Landshut: Einbrecher trotz Lockdowns aktiv

Bayernweit ging 2020 die Zahl der Einbrüche zurück, in der Region Landshut stieg sie dagegen leicht.
| Emanuel Socher-Jukiæ
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In der Region gingen die Einbruchszahlen im vergangenen Jahr nicht zurück - entgegen dem bayernweiten Trend.
In der Region gingen die Einbruchszahlen im vergangenen Jahr nicht zurück - entgegen dem bayernweiten Trend. © Claus Zettl

Landshut - Auch wenn Innenminister Joachim Herrmann bayernweit von einem Rückgang der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr ausgeht - in Stadt und Landkreis ist das nicht der Fall. Dort liegt die Zahl auf einem ähnlichen Niveau wie 2019. Das legen vom Polizeipräsidium Niederbayern ausgewertete Zahlen nahe.

Region Landshut hat 2020 mehr Einbrüche zu verzeichnen

Der Lockdown-Effekt (viele Menschen sind fast durchgehend zu Hause, weniger Urlaubsreisen, Grenzen dicht) im Jahr 2020 führte in der Region Landshut nicht zu weniger Einbrüchen. Nach Auskunft des Polizeipräsidiums stieg die Zahl der Einbrüche im privaten Bereich zu 2019 sogar leicht. Damals wurden 53 Fälle registriert. Wie hoch die genaue Zahl für 2020 ist, war nicht zu erfahren - dies wird erst bei der Vorstellung des Sicherheitsberichts für Niederbayern in einigen Wochen verkündet.

Auch die Einbrüche im gewerblichen Bereich, also beispielsweise in Büros, liegen laut Polizei etwas über dem Wert von 2019 mit 47 Einbrüchen. Und selbst während des ersten Lockdowns von März bis Mai gab es keine Veränderung nach unten in der Region.

Die Zahl der Einbrüche bayernweit war 2019 auf niedrigem Stand

Bayernweit ist dagegen die Zahl der Einbrüche während des ersten Lockdowns im Frühjahr deutlich gesunken. Das meldete kürzlich der Bayerische Rundfunk, der sich auf Aussagen von Innenminister Herrmann beruft. Demnach habe sich die Zahl der Wohnungseinbrüche in Bayern im April im Vergleich zum Vorjahresmonat halbiert. Im Mai waren es bayernweit noch 30 Prozent weniger Einbrüche als im Mai 2019. Und das bei einem ohnehin niedrigen Niveau im Jahr 2019. Seit Jahren sind die Einbruchszahlen nämlich rückläufig - auch in der Region Landshut.

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So gab es 2019 bei den Wohnungseinbrüchen in der Stadt im Vergleich zu 2018 einen Rückgang um rund 45 Prozent (von 55 auf 30 Fälle). Im Landkreis war das Minus bei den Wohnungseinbrüchen sogar noch deutlicher: Innerhalb eines Jahres ging es von 121 Fällen auf 38 zurück (-68,6 Prozent). Eine Entwicklung, die sich auch niederbayernweit ablesen ließ: 2019 hatte man bei den Einbrüchen den niedrigsten Wert innerhalb der letzten zehn Jahre.

Grenzschließungen halten Banden aus Osteuropa ab

Warum sich in der Region Landshut der rückläufige Trend im vergangenen Jahr nicht widerspiegelt, kann sich Günther Tomaschko, Pressesprecher des Polizeipräsidiums, nicht erklären. Denn Einbrecherbanden aus Osteuropa seien unter anderem durch die zeitweise Schließung von Grenzen abgehalten worden.

Welchen Schaden solche Banden anrichten können, zeigt ein Beispiel aus dem Jahr 2018: Damals kam es zu zehn Einbrüchen in Niederbayern, unter anderem im Landkreis Landshut, die alle auf das Konto einer ungarischen Bande gingen. Drei Täter (zwei Männer und eine Frau) konnten schließlich von der Polizei festgenommen werden und wurden 2019 vom Landgericht Landshut zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Aber, so Tomaschko, Einbrüche gingen auch auf Beschaffungskriminalität zurück. "Und die hat man nach wie vor."

So schützt man sich effektiv vor Einbrechern

Die gute Nachricht vorneweg: Immer häufiger bleibt es in der Region beim Einbruchsversuch. "Weil die Leute sich besser absichern", sagt Kriminalhauptkommissarin Gabriele Bauer. Sie ist Präventionsbeauftragte bei der Kripo Landshut und damit neben Stadt und Landkreis Landshut für die Landkreise Dingolfing-Landau und Kelheim zuständig.

Ein weiterer Grund, warum Einbrecher scheitern: Die Leute seien wachsamer und trauten sich schneller, jemanden von Weitem aus anzusprechen, der sich verdächtig verhält, so Bauer. 2020 hatte sie fast doppelt so viele Beratungen zur Einbruchsprävention wie 2019. Und fast alle hätten dann in die Sicherheit investiert. Dass die Nachfrage so groß war, liegt Bauer zufolge an der Corona-Pandemie: Die Menschen hatten eher Zeit, sich beraten zu lassen, und auch mehr Geld übrig, weil sie nicht in den Urlaub gefahren sind.

Hier die wichtigsten Tipps:

"Die mechanische geht vor die technische Absicherung", sagt Bauer. Soll heißen: Bevor man eine Alarmanlage einbauen lässt, sollte man zunächst alle Fenster und Terrassentüren im Erdgeschoss sichern. "Ein nicht gesichertes Fenster hebelt man mit einem einfachen Schraubenzieher innerhalb von einer Minute auf", so Bauer. Besonderes Augenmerk muss auf Fenster gelegt werden, die schwer einsehbar sind. An Haustüren versuchen sich Einbrecher selten, weil diese stabiler sind.

Wer sich nicht nur mechanisch schützen möchte, kann sich eine Einbruchsmeldeanlage anschaffen. "Eine vernünftige Anlage ist zwar teuer, aber zu 99 Prozent gibt es keine Fehlalarme", sagt Bauer. Damit spart man letztlich Geld. Denn jeder Fehlalarm, zu dem die Polizei anrücken muss, wird in Rechnung gestellt.

Videoüberwachung hält Einbrechner nicht ab

Eine Videoüberwachung hält laut Bauer keinen Einbrecher ab. "Aber es kann der Polizei bei der Aufklärung helfen." Wie bei der Alarmanlage gilt auch hier: Eine gute Anlage, die wirklich gute Bilder liefert, ist teuer. Im Schnitt halten sich Einbrecher etwa zehn Minuten in den Räumen auf - für aufwändiges Suchen ist keine Zeit. Wertsachen wie Schmuck oder Geld sollten also entsprechend gut versteckt werden.

"Dazu zählen nicht das Nachtkästchen, die Bettwäsche oder die Matratze", sagt Gabriele Bauer. Besonders teure Dinge kann man in einem Schließfach deponieren. Wer in den Einbruchsschutz investieren will, der erhält Unterstützung vom Staat: Zwischen zehn und 20 Prozent kann der Zuschuss der staatlichen KfW-Bank betragen. Wer nachrüsten will, dem hilft die Kripo Landshut mit einer Liste von Betrieben, die vom Landeskriminalamt geschult wurden.

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