Zoff um Nachfolge von Natascha Kohnen in Bayern-SPD

Die Noch-Vorsitzende soll nun Florian Ritter mobilisieren. Die Hintergründe.
| Clemens Hagen
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Die Noch-Vorsitzende der SPD in Bayern: Natascha Kohnen. (Archivbild)
Die Noch-Vorsitzende der SPD in Bayern: Natascha Kohnen. (Archivbild) © Bernd von Jutrczenka/dpa

München - Der Kampf um den Parteivorsitz in der bayerischen SPD nimmt ordentlich Fahrt auf - und zwar in Oberbayern: Noch-Parteivorsitzende Natascha Kohnen, seit Langem erbitterte Gegnerin des Münchner Landtagsabgeordneten Florian von Brunn, mobilisiert dem Vernehmen nach jetzt von Brunns Landtagskollegen und Oberbayern-Vorsitzenden Florian Ritter gegen ihn.

Er soll, so ist aus Parteikreisen zu hören, Oberbayern auf die Seite von ihrem Generalsekretär und Wunsch-Nachfolger Uli Grötsch ziehen - und auch noch das Amt des Schatzmeisters im Landesverband übernehmen. Viele sehen das als eine politische Schlüsselstelle, mit der Kohnen weiterhin Einfluss auf den Landesverband nehmen kann.

"Erbmonarchie" in Bayerns SPD?

Hintergrund ist der Kampf um den Parteivorsitz zwischen dem "Einzelkämpfer" Uli Grötsch und seinen Herausforderern Ronja Endres und Florian von Brunn, die als gleichberechtigte Doppelspitze antreten. Bisher war es in der chronisch erfolglosen Bayern-SPD zumeist so, dass die Vorgänger ihre Nachfolger selbst ausgesucht haben. Kritiker sprechen deshalb augenzwinkernd auch von "Ähnlichkeit zu einer Erbmonarchie".

Kohnen wünscht sich jetzt Grötsch, der ihre Politik fortsetzen soll. Dabei ist ihr Florian Ritter ein treuer Verbündeter und Geheimwaffe. Ritter selbst erklärte am vergangenen Wochenende überraschend in einem Facebook-Beitrag, dass er gegen Josef ("Seppi") Parzinger für die Position des Landesschatzmeisters kandidiere.

Wer übernimmt den Vorsitz von Kohnen?

Parzinger, stellvertretender Juso-Bundesvorsitzender und Mitarbeiter des DGB Bayern, als ausgebildeter Bankkaufmann fachlich geeignet, gilt als bodenständige, rhetorisch und politisch starke Nachwuchshoffnung der Bayern-SPD. Ihm wird nachgesagt, dass er für einen Neuanfang mit von Brunn und Endres in der bayerischen SPD antritt.

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Der Konflikt um den Schatzmeister-Posten ist pikant, nicht nur, weil Parzinger und Ritter beide aus Oberbayern sind und damit eine Spaltung der Oberbayern-SPD droht. Auch Ritters Heimat-SPD München um die Vorsitzende Claudia Tausend hat sich einstimmig für Endres und den Münchner von Brunn ausgesprochen.

Duell Parzinger gegen Ritter

Dass nun ausgerechnet aber Ritter, der dem Vernehmen nach im Team Grötsch und Kohnen spielt, neben seinem Amt als Bezirksvorsitzender auch Chef-Kassier des Landesverbandes werden will, sorgt für Diskussionen. Florian von Brunn zur AZ: "Ich war schon überrascht, zumal ich Seppi Parzinger für einen total kompetenten, hoffnungsvollen, jungen Politiker halte."

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Als weniger problematisch betrachtet der zweite Kandidat für den Vorsitz, Uli Grötsch, das Duell Parzinger gegen Ritter. "Es war innerhalb der Bayern-SPD noch nie ein Problem, zwischen zwei Kandidaten wählen zu müssen", so Grötsch zur AZ. Kritische Stimme in der Partei hingegen sehen die Schatzmeisterwahl als weitere Eskalationsstufe, die die Partei in Oberbayern zerreißen könnte. Grötsch hierzu: "Es wird sich niemand finden, der meine politische Arbeit in den letzten Jahren verfolgt hat, der von mir sagen kann, ich sei ein Spalter. Im Gegenteil: Ich versuche stets unterschiedliche politische Positionen zusammenzuführen."

Ob Kohnens Rechnung mit Grötsch und Ritter aufgeht, bleibt abzuwarten. Gewählt werden soll nach bisheriger Planung am 20. März. Wie sich die Debatten im Landesverband und in Oberbayern entwickeln? Spannend.

 

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