Ulrike Scharf, wie soll die CSU weiblicher werden?

Ulrike Scharf, Chefin der CSU-Frauen-Union, erklärt, wie Frauen in ihrer männlich dominierten Partei mehr Einfluss bekommen sollen.  
| Ralf Müller
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CSU-Politikerin Ulrike Scharf (51).
Sven Hoppe/dpa CSU-Politikerin Ulrike Scharf (51).

AZ-Interview mit Ulrike Scharf: Die CSU-Politikerin (51) war von 2014 bis 2018 Bayerische Umwelt- Ministerin. Seit September führt sie die Frauen-Union.

AZ: Frau Scharf, der Anteil der Frauen unter den bayerischen Landtagsabgeordneten ist so gering wie vor 20 Jahren und in Ihrer Fraktion liegt er noch einmal darunter. Kann es mit der angestrebten CSU-Parteireform besser werden?
ULRIKE SCHARF: Auch im Bundestag ist der Anteil der Frauen so gering wie seit 20 Jahren nicht. Über eine verstärkte Förderung der Frauen in der Partei muss der Weg in die Mandate geebnet werden. Daher fordert die Frauen-Union einen nächsten Schritt in der Frauenquote in der CSU. Vor zehn Jahren haben wir eine 40-Prozent-Quote für die Parteivorstände auf Bezirksebene und im Landesvorstand beschlossen. Jetzt wollen wir auch auf Kreisverbandsebene eine Quote einführen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass Frauen einen leichteren Zugang zu den Mandaten finden.

Aber wirklich helfen könnte doch nur eine Parität bei den Kandidatenaufstellungen.
Gleiche Teilhabe von Frauen und Männern wird in unserer Satzung verankert. Das heißt, dass auch bei künftigen Listenaufstellungen darauf zu achten sein wird, ein ausgewogenes Verhältnis beider Geschlechter zu präsentieren.

Nach Ihren Erfahrungen mit Parteiämtern, Mandat und auch Ministeramt: Können Sie den Frauen überhaupt empfehlen, in diese immer noch von Männern dominierte Politik zu gehen?
Absolut. Ich habe große Freude mit meinem Mandat. Ich habe das Direktmandat in einer Kampfkandidatur geholt. Mein Vorgänger – Mann – wollte nicht aufhören. So etwas ist sicher keine einfache Auseinandersetzung. Deshalb werden wir auch das Mentoring-Programm für Frauen weiter ausbauen, also Schulungen und unterstützende Maßnahmen anbieten, damit Frauen sich das zutrauen. Man muss auch mal bereit sein, in eine Kampfabstimmung zu gehen, die man natürlich auch verlieren kann.

Die Forderung nach mehr Frauen in Parteiämtern und Mandaten ist ja nicht neu. Auch der frühere CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat sich darum schon bemüht. Trotzdem ist der Frauenanteil bei der CSU zumindest im Landtag rückläufig. Wieso?
Es liegt auch daran, dass Frauen oft nicht bereit sind, sich Kampfkandidaturen zu stellen. Ein Direktmandat zu bekommen, ist immer eine Frage der richtigen Gelegenheit. Viele Formate in der Politik sind zudem nicht sehr frauenfreundlich. Es geht um die Uhrzeit, den Ort, die Dauer, die Kinderbetreuung – das alles muss verbessert und frauenfreundlicher gemacht werden.

Spielt auch eine Rolle, dass der Politikbetrieb härter und der Ton rauer geworden ist?
Das spielt sicher eine Rolle. Die Diskussion um die Verunglimpfung von Frauen im Netz ist nachvollziehbar. Dass dies so stattfindet, kann ich bestätigen. Ich werde auch attackiert und mit unschönen Worten bedacht. Die Kommunikation in der Gesellschaft und der Umgang insbesondere über die Sozialen Medien ist nicht gerade einladend.

Wie viele Abende in der Woche sind Sie zuhause?
Meistens keinen.

Meinten Sie das mit "frauenfreundlicher machen"?
Man muss das schon mögen und wissen, dass man die Zeit aufbringen muss, um das Mandat gut auszufüllen. Es ist nicht jederfrau Sache, jeden Abend nicht zuhause zu sein und oft noch sehr lange irgendwo zu sitzen. Wenn Sitzungen bis Mitternacht dauern, ist das auch mir zu lange.

Lesen Sie hier: Hubert Aiwanger attackiert Mobilfunkbetreiber

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