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Münchner Kriminalfälle: Bis heute ungelöst - der Mordfall Kristin Harder

Die Studentin wird 1991 ermordet. Monate später tauchen Teile ihrer Leiche auf.
| Myriam Siegert
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Gäste im Nachtcafé in den 90ern. Hier wurde Kristin Harder zuletzt gesehen.
Gäste im Nachtcafé in den 90ern. Hier wurde Kristin Harder zuletzt gesehen. © imago/Karo

München - Das sei einer der Fälle, die er schon gerne noch aufgeklärt hätte, sagte Mordkommissions-Chef Josef Wilfling im Januar 2009, als ihn die AZ anlässlich seines Abschieds in den Ruhestand besuchte.

Mord an kanadischer Studentin Kristin Harder bis heute ungelöst

Kristin Harder.
Kristin Harder. © AZ-Archiv

Der grausame Mord an der damals 28 Jahre alten Sprachstudentin Kristin Harder in der Nacht zum 13. Dezember 1991 ist bis heute ungelöst. Auch Richard Thiess, erst Wilflings Stellvertreter, dann sein Nachfolger und bis 2014 Chef der Münchner Mordkommission, hat dieser Fall besonders beschäftigt.

Halblanges blondes Haar, schwarzer Pulli, Rock und Stiefel, Handtasche, ein dunkler Mantel, so ist Kristin Harder an dem Abend, an dem sie verschwindet, unterwegs. Sie ist Kanadierin, in Spanien aufgewachsen, lebt seit vier Jahren in München und spricht vier Sprachen. Eine hübsche junge Frau, die als liebenswert beschrieben wird.

Sie hat Prüfungen bestanden und ist feiern. In der Kneipe Frundsberg in Neuhausen lernt sie den Studenten Bernhard W. (28, Name geändert) kennen, sie ziehen weiter ins Nachtcafé. Dort wird sie zuletzt gesehen. Die Studentin will, so sagt W. später aus, alleine weiter zu einer Verabredung im "Schuhmann's". Dort kann später niemand bestätigen, dass sie da war.

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Vier Monate später, Mitte April 1992, finden Spaziergänger im Bahnhofswald Neubiberg in einer Plastiktüte ein Frauenbein, am Knie in zwei Teile zersägt und - tiefgefroren. Die Polizei vermutet schnell, dass dieses Bein zur vermissten Kristin Harder gehörte. Die Beamten haben recht. Im Sommer wird dann ihr Arm im Rechen des Isarkraftwerks Altheim bei Landshut gefunden. Der Fall schockt die ganze Stadt.

Mordfall Harder wird 2003 wieder aufgerollt

2003 rollt die Arbeitsgruppe "Kristin" mit zehn Kriminalbeamten den ungeklärten Mordfall noch einmal auf. "Wir befragen noch einmal alle Zeugen von damals", sagt Richard Thiess zur AZ. Darunter ist auch ein damals bereits mehrfach einvernommener Mann: Bernhard W., mit dem Kristin an dem Abend unterwegs war, gerät wieder in den Fokus. Wie sein Anwalt Thomas Etzel damals erzählt, habe er auch eine DNA-Probe abgeben müssen. Bei einem zweiten Verhör wurde er schon als Verdächtiger behandelt.

Hat sich Bernhard W.  in Details widersprochen?

Eine anonyme Zeugin meldet sich im März 2003 nachts telefonisch bei der Polizei, sie kenne den Tatort: ein Haus am Waldrand im Südosten Münchens, berichtet die AZ.  Ermittler Thiess spricht mit dem Magazin "Stern Crime" 2020 über den Fall, er ist überzeugt, dass W. der Mörder ist.

Der benahm sich nach ihrem Verschwinden verdächtig, rief immer wieder bei ihr an, erkundigte sich nach ihrer Adresse, obwohl er sie bereits kannte. Thiess fällt auf, Kenntnisse über Kristins letzte Stunden beruhen allein auf W.s Aussagen, die lange nicht angezweifelt wurden. Er erzählt vom Verhör: W. habe sich in Details widersprochen. Und er habe behauptet, Neubiberg nicht zu kennen, was sich später als Lüge herausstellte.

Seine Freundin arbeitet dort, drei Minuten vom Fundort des Beines, ihr Bruder lebt in der Nähe. Zur Tatzeit ist dieser im Urlaub. Als er zurückkommt, fehlt eine Kettensäge aus seiner Garage. Zeugen sagen sogar aus, sie hätten einen Mann gesehen, der einen schweren Müllsack aus einem Kleintransporter in das Wäldchen getragen habe. W. hat über seine Arbeit Zugriff auf Kleintransporter.

Doch die DNA-Untersuchungen bringen die Polizei nicht weiter. Ein Haar im Plastiksack mit den Leichenteilen stammt nicht von W. Er habe bei ihr angerufen, um ihr etwas zurückzugeben, das sie in seinem Auto verloren hatte, sagt er.

Der Kommissar hätte den Mann gerne in U-Haft gesehen. Doch es gibt keine Beweise, die Ermittlungen müssen eingestellt werden. Der restliche Körper von Kristin Harder wurde bis heute nicht gefunden.

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