Beliebte bayerische Kult-Brauerei mit 700 Jahren Geschichte ist insolvent
Die älteste Brauerei Kaufbeurens ist pleite. Gebraut werden soll am Standort weiter, doch die Rettung ist teuer: Von 84 Beschäftigten sollen dort künftig noch 38 arbeiten, 46 verlieren ihren Job. Das geht aus einer Mitteilung des Unternehmens hervor, die der AZ vorliegt.
Das Insolvenzverfahren über die ABK Betriebsgesellschaft der Aktienbrauerei Kaufbeuren GmbH wurde zum 28. August eröffnet. In der Betriebsgesellschaft steckt seit der Ausgliederung 2013 das operative Geschäft, also das Brauen und der Verkauf. Zuständig ist das Amtsgericht Aalen, das Verfahren läuft in Eigenverwaltung.
Dabei bleibt die Geschäftsführung im Amt und saniert selbst, ein vom Gericht bestellter Sachwalter kontrolliert sie. Nicht betroffen ist die Aktienbrauerei Kaufbeuren AG, die an der Münchner Börse notiert ist und vor allem Immobilien verwaltet und verpachtet.
Bierhersteller haben seit Jahren zu kämpfen
Es ist Teil einer Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet. Bundesweit gab es 2025 noch 1415 Brauereien, 53 weniger als im Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt Anfang August meldete. Bayern bleibt mit 588 Braustätten das Bierland Nummer eins, verliert jedoch zugleich am stärksten: 2019 waren es noch 648, seither sind 60 Betriebe verschwunden. Als Gründe nennt die Branche hohe Energie- und Rohstoffkosten, eine schwächelnde Gastronomie und jüngere Menschen, die weniger Alkohol trinken.
Immer wieder trifft es dabei auch traditionsreiche Betriebe mit langer Geschichte. So nun auch im Allgäu. Gebraut wird in Kaufbeuren seit 1308. Aus diesem Jahr stammt auch eine Urkunde, mit der ein Bürger namens Heinrich der Twinger dem Heilig-Geist-Spital sein Gut vermachte, darunter ein Brauhaus mit Hof und Stadel. Darauf beruft sich die Brauerei bis heute.
Verkauft wird vor allem im Allgäu, im übrigen Schwaben und in Teilen Oberbayerns: das „Aktien Hell“, mehrere Weißbiere, dazu die Weinschorlen der Marke "Fräuleins" und die LEO-Limonaden. Bekannter als die Brauerei selbst ist womöglich ein Bier, das sie im Auftrag braut. "Arschlecken 350" gehört zur Kunstfigur Sepp Bumsinger des bayerischen Schauspielers und Kabarettisten Markus Langer, die vor allem in Sozialen Netzwerken ihr Publikum hat.
Finanzielle Mittel nachgeschossen
Die Mehrheit am Braugeschäft hält seit 2013 die britische ROK Stars PLC, gegründet vom US-Milliardär John Paul DeJoria, Mitgründer der Haarpflegemarke Paul Mitchell, und dem Briten Jonathan Kendrick. Über sie kam die Brauerei kurz in die Formel 1: Das Unternehmen war Sponsor von Williams, dem neunmaligen Konstrukteursweltmeister aus England. Eine Saison lang fuhr das Brauerei-Logo auf den Rennwagen mit.
Öffentlich wurde die aktuelle Geschäftskrise Mitte Juni. Sanierungsgeschäftsführer Volker P. Zimmerer nannte damals in der Lokalzeitung "Kreisbote" eine zu große Belegschaft und "exorbitante Personalkosten" als Hauptgrund. An die Kaufbeurer appellierte er: "Die Leute sollen sie unterstützen, indem sie deren Waren kaufen." Ziel sei es, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, hieß es damals.
Nun steht der Abbau fest. Den 46 Betroffenen werde der Wechsel in eine Transfergesellschaft ermöglicht, teilt die Brauerei mit. Der Mehrheitsgesellschafter habe dem Sanierungskonzept zugestimmt und Geld nachgeschossen. "Ohne die erforderlichen Mittel hätten wir das Unternehmen nun stilllegen müssen", so Zimmerer in der Mitteilung.
Ob die lange, 700 Jahre alte Tradition mittel- und langfristig tatsächlich überlebt, muss sich noch zeigen.
- Themen:
- Statistisches Bundesamt



