der Bundesliga: Der serbische 1860-Torwart schaffte das Kunststück, mit seinem Hit „Bin i Radi, bin i König“ auf Platz 1 der deutschen Hitparade zu stürmen – und das vor den legendären Beatles oder den Rolling Stones. Über 500.000 Singles gingen über den Ladentisch. „Auf der Wiesn wird mein Lied immer noch gespielt“, erzählt er stolz, „jede Kapelle hat die Noten.“

Dass Radenkovic, Vorbild einer ganzen Generation, nie eine Funktion bei 1860 bekam, kann Peter Grosser bis heute nicht nachvollziehen: „Der Radi“, sagt der Hachinger Vize, „wäre der perfekte Präsident für 1860 gewesen. Mit ihm wäre vieles anders gelaufen.“

Oliver Griss

 

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