160 Tiere verhungert und verwest: Der Horror-Hof des Thomas S.

Qualen von entsetzlichem Ausmaß haben die Tiere leiden müssen, die nun in Franken gefunden worden sind. Daran lassen die Ermittlungen keinen Zweifel. Warum hat niemand etwas bemerkt?
| Helmut Reister
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Welchem Leid die Tiere hier wie lange ausgesetzt waren, muss nun ermittelt werden.
Welchem Leid die Tiere hier wie lange ausgesetzt waren, muss nun ermittelt werden. © picture alliance/dpa

Rothenburg ob der Tauber - Der Polizei, die am Pfingstwochenende von einem anonymen Hinweisgeber über die Zustände auf einem Mastbetrieb in Mittelfranken informiert worden war, boten sich dort schockierende Bilder - wie schlimm es dort auf dem Hof nahe Rothenburg ob der Tauber war, wird jetzt erst bekannt.

160 Rinder verendeten in dem Stall

Überall im Stall lagen tote Rinder, halb oder schon ganz verwest, zum Teil nur noch die Knochen. 160 verhungerte und verdurstete Tiere zählte das Veterinäramt. Dazwischen lagen oder standen die übrigen 57 Tiere, viele völlig apathisch, andere hochaggressiv.

Mehr als ein Dutzend von ihnen musste gleich getötet werden. "Die Restherde im Umfang von 39 Tieren", so Fabian Hähnlein vom Landratsamt Ansbach, "wurde mit Hilfe eines Viehhandelsunternehmens aufgelöst und geschlachtet".

Den Landwirt erwartet ein Tierhaltungsverbot

Das Veterinäramt will dem Landratsamt-Sprecher zufolge gegen den Landwirt und weitere Mitarbeiter ein Tierhaltung- und Betreuungsverbot verhängen.

Gegen den Züchter ermittelt außerdem die Staatsanwaltschaft Ansbach wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. Das bestätigt Behördenchef Michael Schrotberger.

Ebenfalls nach Angaben des Landratsamtes wurde der Betrieb von Thomas S., der in seiner Heimatgemeinde angesehen ist und im Gemeinderat sitzt, zum letzten Mal im Jahr 2018 vom Veterinäramt in Augenschein genommen.

Die Tiere wurden vermutlich über Jahre nicht versorgt

Damals habe es keine Beanstandungen gegeben. Welche Gründe danach für den Absturz des Landwirts verantwortlich waren, ist Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen.

Fest steht bisher, dass Thomas S. die Tiere über einen sehr langen Zeitraum unversorgt ließ, möglicherweise über Jahre. Unklar bleibt auch, warum keiner die Qualen der Tiere bemerkt hatte - oder dagegen etwas unternahm. Bis jetzt.

Die Tiere mussten die Holzwand fressen

Das Leid der Tiere lässt sich nur erahnen. Einen Hinweis auf die Dimension des Dramas liefern aber Löcher in der Holzwand des Stallgebäudes. Die hungerenden Tiere haben sie hineingefressen, sind die Ermittler überzeugt. Auch andere Holzteile haben Biss-Spuren.

Mehrere Tiere, die überlebt hatten, wurden von den Ermittlern zunächst für Jungtiere gehalten. Danach stellte sich heraus, dass es drei, vier Jahre alte "erwachsene" Rinder im Zwergenformat waren - eine Folge der Mangelernährung.

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Diese Tiere hätten auch besonders aggressiv reagiert, erklärte Fabian Hähnlein vom Landratsamt. Landwirt Thomas S. befindet sich derzeit im Bezirkskrankenhaus Ansbach - wegen Alkoholproblemen. War das die Ursache?

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