Schnelltests: Noch mehr Geld für Sauter

Alfred Sauter soll nicht nur an Masken-Deals verdient haben. Er kassierte wohl auch Provision, weil er ein gutes Wort einlegte - für eine Produktzulassung.
| Ralf Müller
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Ein "GNA Octea"-Test am Flughafen München - an der Zulassung soll Alfred Sauter mitgewirkt haben.
Ein "GNA Octea"-Test am Flughafen München - an der Zulassung soll Alfred Sauter mitgewirkt haben. © Elke Neureuther/StMWi

München - Stolz präsentierte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zwei Tage vor Silvester 2020 im "Ludwig-Erhard-Saal" seines Ministeriums einen neuen Corona-Test. Mit staatlichem Fördergeld in Höhe von acht Millionen Euro hatte man im Biotech-Cluster Martinsried bei München ein Verfahren entwickelt, das weder teuer noch langwierig noch ungenau sein soll. Das Testverfahren mit dem Namen "GNA Octea" sei schnell, zuverlässig und kostengünstig, versicherte der Chef des Biotech-Unternehmens "GNA Biosolutions", Federico Bürsgens.

Maskenaffäre: Sauter hat mehr Profit als angenommen aus Corona-Pandemie geschlagen

Aiwanger, dessen Haus die Entwicklung des Schnelltests aus Steuermitteln gefördert hatte, sagte bei der Präsentation in seinem Ministerium, die bayerische Biotech-Industrie habe "einen ganz großen Fisch an Land gezogen". "So etwas gab es bisher nicht", hob auch der Biochemiker und Sprecher des "Clusters Biotechnologie Bayern", Horst Domdey, hervor. Wenn man Berichten der "Süddeutschen Zeitung" folgt, hatte auch ein anderer einen "ganz großen Fisch" für sich an Land gezogen.

Nämlich der inzwischen bundesweit bekannte Landtagsabgeordnete Alfred Sauter aus dem schwäbischen Günzburg. Unter dem Druck strafrechtlicher Ermittlungen wegen des Verdachts der Bestechung und Bestechlichkeit um Masken-Geschäfte mit Ministerien hatte Sauter kürzlich seine Parteiämter aufgegeben und der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, der er seit 31 Jahren angehörte, "gekündigt". Sauter soll als Rechtsanwalt die Deals eingefädelt und dafür mehr als 1,2 Millionen Euro erhalten haben. Einen Teil des Geldes, das bei Bekanntwerden der Maskenaffäre um Sauters örtlichen Parteifreund Georg Nüßlein flugs gespendet worden war, hat die Generalstaatsanwaltschaft München zwischenzeitlich sichergestellt.

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300.000 Euro soll Sauter erhalten haben - für eine E-Mail

Das soll aber laut "Süddeutscher Zeitung" längst nicht alles an Profit gewesen sein, den Sauter aus der Corona-Pandemie gezogen haben soll. Dem mit staatlichen Mitteln geförderten Schnelltest-Entwickler "GNA Biosolutions" soll Sauter für seine Bemühungen eine Rechnung von 300.000 Euro gestellt haben, die auch beglichen worden sein soll. Grund der Inanspruchnahme des Rechtsanwalts: Es hakte bei der Zulassung von "GNA Octea" durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Nach allem, was bisher berichtet wird, hat sich Sauter für das üppige Honorar nicht überanstrengt. Es wird lediglich von einer E-Mail berichtet, die der umtriebige Anwalt an den Büroleiter von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schrieb. Darin forderte er dazu auf, bei der Zulassung des innovativen Schnelltests ordentlich Dampf zu machen. Aus der Staatskanzlei hieß es, man habe auf Sauters Mail hin "nichts" veranlasst. Die Sonderzulassung kam einen Tag vor Weihnachten vom BfArM dann doch, was Wirtschaftsminister Aiwanger Gelegenheit gab, zwischen den Jahren noch rasch eine Erfolgs-Pressekonferenz einzuberufen.

Innovative Corona-Schnelltests laut Aiwanger "bayerisches Qualitätsprodukt"

Knapp 97 Prozent der mit Corona infizierten Patienten werden nach Angaben des Herstellers von dem Test identifiziert. Die Wahrscheinlichkeit, dass Gesunde fälschlich als infiziert erkannt werden, sei gleich null. Damit erreicht "GNA Octea" das hohe Niveau von PCR-Normaltests (Polymerase Chain Reaction). Im Gegensatz zu den bisherigen PCR-Tests, bei denen das Ergebnis erst nach Tagen feststeht, benötigt der "bayerische Corona-Schnelltest" (Aiwanger) vom Rachenabstrich bis zum Testergebnis aber nur etwa 40 Minuten. "Das macht uns so schnell keiner nach", freute sich Aiwanger Ende vergangenen Jahres: "Es ist ein bayerisches Qualitätsprodukt der Spitzenklasse."

Die staatliche Förderung von acht Millionen Euro, die seit April an das Spin-Off der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität geflossen ist, "werden wir wiedersehen", war sich Aiwanger sicher, spätestens, "wenn der Laden läuft". Ähnliche Coups erhoffte sich Aiwanger von der mit 50 Millionen Euro an Fördermitteln unterfütterten bayerischen "Therapie-Strategie". Damit soll die Entwicklung von Verfahren und Medikamenten zur Behandlung von Covid-19-Erkrankten beschleunigt werden. Auch in dieser Hinsicht gebe es "sehr aussichtsreiche Kandidaten", sagte Aiwanger. Besonders in der CSU hofft man, dass dabei nicht wieder der Name Sauter auftaucht.

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