Bartgeier in Bayern: Könige der Alpen

Rund 80 Jahre lang war der Bartgeier aus den bayerischen Gebirgen verschwunden. Jetzt kehrt der imposante Greifvogel zurück - ein neues Buch erzählt seine dramatische Geschichte.
| Leonie Meltzer
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Borstenartige Federn, die ihm über den Schnabel hängen, waren namensgebend für den Bartgeier. Der rote Skleralring im Auge verrät seine Stimmung: Je erregter der Vogel, desto leuchtender ist das Rot.
Hansruedi Weyrich 6 Borstenartige Federn, die ihm über den Schnabel hängen, waren namensgebend für den Bartgeier. Der rote Skleralring im Auge verrät seine Stimmung: Je erregter der Vogel, desto leuchtender ist das Rot.
Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,90 Metern ist der größte Vogel der Alpen ein majestätischer Anblick. Doch weder seine Größe noch sein Gewicht von bis zu sieben Kilo halten ihn von akrobatischen Flugspielen ab.
Hansruedi Weyrich 6 Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,90 Metern ist der größte Vogel der Alpen ein majestätischer Anblick. Doch weder seine Größe noch sein Gewicht von bis zu sieben Kilo halten ihn von akrobatischen Flugspielen ab.
Zwist: Ein erwachsener Bartgeier (r.) streitet sich mit einem Jungvogel, der noch ein schwarzes Federkleid trägt.
Hansruedi Weyrich 6 Zwist: Ein erwachsener Bartgeier (r.) streitet sich mit einem Jungvogel, der noch ein schwarzes Federkleid trägt.
Zwei Junggeier-Weibchen sitzen in einer Auswilderungsnische im Calfeisental in der Schweiz - ihr erster Tag im Freien nach der Aufzucht.
Hansruedi Weyrich 6 Zwei Junggeier-Weibchen sitzen in einer Auswilderungsnische im Calfeisental in der Schweiz - ihr erster Tag im Freien nach der Aufzucht.
Sanfter Knochenbrecher: Lange war der Bartgeier als stehlender "Lämmergeier" gefürchtet und wurde deshalb gejagt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war er im ganzen Alpenraum ausgerottet. Dabei ist der große Vogel ein nützlicher Resteverwerter, da er sich fast ausschließlich von Aas ernährt. Am liebsten frisst er Knochen.
Hansruedi Weyrich 6 Sanfter Knochenbrecher: Lange war der Bartgeier als stehlender "Lämmergeier" gefürchtet und wurde deshalb gejagt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war er im ganzen Alpenraum ausgerottet. Dabei ist der große Vogel ein nützlicher Resteverwerter, da er sich fast ausschließlich von Aas ernährt. Am liebsten frisst er Knochen.
Das Buch: "Der Bartgeier - seine erfolgreiche Wiederansiedlung in den Alpen"
Haupt-Verlag 6 Das Buch: "Der Bartgeier - seine erfolgreiche Wiederansiedlung in den Alpen"

Am Donnerstag ist es erstmals so weit: Zwei Bartgeierküken aus spanischer Zucht werden im Nationalpark Berchtesgaden ausgewildert. Gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) beteiligt der Nationalpark sich damit an einem internationalen Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen. Für Naturschützer ein geradezu historisches Ereignis - 80 Jahre lang flog keiner der Greifvögel mehr in den bayerischen Gebirgen. Wie es zur Ausrottung kam, zeigt das neue Buch "Der Bartgeier".

Der Bartgeier ist zurück in den Alpen

In der Monografie stellen Zoologe Hansjakob Baumgartner, der Geschäftsführer der Stiftung "Pro Bartgeier" Daniel Hegglin und Franziska Lörcher, Leiterin der Auswilderung in der Schweiz, den imposanten Greifvogel vor. Naturfotograf Hansruedi Weyrich liefert beeindruckende Aufnahmen.

Das Buch vermittelt Hintergrundwissen: von Biografie und Verhalten des Greifvogels über Gefahren bis hin zur Geschichte seiner Wiederansiedlung, die Naturschützer seit den 1970er Jahren versuchen. Heute sind alpenweit wieder 52 Brutterritorien bekannt.

Der Bartgeier ist eine geschütze Art

"Der Bartgeier gehört in die Alpen wie der Steinbock oder das Rotwild", erzählt Hansruedi Weyrich der AZ. Als eine auf der Roten Liste stehende, geschützte Art sei es wichtig, sie wieder in ihrer Heimat zu verbreiten.

Der Bartgeier hat eine spezielle Aufgabe in der Nahrungskette: Er frisst die Reste von Kadavern, seine Leibspeise sind Knochen von Steinböcken, Gämsen oder Rothirschen. Auch die Überreste eines Fuchses oder Schafes verschmähe der Bartgeier nicht, sagt Weyrich. Früher war der Vogel als "Lämmergeier" und "Kinderfresser" gefürchtet - "klassische Fake News", erklärt der Naturfotograf.

Lesen Sie auch



Auch heute noch hat der Bartgeier mit Gefahren zu kämpfen: "Der Faktor Mensch" mit seinen Drohnen etwa, Stromleitungen, Giftköder und Wilderei machen ihm zu schaffen, so Weyrich. Gerade in der Brutphase seien die Tiere extrem empfindlich. "Jeder Vogel ist ein Verlust" - umso mehr freue sich Weyrich auf die Auswilderung der spanischen Küken in Berchtesgaden. Hansruedi Weyrich, Hansjakob Baumgartner, Daniel Hegglin, Franziska Lörcher: "Der Bartgeier - seine erfolgreiche Wiederansiedlung in den Alpen", Haupt-Verlag, 48 Euro.

  • Themen:
Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren