Kommunalwahl, die Zweite: Wo es in Bayern spannend wird – und warum

Nach den Kommunalwahlen in Bayern steht zwar das landesweite Ergebnis für die Parteien fest. Dennoch wird der nächste Sonntag vielerorts noch spannender als der erste Wahlgang. Aber wo - und warum?
AZ/ dpa |
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Spannung in München, aber nicht nur: Die zweite Runde der Kommunalwahlen steht an. (Archivbild)
Spannung in München, aber nicht nur: Die zweite Runde der Kommunalwahlen steht an. (Archivbild) © Peter Kneffel/dpa

Zweite Runde der Kommunalwahlen in Bayern: Am Sonntag stehen in 29 Landkreisen und in mehr als 250 Städten und Gemeinden Stichwahlen um Landrats-, Oberbürgermeister- und Bürgermeister-Posten an. Überall dort, wo im ersten Wahlgang am 8. März kein Bewerber und keine Bewerberin mehr als 50 Prozent der Stimmen holte, geht es in die Stichwahl. Hier gehen nun die Erst- und Zweitplatzierten noch einmal direkt gegeneinander ins Rennen.

Wo wird gewählt?

In 22 kreisfreien Städten wurde gewählt - in 17 davon brachte der erste Wahlgang aber noch keine Entscheidung über den nächsten Oberbürgermeister oder die Oberbürgermeisterin. Stichwahlen um die Landrats-Posten gibt es zudem in 29 Landkreisen - hier gab es im ersten Anlauf in rund der Hälfte der 62 Wahlen schon eine Entscheidung. Und: In rund 250 von gut 2000 kreisangehörigen Städten und Gemeinden müssen die Oberbürgermeister oder Bürgermeister ebenfalls in der Stichwahl am Sonntag gekürt werden.

Warum ist die Wahl vor Ort wichtig?

Die Stadträte, Gemeinderäte und Kreistage stehen fest - aber vor Ort sind eben auch die Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte als Chefs der Verwaltungen ein entscheidender Faktor. Sie geben oft maßgeblich die Richtung vor in vielen Bereichen, die das Leben der Menschen direkt betreffen, etwa bei Straßen, Schulen, Schwimmbädern oder vielen weiteren kommunalen Themen.

Wer gewinnt in München?

Spannend wird es in der Landeshauptstadt: Nach nicht endenden Negativ-Schlagzeilen kurz vor dem Wahltermin musste der amtierende Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) im ersten Wahlgang empfindliche Verluste hinnehmen - und muss nun zittern: Sein Herausforderer Dominik Krause (Grüne) lag mit 29,5 Prozent in der ersten Runde nicht weit hinter Reiter zurück, der auf 35,6 Prozent kam. Allerdings: Nachdem ihr Kandidat aus dem Rennen ist, hat die Münchner CSU für die Stichwahl inzwischen eine Empfehlung für Reiter ausgesprochen. Entschieden ist das Rennen aber noch lange nicht. Es dürften nervöse Stunden am Sonntag in München werden.

Wer holt die anderen OB-Posten?

In Nürnberg kommt es zur Stichwahl zwischen Amtsinhaber Marcus König von der CSU und dem SPD-Herausforderer Nasser Ahmed - mit deutlich besseren Chancen für König. In Augsburg muss Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) in der Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten Florian Freund antreten. Sie hatte zwar im ersten Rennen einen deutlichen Vorsprung, aber bei Stichwahlen werden die Karten eben oftmals wieder komplett neu gemischt.

Spannend wird es auch anderswo: In Erlangen, Aschaffenburg und Hof beispielsweise holten die CSU-Kandidaten im ersten Anlauf mehr Stimmen als die jeweiligen SPD-Amtsinhaber. In Bayreuth dagegen lag der CSU-Amtsinhaber in Runde eins hinter dem SPD-Kandidaten. Und auch in Schweinfurt, bisher CSU-regiert, lag der SPD-Kandidat vorn. 

In Bamberg rechnen sich die Grünen gute Chancen aus, den OB zu stellen: Ihr Kandidat Jonas Glüsenkamp und Sebastian Niedermaier (SPD) gehen nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen im ersten Wahlgang in die Stichwahl. Beide lagen am 8. März überraschend vor Ex-CSU-Staatsministerin Melanie Huml (CSU).

Welche Landratswahlen werden spannend?

Da richten sich die Blicke zum Beispiel in den Landkreis Landsberg am Lech. Können die Grünen hier auf einen Sieg hoffen? Schließlich war ihre Kandidatin Daniela Groß am 8. März fast an den CSU-Amtsinhaber herangekommen.

Im Landkreis Fürstenfeldbruck fordert die grüne Kandidatin Ronja von Wurmb-Seibel den langjährigen CSU-Landrat und Landkreistagspräsidenten Thomas Karmasin in der Stichwahl heraus: Karmasin, der seit mittlerweile 30 Jahren im Amt ist, hatte im ersten Durchgang aber 45 Prozent der Stimmen bekommen.

Hat die AfD noch irgendwo Chancen?

Nein. Bei sämtlichen Personenwahlen war und ist die AfD chancenlos. Es gibt bayernweit keinen Landrat, OB oder Bürgermeister mit AfD-Parteibuch - und mehr noch: Kein AfD-Kandidat hat es irgendwo in eine Stichwahl geschafft.

Was bedeuten die Stichwahlen für das landesweite Ergebnis?

In reinen Zahlen: nichts. Das landesweite Ergebnis steht fest. Dafür hatte das Statistische Landesamt die Stadtratswahlen in den kreisfreien Städten und die Kreistagswahlen in den Landkreisen zusammengezählt - wobei gemeinsame Wahlvorschläge mit anderen Parteien oder Gruppen jeweils mit eingerechnet werden. 

Danach ging der Stimmenanteil der CSU im Vergleich zur Wahl 2020 von 34,5 auf nun 32,5 Prozent zurück. Die AfD legte dagegen deutlich von 4,7 auf 12,2 Prozent zu. Vor allem die Grünen fuhren Verluste ein, wurden aber mit 13,6 Prozent erneut zweitstärkste Kraft in den Kommunalparlamenten. Die SPD, für die es 2020 schon um rund 7 Prozentpunkte auf historisch schlechte 13,7 Prozent nach unten gegangen war, sackte nun weiter auf 12,3 Prozent ab. Die Freien Wähler wiederum legten minimal von 11,9 auf 12,1 Prozent zu.

Warum ist die Spannung in den Parteizentralen trotzdem groß?

Das landesweite Ergebnis ist das eine. Der politische Erfolg bemisst sich aber letztlich auch daran, welche prestigeträchtigen OB- oder Landrats-Posten eine Partei hinzugewinnt, verliert oder halten kann. Deshalb richten sich die Blicke - nicht nur der SPD - ja beispielsweise derart gespannt nach München.

Und so eifrig Parteivorsitzende in diesen Tagen gerne betonen, es handle sich ja letztlich ausschließlich um Persönlichkeitswahlen - am Ende wird doch sehr genau zusammengezählt, welche Partei wie viele Landrats-, OB- und Bürgermeisterposten innehaben wird. Denn die nächsten Landtags- und Bundestagswahlen kommen bestimmt - und da sollen die Kommunalwahlen gerne eine Art Sprungbrett sein. Deshalb gilt: Nach der Wahl ist vor der Wahl.

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