Bayerns Politik streitet über E.on

Verdi fürchtet den Verlust von 2000 E.on-Stellen. Doch Bayerns Wirtschaftsminister widerspricht: Die E.on-Konzernspitze wolle ihre Aktivitäten in Bayern sogar ausbauen, erklärt er. Parallel entbrennt ein politischer Streit.
| dpa
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Zoff in Bayern: Die Politik streitet über den Stellenabbau bei E.on und darüber, welche Partei wie damit umgeht.
dapd Zoff in Bayern: Die Politik streitet über den Stellenabbau bei E.on und darüber, welche Partei wie damit umgeht.

München  – Die Gewerkschaft Verdi fürchtet die Streichung von bis zu 2000 Arbeitsplätze beim Energiekonzern E.on in Bayern: „Wir sind da bei einer Größenordnung von 2000 Stellen“, sagte der bei Verdi zuständige E.on-Betreuer, Jürgen Feuchtmann, am Freitag dem Bayerischen Rundfunk. Doch Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) widerspricht. Er nannte diese Vermutungen „reine Spekulationen“. Am Freitag habe Zeil erneut mit dem Unternehmen gesprochen.

„Dabei wurde mir von der Konzernspitze bestätigt, dass Bayern das wichtigste Land für das operative Geschäft von E.on bleiben soll.“ Die Aktivitäten vor allem bei modernen Technologien und Energieeffizienz sollten nicht nur erhalten, sondern in Bayern sogar ausgebaut werden, erklärte Zeil. Die Konzernspitze habe zugesagt, dass eine mögliche Umstrukturierung sozialverträglich umgesetzt werde. Zeil vereinbarte nach eigenen Angaben ein Spitzengespräch von Staatsregierung und E.on-Management, das „zeitnah“ stattfinden soll.

Politischer Streit: "Nicht nur eine Schlafmütze, sondern eine Null"

Dessen ungeachtet eskalierte der politische Streit. Der SPD-Wirtschaftspolitiker Thomas Beyer warf Zeil vor, er sei „nicht nur eine Schlafmütze, sondern eine Null“. Er legte Zeil den Rücktritt nahe und warf dem FDP-Politiker vor, den drohenden Arbeitsplatzabbau „tatenlos“ hinzunehmen. „Die Passivität des Wirtschaftsministers wird zum echten Standortrisiko für Bayern.“

Die Landtags-CSU war bislang ebenfalls mit Zeils Einsatz unzufrieden: „"Guten Morgen, Herr Zeil", kann man da nur sagen“, meinte der Münchner CSU-Wirtschaftspolitiker Markus Blume. „Es ist gut, dass sich nun auch der Wirtschaftsminister aufmacht, um für die E.on-Standorte in Bayern zu kämpfen. Aktive Wirtschaftspolitik heißt eben, dass man nicht gleich die weiße Fahne hisst.“

Die Landtags-FDP kritisierte ihrerseits die SPD: „Was die Mitarbeiter von E.on Energie am wenigsten brauchen können, sind die Krokodilstränen des SPD-Abgeordneten Thomas Beyer“, erklärte der Parlamentarische Geschäftsführer Tobias Thalhammer. „Gerade der SPD waren doch bei der Einleitung der Energiewende die absehbaren Risiken für Arbeitsplätze in der Energiewirtschaft herzlich egal.“

Weltweit fallen bis zu 11 000 Jobs weg

Der Energiekonzern will weltweit den Abbau von 11 000 Jobs vor allem in der Verwaltung prüfen, gut 6600 davon allein in Deutschland. Im Freistaat arbeiten für E.on mehr als 8000 Menschen, darunter etwa 400 in der Münchner Zentrale der Konzern-Tochter Eon Energie, die wohl geschlossen werden soll. Nach Angaben informierter Kreise spielt dabei auch die Enttäuschung über die Staatsregierung eine Rolle. Die E.on-Spitze habe sich nicht nur über die Energiewende geärgert, sondern auch und vor allem darüber, dass die Brennelementesteuer beibehalten wurde – obwohl Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) versprochen hatte, er wolle für eine Abschaffung der Brennelementesteuer kämpfen.

 

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