"Foto Quelle"-Mord: Die Mörder kamen als Reporter

Vor 40 Jahren wurde Ingeborg Schmechtig, Ehefrau des Managers von "Foto Quelle", beim Versuch sie zu entführen, getötet. Ein dramatischer Kriminalfall aus Franken.
| Helmut Reister
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Helfer tragen die verwundete Manager-Gattin Ingeborg Schmechtig nach draußen.
Helfer tragen die verwundete Manager-Gattin Ingeborg Schmechtig nach draußen. © Helmut Reister

Lothar Schmechtig war einer der erfolgreichsten Manager im Zeitalter des Wirtschaftswunders. Mit der "Foto Quelle" stellte er die ganze Branche auf den Kopf und schuf das größte Fotohaus der Welt. Visionen und Glück, seine ständigen Begleiter, verließen ihn an einem heißen Augusttag vor 40 Jahren. An diesem Tag im Jahr 1981 wurde seine Frau ermordet.

"Danach", erinnerte sich ein einstiger enger Mitarbeiter noch Jahre später, "war er ein anderer Mensch. Die strahlenden Augen und das Lachen waren weg, die Traurigkeit direkt spürbar". Drei Jahre lang, mit Pausen dazwischen, mutete sich Lothar Schmechtig das explodierende Fotogeschäft noch zu, das er selbst kreiert hatte.

Vom Kosmetikverkäufer zum Spitzenmanager

In der unmittelbaren Nachkriegszeit war er als Kosmetikverkäufer unterwegs, dann als Einkäufer für große Warenhäuser. In dieser Zeit ging es ums Überleben.

Mitte der 50er Jahre wurde Gustav Schickedanz, Chef der "Quelle", auf das umtriebige Verkaufstalent aufmerksam und bot Lothar Schmechtig einen Job als Projektentwickler an. Zu dem Zeitpunkt machte das Familienunternehmen "Quelle" bereits einen Umsatz von 250 Millionen Mark im Jahr. Der kletterte dann rasant nach oben. Ende der 70er Jahre war er im zweistelligen Milliardenbereich angekommen.

Zu den Innovationen, die Schmechtig in Gang setzte und die sich als maßgebliche Faktoren beim wirtschaftlichen Aufschwung des Unternehmens erwiesen, gehörte zum Beispiel Schmechtigs Idee einer Uhren- und Schmuckabteilung im Versandhaus-Format. Ähnlich revolutionär angesichts der damaligen Marktbedingungen und noch gelungener war der von Schmechtig initiierte Einstieg von "Quelle" ins zu boomen beginnende TV-Geschäft.

Lothar Schmechtig (r).
Lothar Schmechtig (r). © Helmut Reister

Ein Leben im Rampenlicht

Schmalfilmkameras aus Japan in einem bis dahin nicht gekannten Preis-Leistungs-Verhältnis waren der Start in die Film- und Fotoindustrie. Mit "Revue" - eine eigene Marke - dazu ein Riesenlabor für die Verarbeitung großer Mengen an Foto- und Filmmaterial, das alles im Express-Tempo und zu einem zeitweise nahezu konkurrenzlosen Preis, setzte "Foto Quelle" neue Maßstäbe.

Als Manager dieses Unternehmens wurde Rampenlicht für ihn geradezu zwangsläufig generiert. Auf Fotos ist Lothar Schmechtig mit Ministerpräsidenten und zahlreichen anderen Prominenten zu sehen. Ein gemeinsames Foto mit Uli Hoeneß ist auch dabei. Es entstand in seiner Amtszeit (1977/78) als Präsident des 1. FC Nürnberg.

Plötzlich kamen die Schattenseiten des Ruhms

Die Verpflichtung des Münchner Fußballstars am Ende seiner Karriere war sportlich ein Misserfolg, medial aber wohl Schmechtigs größter Coup als "Club"-Präsident.

Dann bekam er die Schattenseiten des Ruhms zu spüren: Bei Illustrierten waren damals Porträts von Frauen an der Seite bekannter Lebenspartner ausgesprochen beliebt. Insofern war die Terminabsprache, die seine Frau Ingeborg Schmechtig mit zwei Reportern, einer Frau und einem Mann, für den 14. August 1981 in ihrer privaten Villa vereinbarte, nichts Außergewöhnliches. Alles, was folgte, dagegen schon.

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Ingeborg Schmechtig wurde durch mehrere Schüsse getötet

Die tapfere Gegenwehr, zu der auch das Drücken eines Notrufs an die Schwabacher Polizei gehörte, bedeutete für Ingeborg Schmechtig den Tod. Mehrere Schüsse aus nächster Nähe in den Bauch und Oberkörper ließen ihr keine Chance.

Zu der Bilanz dieses gescheiterten Entführungsversuchs gehört auch noch der Tod des Entführers. Er hatte sich mit der Polizei, die durch den Notruf schnell am Tatort erschien, auf dem riesigen Grundstück einen Schusswechsel geliefert. Seine Freundin wurde im Haus widerstandslos festgenommen.

Der Tod seiner geliebten Frau traf Schmechtig tief

Auch wenn Lothar Schmechtig als junger Soldat an der Front und danach als Kriegsgefangener den Tod aus nächster Nähe erleben und zugleich lernen musste, damit umzugehen, traf ihn der Verlust seiner Frau mit unerbittlicher Härte.

Der von Inspiration und Geschäftssinn beseelte Manager war nur noch ein Schatten seiner selbst und zog sich aus dem Unternehmen und dem gesellschaftlichen Leben zurück. 1992 starb Schmechtig kurz vor seinem 70. Geburtstag.

Die an der Entführung beteiligte Frau wurde zwei Jahre nach der Tat zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt.

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