Bayern zahlt jedes Jahr Millionen für seine Staatsempfänge
Die zehn teuersten Staatsempfänge in Bayern seit 2024 haben Kosten von fast vier Millionen Euro verursacht. Spitzenreiter war der Empfang für die Helferinnen und Helfer der Hochwasserkatastrophe 2024 mit 1.027.920,48 Euro. Dies geht aus einer Antwort von Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) auf eine Anfrage der SPD im Landtag hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in München vorliegt.
Richard-Wagner-Festspiele liegen auf Rang zwei und drei
Auf Rang zwei und drei rangieren in der Liste die Staatsempfänge zur Eröffnung der Richard-Wagner-Festspiele 2026 und 2025 mit mehr als 590.000 beziehungsweise mehr als 490.000 Euro. Auch die traditionellen Neujahrsempfänge des Ministerpräsidenten finden sich in den Top Ten wieder: 2025 schlugen mehr als 483.000 Euro zu Buche, 2026 mehr als 480.000 und 2024 mehr als 446.000 Euro.
Empfänge als Zeichen besonderer Wertschätzung
"Mit einem Staatsempfang würdigt die Bayerische Staatsregierung Anlässe von landesweiter Bedeutung und bringt den hierzu eingeladenen Persönlichkeiten ihre besondere Wertschätzung entgegen", begründete Herrmann die Durchführung der Empfänge, zu denen regelmäßig Prominente aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Medien und Sport eingeladen werden.
Auch für die Eröffnung der Berliner Auflage des Oktoberfestes 2025 (rund 417.000 Euro) und 2026 (rund 390.000 Euro) gab sich die Staatsregierung überaus großzügig. Abgerundet wird die Liste vom Empfang für die Richard-Wagner-Festspiele 2024 mit mehr als 371.000 Euro und dem Bayerischen Sportpreis 2024 mit mehr als 327.000 Euro.
Massive Kritik von der SPD
"Acht der zehn teuersten Empfänge der Staatsregierung seit 2024 gehen auf das Konto von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und seiner Staatskanzlei. Gespart hat der Ministerpräsident. Nur bei sich selbst nicht: Seine eigenen drei Großempfänge kosten zusammen mehr als im Vorjahr, Bayreuth allein fast 600.000 Euro", sagte der SPD-Abgeordnete Florian von Brunn.
Von Brunn weiter: "Im selben Jahr hat er einer halben Million pflegebedürftiger Menschen in Bayern das Landespflegegeld halbiert. Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die jeden Euro umdrehen müssen - beim Einkauf, bei der Stromrechnung, bei der Pflege ihrer Angehörigen." Gegen einen Empfang für die Helfer der Flutkatastrophe oder für Sportler habe niemand etwas. "Aber Herr Söder muss erklären, warum ausgerechnet beim Schaulaufen auf dem Grünen Hügel in die Vollen gegangen wird."
Staatsregierung hat sich einen Fünf-Prozent-Sparplan auferlegt
Söder hatte in seiner Regierungserklärung im November 2025 angekündigt, wegen der knappen Haushaltslage "fünf Prozent der sächlichen Kosten in den Ministerien und der Staatskanzlei" einsparen zu wollen. Konkret bezog er sich dabei auf Ausgaben für Anzeigen, Empfänge und die Öffentlichkeitsarbeit.
Inwiefern dies in diesem Jahr erfolgreich war, wird sich zeigen. Von Januar bis Ende August summierten sich die Ausgaben für 74 repräsentative Veranstaltungen der Staatskanzlei und der Staatsministerien auf mehr als 3,8 Millionen Euro. Bis zum Jahresende seien 34 weitere Veranstaltungen geplant. Zum Vergleich: 2023 beliefen sich die Gesamtausgaben auf rund fünf Millionen Euro, 2024 waren es rund 5,5 Millionen Euro und 2025 sogar 6,8 Millionen Euro.
Nach Angaben von Herrmann sei die fünfprozentige Einsparung "unmittelbar im Rahmen der Aufstellung des Doppelhaushalts 2026/2027 durch entsprechende Kürzungen bei den Ansätzen für sächliche Verwaltungsaufgaben, selbstverständlich auch seitens der Staatskanzlei" umgesetzt worden.
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