Events auf der Zugspitze boomen

Deutschlands höchster Berg wird für die unterschiedlichsten Events immer beliebter. Firmen halten dort Pressekonferenzen ab, Ferrari stellt ein Auto vor – zum Unmut von Umweltschützern.
| dpa
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Deutschlands höchster Berg wird für die unterschiedlichsten Events immer beliebter. Firmen halten dort Pressekonferenzen ab, Ferrari stellt ein Auto vor, Heidis „Topmodels“ versuchen, auf High Heels durch den Schnee zu staksen – zum Unmut von Umweltschützern.

Garmisch-Partenkirchen – Die Zugspitze ist mit 2962 Metern Deutschlands höchster Berg – und wird für Veranstaltungen und (Selbst-)Inszenierungen aller Art immer beliebter. Das gilt nicht nur für Freddy Nock, der an diesem Wochenende einen neuen Weltrekord aufstellen und zum zweiten Mal auf einem Tragseil der Gletscherbahn in Richtung Zugspitzgipfel balancieren will.

Ob Pressekonferenzen großer Firmen oder prestigeträchtige Produktpräsentationen – der Symbolcharakter der Zugspitze ist klar: „Wir sind spitze“, so die Botschaft, die von Veranstaltungen auf dem „Dach Deutschlands“ ausgehen soll.

Und so posierten im Juni die drei Finalistinnen der Casting-Show „Germany's next Topmodel“ in schwarzen, roten und goldenen Kleidchen bei Minusgraden für die Fotografen – von denen sie sich dann tragen lassen mussten, weil sie bei dem Versuch scheiterten, auf High Heels durch den Schnee zu staksen.

Ein Hubschrauber hatte sie zur höchsten Station ihrer kurzen Deutschland-Tour extra eingeflogen. Im März dieses Jahres gab der Deutsche Handballbund auf der Zugspitze den Startschuss für eine bundesweite Ballstafette für einen guten Zweck und der damalige Bundestrainer Heiner Brand posierte vor dem Gipfelkreuz.

Nur rund zwei Monate vorher hatte Siemens auf dem Berg eine Pressekonferenz zum Sponsoring der Ski-WM gegeben – und Konzernchef Peter Löscher sich beim Skifahren in geübter Pose bei rasanter Abfahrt fotografieren lassen.

Ferrari präsentierte im Frühjahr und in Anwesenheit von Formel-1-Pilot Fernando Alonso im Zugspitz-Schnee ein neues Auto und auch Politiker sind immer wieder Gast auf Deutschlands höchstem Berg. So erklommen im Sommer vergangenen Jahres Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt Seit an Seit den Gipfel und ließen sich von den natürlich extra informierten Fotografen mit roten Wangen vor dem Gipfelkreuz ablichten.

Die Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG (BZB) bringt mit ihren Bergbahnen rund eine halbe Million Touristen im Jahr auf Deutschlands höchsten Gipfel. Das ist aber längst nicht mehr die einzige Einnahmequelle. „Events sind für uns inzwischen ein wichtiges Standbein“, sagt BZB-Sprecherin Eva-Maria Greimel.

„Die Zugspitze ist eben ein sehr exponierter Veranstaltungsort.“ Bei der Planung der meisten Events auf der Zugspitze steht die Bergbahn den Veranstaltern zumindest beratend zur Seite. Im Jahr 2008 gab Fußball-Bundestrainer Jogi Löw sogar den EM-Kader mit großem Medienrummel auf der Zugspitze bekannt – und erntete damit nicht nur Zuspruch.

Die „Eventisierung“ von allem, was mit der Nationalmannschaft zu tun hat, wurde kritisiert. Naturschützern stößt bei derartigen Aktionen aber vor allem die „Eventisierung“ der Zugspitze übel auf – „die Eventisierung von Natur“. Das sagt zum Beispiel Kurt Schmid vom Bund Naturschutz in Bayern.

„Der ganze Naturraum wird zum Event gemacht und das ist natürlich ein Problem.“ Im Jahr 2008 endete ein großes Event für zwei Männer tödlich. Beim alljährlichen Zugspitzlauf starben zwei Teilnehmer an Erschöpfung und Unterkühlung. Events ganz anderer Art sind Protestaktionen.

Denn auch für Demonstranten ist der Berg ein beliebtes Ausflugsziel – immer wieder frei nach dem Motto: „Das ist der Gipfel“. Greenpeace-Aktivisten demonstrierten in luftiger Höhe schon für die Energiewende, das Gastgewerbe stürmte im Kampf für eine niedrigere Mehrwertsteuer die Zugspitze.

Erst Mitte August wanderten Verdi-Mitglieder zu Fuß auf Deutschlands höchsten Gipfel, um dort gegen Leiharbeit zu protestieren. „Voll auf der Höhe: Equal Pay“ stand auf dem großen Plakat, das sie vor dem goldenen Gipfelkreuz ausrollten. Hansjörg Barth, in dritter Generation Pächter der Alpenhütte Münchner Haus auf der Zugspitze, hat schon viele Demonstrationen mitbekommen.

Vor Jahren, als sein Sohn noch klein war, habe er rund 100 Demonstranten eine Watschn angedroht, sollten sie von ihren Trillerpfeifen Gebrauch machen. „Mein Bub war gerade eingeschlafen“, erinnert er sich. Die Demonstranten blieben ruhig und wurden erst wieder laut, als der Wirt mit seinem ausgeschlafenen Sohn am Fenster erschien und grünes Licht gab.

Heute habe er mit „den Leuten von Verdi“ kein Problem, betont Barth. „Nur einer, der war Vegetarier.“

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