Parken für 500 Euro: Wucher in Bad Wiessee?

Rund um den Tegernsee sind die Kosten zuletzt kräftig angestiegen. Das ärgert Anwohner und Wirte. Wo es besonders teuer ist – und warum.
| Klaus Wiendl
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Ein beliebter Parkplatz in Bad Wiessee – hier kommen Ausflügler gerne hin. Das macht sich auch in den Gebühren bemerkbar.
Ein beliebter Parkplatz in Bad Wiessee – hier kommen Ausflügler gerne hin. Das macht sich auch in den Gebühren bemerkbar. © Klaus Wiendl

Bad Wiessee - Von "Abzocke" und "Geschäftsschädigung" ist die Rede, wenn es um die satten Preissprünge bei den raren Parkplätzen geht. Am Freibad kostet das Jahresticket fürs Auto 500 Euro.

Seit vergangenem Jahr sorgen die Parkgebühren am Tegernsee für heftige Diskussionen, insbesondere in Bad Wiessee. Drastische Verteuerungen gab es da, wo sich Ausflügler drängen. Beispielsweise an den Wanderparkplätzen zur beliebten Aueralm. Acht Euro kostet das Tagesticket.

Für Jens Kästner ein Fiasko. Der Aueralm-Wirt muss sich seitdem viel anhören. "Die Leute lassen ihren Frust über die Parkgebühren an uns aus." In den Nachbargemeinden kommen die Wanderer günstiger weg. Kreuth etwa erhebt auf seinen Wanderparkplätzen eine Gebühr von bis zu fünf Euro pro Tag. "Für uns ist es ein Nachteil, dass es in den anderen Orten billiger ist", meint Kästner.

Teuere Parkplätze am Tegernsee: "Reine Abzocke"

Er ist davon überzeugt, dass mancher Ausflügler Bad Wiessee deshalb links liegen lässt und ihr Auto lieber in Kreuth, Tegernsee oder Rottach-Egern abstellen. Doch nicht genug damit.

Die Gemeinde drehte im April weiter an der Gebührenschraube. Nun sind auch zehn Euro im Ortsteil Abwinkl mit seinen beliebten Badeplätzen für ein Tagesticket zu berappen. "Das ist reine Abzocke", schimpfen selbst Einheimische. Die Klagen erreichten auch den Bürgermeister.

Im Sommer kostet ein Tagesticket fürs Freibad in Bad Wiessee zehn Euro, wie dieses Schild zeigt.
Im Sommer kostet ein Tagesticket fürs Freibad in Bad Wiessee zehn Euro, wie dieses Schild zeigt. © Klaus Wiendl

Robert Kühn (SPD) versucht die erhitzten Gemüter mit einer Alternative zu besänftigen. Wer unbedingt mit dem Auto kommen wolle, der könne auch eine Drei-Monats-Saisonkarte für 200 Euro oder einen Jahresausweis für stattliche 500 Euro erwerben. Doch wer will schon diese Summe ausgeben, wenn er drei Viertel des Jahres die Badeplätze kaum nutzen wird? Der Rathauschef setzt mit der exorbitanten "Parkraum-Bewirtschaftung" darauf, dass mehr Leute aufs Radl umsteigen.

Dass es auch anders geht, zeigen die anderen Talgemeinden. Zwar wurden dort die Parkgebühren wesentlich moderater angehoben, jedoch sieht sich der Autofahrer mit einem Sammelsurium konfrontiert.

Rottach-Egern: Nur zwei Euro pro Tag

So kostet in Tegernsee das Tagesticket fünf Euro, Dauerparkscheine sind für 20 Euro pro Monat oder 150 Euro jährlich zu haben. In Kreuth kostet der Jahresausweis 60 Euro.

In der wohlhabendsten Gemeinde, in Rottach-Egern, zahlt man dagegen auf dem Sutten-Wanderparkplatz nur zwei Euro pro Tag.

Die vergleichsweisen moderaten Parkgebühren begründet man im Rathaus so: "Wir nehmen Rücksicht auf die Geschäftswelt", sagt Geschäftsleiter Gerhard Hoffmann. Davon kann Hüttenwirt Kästner in Bad Wiessee mit Blick auf seinen Umsatz nur träumen. "Bei uns wurden die Parkgebühren um 200 Prozent erhöht."

Lesen Sie auch: Andrang wegen Corona - Verdruss an Bayerns Flüssen

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren