Hardcore-Videos: Freistaat Bayern fördert Pornos!

Die Regierung zahlt 10.000 Euro an eine einschlägige Plattform in Oberfranken, ein Porno-Internetportal! Es geht nicht um softe Sexfilmchen sondern um Hardcore-Pornos für Erwachsene. Das sorgt für Ärger.
| Ralph Hub
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„Extra-Busen“: Der Freistaat unterstützt die pralle Lebensfreude.
AZ „Extra-Busen“: Der Freistaat unterstützt die pralle Lebensfreude.

Larotika.de ist ein Pornoportal aus Oberfranken, das im Internet eine Menge Geld mit gebrauchten Hardcore-Videos verdient. Gefördert von der Staatsregierung – mit Steuergeldern in fünfstelliger Höhe. Das sorgt jetzt für Ärger im Landtag.

Bei Larotika.de geht es nicht um softe Sexfilmchen, wie sie nach Mitternacht im Fernsehen laufen. Die Porno-Plattform kauft und verkauft Hardcorefilme nur für Erwachsene – für jeden Geschmack ist etwas dabei.

„Pornos sind meist sehr teuer, aber man hat kaum Möglichkeiten sie bequem weiterzuverkaufen“, sagt Jan Jakob. Der 37-jährige Handelsfachwirt betreibt zusammen mit seinem Vater von Bayreuth aus die Porno-Plattform. „Eine Marktlücke im Internet, die wir entdeckt haben.“

Bekannte Konkurrenten wie Amazon, eBay, rebuy.de, blidad.com oder momox.de machen um diesen Bereich einen großen Bogen. „Dabei“, so Jan Jakob, „liegt fast in jedem Haushalt irgendwo versteckt ein Porno herum.“

Jede Menge Nachschub für Larotika.de. Die Verkäufer schicken ihre alten DVDs oder Blu-Ray-Discs per Post. Ein paar Tage später ist das Geld auf ihrem Konto. Die Preise variieren je nach Video zwischen ein paar Cent und 12 Euro.

Eine clevere Idee, doch dass es dafür auch noch Fördergeld von der Staatsregierung gibt, hat Jan Jakob dann doch etwas überrascht: „Im Herbst 2012 stellten wir den Antrag bei der Bayern Innovativ in Nürnberg. Wir haben die Erfolgsaussichten nicht höher als 30 Prozent eingeschätzt“.

Die Bayern Innovativ GmbH unterstützt im Auftrag des Wirtschaftsministeriums junge, innovative Start-up-Unternehmen im Freistaat. Die Staatsregierung überweist dafür jährlich fünf Millionen nach Nürnberg.

Ein Gutschein für weitere „Innovationen“

Ein paar Monate später traf der begehrte Innovationsgutschein in Bayreuth bei Larotika.de ein. Der Höchstbetrag zur Förderung lag bei 18 000 Euro. Genehmigt wurden 60 Prozent - macht rund 10 000 Euro für das Porno-Portal: kein Darlehen, keine Zinsen, keine Rückzahlung. Unklar ist, wie es dazu kam, dass der Innovationsgutschein für die „erste Ankaufplattform nur für Hardcore-Erotikfilme ab 18“ genehmigt wurde. Bei Bayern Innovativ war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Im Wirtschaftsministerium zeigt man sich zugeknöpft. Genehmigt wurde die Förderung unter Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP), heute sitzt Ilse Aigner (CSU) auf dem Posten.

In einer Stellungnahme heißt es: „An der Förderung eines Unternehmens, das Erotikfilme an über 18-Jährige über eine Online-Plattform an- und verkauft, gibt es berechtigte Kritik.“ Verantwortlich sei aber allein Bayern Innovativ. Ministerin Aigner habe bereits eine Anweisung zur Überarbeitung der Richtlinien gegeben.

„Unser Unternehmen hat alle Kriterien für die Förderung erfüllt“, sagt Jan Jakob. „Pornografie war dabei kein Ausschlussgrund. Wir haben die Regeln nicht gemacht.“ Das Geschäft bei Larotika.de brummt. Die Zahl der Kunden ist innerhalb eines Jahres um einige Tausend gestiegen. Das Porno-Portal beschäftigt inzwischen 42 Mitarbeiter. „Die Steuern, die wir ans Finanzamt zahlen, übertreffen die Fördersumme um einiges“, sagt Jan Jakob.

Klingt nach einer oberfränkischen Erfolgsgeschichte. Doch im fernen München löst sie ein eher gemischtes Echo aus – die Reaktionen reichen von Kopfschütteln bis Gelächter. Manche Wirtschaftsvertreter sprechen von einem „hochnotpeinlichen Vorfall“.

Klare Worte fand gestern die wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD im Landtag: „Die Innovationsgutscheine sollen eigentlich junge, zukunftsgerichtete Unternehmen fördern und nicht die Verbreitung von Pornografie“, so Annette Karl. „Es gibt in Bayern eine Menge kleine Unternehmen, bei denen dieses Geld deutlich sinnvoller investiert wäre als bei einer Porno-Plattform“.

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