Verschenkeladen in Landshut: Kleidung aus dem Überfluss

Schenken und Verschenken: Ein nachhaltiges Klamottenkonzept für die Landshuter Innenstadt.
| Claudia Hagn
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Glenda Fischer mit einem der gespendeten Teile.
Christine Vincon Glenda Fischer mit einem der gespendeten Teile.

Landshut - Vergangenes Jahr ging die "Klimazeit", eine regionale Aktionskampagne zum Klimaschutz und zur Nachhaltigkeit, unter anderem mit einer Modenschau an den Start. Wegen Corona geht das im Jahr 2020 nicht - dafür wird die Modenschau in diesem Jahr sozusagen größer und vor allem viel länger dauern. An der Theaterstraße hat gestern offiziell der erste Landshuter Verschenkeladen für Kleidung eröffnet.

Bis zum Ladenschluss um 17 Uhr waren bereits rund 40 Kunden dort gewesen - und hatten Kleidung gebracht sowie Kleidung geholt. Zehn Stücke darf man pro Kunde bringen und wieder mitnehmen. Oder man nimmt zehn Stücke mit und lässt nichts da. Oder bringt zehn Stücke und nimmt nichts mit. Dazwischen sind alle Varianten erlaubt.

Kleidung ist kostenlos, Spenden sind gern gesehen

Das Wichtigste ist: Die Kleidung kostet nichts; aber Spenden sind jederzeit in ein großes Sparschwein erlaubt. Sie sollen später einem sozialen Projekt zugute kommen, am liebsten wäre den Macherinnen eins, das Beschäftigte in der meist sozial schwachen Bekleidungsindustrie in Entwicklungs- und Schwellenländern unterstützt.

Momentan gibt es im Verschenkeladen viel Damenware, aber auch zum Beispiel Herrensakkos, Herrenhemden - und für alle, die solch ein Prachtstück schon seit den 80ern wieder gern hätten, einen langen braunen Ledermantel.

Die Variationen unter den Kleidungsstücken sind groß; auch Schuhe und Schals sind vorhanden. "Kleidung aus dem Überfluss" steht an der Tür des ersten Verschenkeladens: Und genau das ist auch der ernste Gedanke dahinter. "Wir wollen zeigen, dass es eigentlich ein Umdenken braucht", sagt Martina Huber, die die Idee für den Geschenkeladen hatte. Gemeinsam mit Glenda Fischer und dem Verein "Reparaturkultur" stehen sie bei der Klimazeit für den Verschenkeladen. Er soll darauf aufmerksam machen, wie viel Kleidung produziert und vor allem überproduziert wird.

Unterstützt von der Stadt und dem Landkreis betreiben sie bis zum 24. Oktober den Pop-Up-Store an der Theaterstraße. Dort, wo früher der "Wicky"-Geschenkeladen war, hat der Eigentümer laut Angaben der Stadt zu einer geringen Miete weit unter dem üblichen Preis der 1a-Lage das Geschäft der Klimazeit überlassen.

Rund 60 Kleidungsstücke kauft der Deutsche im Jahr, Modelabels bringen bis zu 24 Kollektionen im Jahr heraus, eine Jeans hat 50.000 Kilometer auf dem Buckel, bis sie im Geschäft hängt: All das erfährt man über Schautafeln im Laden: Gründe genug, eventuell mehr secondhand und bewusster einzukaufen.

Der Verschenkeladen in  Landshut hat zwei Missionen

Keine Konkurrenz will und kann der Laden sein für die vielen sozialen Kleiderläden, die es schon in der Stadt gibt. "Vielmehr sollen hier zwei Ideen kombiniert werden: Auf den Leerstand sowie den nachhaltigen und sozialen Gedanken von Kleidung aufmerksam zu machen", sagte Oberbürgermeister Alexander Putz bei der Eröffnung des Ladens. Diese Aspekte sind durch die zentrale Lage des Pop-Up-Stores in den Fokus gerückt, so Martina Huber. Bewussterer Konsum wäre gut - das sagt auch Klimaschutzmanagerin Maria Kasperczyk.

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Der Umgang mit der Kleidungsindustrie in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie die mögliche Verbesserung der Bedingungen erfordern jedoch viel Nachdenken. Das diskutierten Putz, Michael Luger, Leiter des Amts für Wirtschaft, Marketing und Tourismus sowie der Leiter des Amts für Umwelt, Klima- und Naturschutz, Thomas Rottenwallner, ebenso bei der Eröffnung: Nehme man den dortigen Arbeitern die Beschäftigung, verschlechterten sich auch deren Lebensbedingungen. Es könne wohl nur durch bessere Arbeitsbedingungen in den jeweiligen Ländern, Siegel für faire Kleidung und Ähnliches, eine Verbesserung geschaffen werden.

Geöffnet ist der Laden Mittwoch bis Freitag, 13 bis 17 Uhr und Samstag 10 bis 14 Uhr. Am 10. und 17. Oktober werden kleine Workshops zu Reparatur von Kleidung und Upcycling angeboten. Im Laden sind nur sieben Menschen erlaubt, es gilt ebenso die Maskenpflicht.

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