Olympia-Bericht: Wo der Favorit München unterlegen ist

München und Köln-Rhein-Ruhr wähnen sich auf dem Weg zum deutschen Olympia-Bewerber auf der Zielgeraden, die Hauptstadt Berlin scheint dagegen keine große Rolle mehr zu spielen. Nach dem abschließenden Bericht der DOSB-Evaluierungskommission geht das Rennen um den nationalen Vertreter für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 in die finale Phase.
Die Kommission sieht München (87 von 100 Punkten) knapp vor Köln-Rhein-Ruhr (85) und klar vor Berlin (74,6). Am Samstag (ab 13.45 Uhr/ARD und ARD-Livestream) fällt in Baden-Baden bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die Entscheidung, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und DOSB-Chef Thomas Weikert live verkünden sollen.
Gibt es einen Zweikampf zwischen München und Nordrhein-Westfalen mit Köln an der Spitze? Und wer sichert sich die meisten der maximal 144 Stimmen in Baden-Baden? Eine Aufschlüsselung nach der abgeschlossenen Arbeit der Evaluierungskommission.
Wo liegt München vor Köln-Rhein-Ruhr?
Das ganz große Plus von München sind die kurzen Wege. Wie bei den Spielen 1972 plant die bayerische Landeshauptstadt ihre Wettbewerbe zentral. Die Reisezeiten wurden vom DOSB anhand der Fahrtzeit um 3.00 Uhr nachts vom Olympischen und Paralympischen Dorf berechnet.
München lag hier sowohl bei der Bewertung des DOSB als auch bei der Bewertung der Verbände klar an der Spitze. Auch Berlin landete in diesen beiden Kategorien vor Köln-Rhein-Ruhr. Insgesamt wurde Münchens Bewertung im Oberpunkt "sportfachliche und operative Eignung" als stärkstes der drei Konzepte eingeschätzt.
Zudem fällt auf, dass München gleich in mehreren Kategorien bei den olympischen Verbänden besser abschneidet als beim DOSB. Möglicherweise ein Hinweis, dass der Gastgeber von 1972 auch am Samstag gute Chancen hat. Denn dann stimmen 42 olympische Verbände mit jeweils drei Stimmen ab. Wer die Mehrheit dieser Verbände auf seine Seite zieht, hat exzellente Chancen auf den nationalen Zuschlag.
Wo liegt Köln-Rhein-Ruhr vor München?
Die Trumpfkarte von Köln-Rhein-Ruhr ist die Anzahl von 17,6 Millionen Tickets, mit der die Bewerbung deutlich vor den beiden anderen Teilnehmern liegt. Sowohl die Ticketpotenziale als auch die möglichen Tageszuschauer bewertete der DOSB mit der Höchstpunktzahl von 100 - vor allem beim zweiten Aspekt fielen die beiden Widersacher gegen den Ballungsraum Nordrhein-Westfalen deutlich zurück.
Auch bei der Kategorie "Internationale Strahlkraft Sport" liegt Köln-Rhein-Ruhr nach DOSB-Angaben mit 100 Punkten an der Spitze und hängt Berlin (82) und München (74,5) klar ab. Die Verbände, die die sportartspezifischen Orte bewerten, sehen München vor Berlin und Köln-Rhein-Ruhr. Was die internationale Strahlkraft abseits des Sports angeht, liegt Berlin deutlich vor München und Rhein-Ruhr.
Wo liegen die Rivalen (quasi) gleichauf?
Beim Faktor Stabilität. München erhielt hier den Höchstwert von 100 Punkten, der Rivale aus Nordrhein-Westfalen kam auf knapp 99 Punkte. Herangezogen wurde in diesem Fall das Ergebnis der Bürgerentscheide, das in München (66,42 Prozent) etwas besser ausfiel als bei Köln-Rhein-Ruhr (65,87 Prozent). Dass in der "Leading City" Köln prozentual weniger Menschen zustimmten als in vielen Außenorten, spielte keine Rolle. Es wurde nur das Gesamtergebnis berechnet.
Was sagen die Beteiligten?
Sowohl München als auch Nordrhein-Westfalen werten das Votum der Kommission um DOSB-Chef Weikert als Erfolg. "Münchens Olympia-Traum rückt näher! Das Ergebnis der Evaluierungskommission zeigt, dass unser Konzept auch die Fachleute von DOSB und Bundesregierung überzeugt hat", sagte Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause.
Der Grünen-Politiker, der in diesem Jahr Dieter Reiter (SPD) als Oberhaupt der Metropole ablöste, fügte an: "Wir sind überzeugt: Mit München und Bayern kann Deutschland ein Angebot machen, das auf der Weltbühne die besten Chancen hat." Doch auch Köln-Rhein-Ruhr sieht sich angesichts des geringen Abstands weiter bestens im Rennen.
"Unsere Bewerbung hat die Note sehr gut erhalten, gemeinsam mit der bayerischen Bewerbung sind wir in der bestmöglichen Kategorie Kopf an Kopf. Das zeigt, dass die Entscheidung am Samstag sicher ein ganz enges Rennen wird", sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU).
Was ist mit Berlin?
Die Hauptstadt wirkt nach den Ereignissen der vergangenen Tage quasi chancenlos. Nachdem die Linke als Gegner einer Olympia-Bewerbung bei der Wahl am Sonntag klar stärkste Kraft wurde, schwinden die ohnehin geringen Chancen weiter. Der Olympia-Beauftragte Kaweh Niroomand sieht das Ergebnis der Kommission als kleineres Hindernis im Vergleich zu den Aussagen von Wahlsiegerin Elif Eralp.
"Das viel Tragischere ist, dass Frau Eralp innerhalb von 45 Sekunden die ganze Bewerbung vom Tisch gewischt hat, dadurch eine enorme Verunsicherung unter die Verbände gebracht hat, damit auch absolut unsere Chancen richtig verringert hat", sagte der 73-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.
Während München und Köln-Rhein-Ruhr erfolgreiche Bürgerentscheide hatten, stimmte in Berlin nur das Abgeordnetenhaus mehrheitlich für eine Bewerbung - allerdings noch unter der schwarz-roten Koalition, die am Sonntag bei der Wahl des Abgeordnetenhauses abgewählt wurde. Dass nicht die Bevölkerung befragt wurde, wertete die DOSB-Kommission als Malus.