Neuers nächster Ausfall: Bayern rückt weiter zusammen

Steht der Rekordmeister am Ende dieser Saison auch als Meister der Resilienz da? Der FC Bayern beschwört nach der erneuten Verletzung von Manuel Neuer in einer "unfassbar intensiven Zeit" (Sportvorstand Max Eberl) seine Widerstandsfähigkeit. Und lebt sie auch. "Man merkt, dass es schon ein besonderer Haufen ist, der da drinsitzt", sagte DFB-Kapitän Joshua Kimmich nach dem hochverdienten 2:1-Sieg beim FSV Mainz 05 mit Verweis auf die Münchner Kabine.
"Manuel gibt Schmerzen ohnehin nicht so zu"
Trotz schwieriger Rückschläge - allen voran dem Ausfall von Chefcoach Vincent Kompany - gehen die Bayern als Tabellenführer in die Länderspielpause. Ob Neuer danach wieder schnell zwischen den Pfosten steht, ist ungewiss. "Es sieht auch nicht danach aus, dass er schon nach einer Woche wieder trainieren kann", sagte Kimmich. "Manuel gibt Schmerzen ohnehin nicht so zu. Wenn er dann mal rausgeht, ist es leider wahrscheinlich etwas Ernsthaftes."
Wieder der Fuß. Wieder die Sehnenreizung? Schon nach dem 2:0 bei Atlético Madrid hatte der Weltmeister-Torhüter von 2014, der zuvor drei Spiele aussetzen musste, eingeräumt: "Ich habe jeden Tag Schmerzen beim Gehen gehabt. Auch heute Morgen nach dem Aufstehen."
In Mainz musste Neuer unmittelbar vor der Pause vom Rasen und wurde durch Jonas Urbig ersetzt. Die genaue Diagnose steht noch aus, aber auch Eberls Worte lassen nichts Gutes ahnen: "Es ist das, was schon vorher am Fuß war. Das ist jetzt wieder aufgetreten. Wir hoffen, dass es nicht so schlimm ist."
Neuers Rekordspiel - und Hamanns Kritik
Dabei hatte sich Neuer mit 40 Jahren und 225 Tagen gerade zum ältesten Bundesliga-Spieler der Bayern gekürt. Er löste laut dem Datenanbieter Opta den früheren Schlussmann Bernd Dreher (40 Jahre und 198 Tage) ab. In der Ligawertung liegt er aber deutlich hinter Uli Stein und Toni Schumacher, die mit mehr als 42 Jahren noch zwischen den Pfosten standen.
Sky-Experte und Ex-Bayern-Profi Dietmar Hamann stieß gleich mal eine Grundsatz-Debatte an. "Die Bayern müssen irgendwann eine Entscheidung im Sinne des Vereins treffen. Wenn du alle zwei Wochen einen anderen Torwart im Tor stehen hast, gibt das der Mannschaft und der Verteidigung natürlich keine Sicherheit." Auf eine Frage in diese Richtung reagierte Eberl in der Interviewzone aber erst gar nicht.
Spätes Gegentor ärgert Urbig und Co.
Münchens Sportchef berichtete lieber davon, dass Urbig und die Innenverteidiger Dayot Upamecano und Jonathan Tah wegen des Gegentors in der Nachspielzeit durch Phillip Tietz "so ein Gesicht ziehen". Dies sei eine bemerkenswerte Reaktion.
Eberl lobte auch das Trainerteam um Aaron Danks, der Kompany seit dessen Zusammenbruch vertritt. Und: "Vor allem die Mannschaft auf dem Platz hat nicht nachgelassen." Trotz der Ausfälle von Jamal Musiala, Luis Diaz, Serge Gnabry und Ismael Saibari. Die derzeit schwierige Zeit könne das Team - wie nach der Club-WM 2025 mit der Horrorverletzung Musialas - "zusammenschweißen".
Kimmich lobt die Ruhe im Verein
"Ich habe es auch schon mal anders erlebt in meinen elf Jahren. Es ist schon sehr besonders, was die letzten zwei, drei Jahre da zusammengewachsen ist", bestätigte Kimmich. "Es ist schon sehr viel Ruhe im Verein momentan. Das war früher anders: Auch wenn wir erfolgreich Fußball gespielt haben, war's immer unruhig. Da hat man momentan schon das Gefühl, dass irgendwie alles passt."
Der 31-Jährige erlebte mit seinem Führungstor (14. Minute) einen ganz besonderen Moment. "Ich musste tatsächlich dann sofort an ihn denken. Normal blendend man das ja auf dem Fußballfeld aus", erklärte Kimmich. "Aber momentan ist das eher die schwierigste Phase, wenn man auf dem Platz steht." Nach dem Tod seines Vaters Berthold (57) hatte er drei Pflichtspiele gefehlt und war vergangenes Wochenende gegen Borussia Dortmund (2:2) erstmals wieder dabei.
Harry Kane glänzt als Vorlagengeber
Lennart Karl (57.) traf zudem wie schon in Madrid. Und Harry Kane? Der Ballon d'Or-Gewinner bereitete beide Treffer vor und reist jetzt erstmal zur englischen Nationalmannschaft. Es war bereits sein achter Assist am neunten Bundesliga-Spieltag. Auch um seinen Toptorjäger wollte Eberl keine Diskussion aufkommen lassen: "Ich glaube, dass die letzten 14 Tage für Harry unfassbar emotional waren."