Bartgeier in Bayern: Könige der Alpen

Rund 80 Jahre lang war der Bartgeier aus den bayerischen Gebirgen verschwunden. Jetzt kehrt der imposante Greifvogel zurück - ein neues Buch erzählt seine dramatische Geschichte.
von  Leonie Fuchs
Borstenartige Federn, die ihm über den Schnabel hängen, waren namensgebend für den Bartgeier. Der rote Skleralring im Auge verrät seine Stimmung: Je erregter der Vogel, desto leuchtender ist das Rot.
Borstenartige Federn, die ihm über den Schnabel hängen, waren namensgebend für den Bartgeier. Der rote Skleralring im Auge verrät seine Stimmung: Je erregter der Vogel, desto leuchtender ist das Rot. © Hansruedi Weyrich

Am Donnerstag ist es erstmals so weit: Zwei Bartgeierküken aus spanischer Zucht werden im Nationalpark Berchtesgaden ausgewildert. Gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) beteiligt der Nationalpark sich damit an einem internationalen Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen. Für Naturschützer ein geradezu historisches Ereignis - 80 Jahre lang flog keiner der Greifvögel mehr in den bayerischen Gebirgen. Wie es zur Ausrottung kam, zeigt das neue Buch "Der Bartgeier".

Der Bartgeier ist zurück in den Alpen

In der Monografie stellen Zoologe Hansjakob Baumgartner, der Geschäftsführer der Stiftung "Pro Bartgeier" Daniel Hegglin und Franziska Lörcher, Leiterin der Auswilderung in der Schweiz, den imposanten Greifvogel vor. Naturfotograf Hansruedi Weyrich liefert beeindruckende Aufnahmen.

Das Buch vermittelt Hintergrundwissen: von Biografie und Verhalten des Greifvogels über Gefahren bis hin zur Geschichte seiner Wiederansiedlung, die Naturschützer seit den 1970er Jahren versuchen. Heute sind alpenweit wieder 52 Brutterritorien bekannt.

Der Bartgeier ist eine geschütze Art

"Der Bartgeier gehört in die Alpen wie der Steinbock oder das Rotwild", erzählt Hansruedi Weyrich der AZ. Als eine auf der Roten Liste stehende, geschützte Art sei es wichtig, sie wieder in ihrer Heimat zu verbreiten.

Der Bartgeier hat eine spezielle Aufgabe in der Nahrungskette: Er frisst die Reste von Kadavern, seine Leibspeise sind Knochen von Steinböcken, Gämsen oder Rothirschen. Auch die Überreste eines Fuchses oder Schafes verschmähe der Bartgeier nicht, sagt Weyrich. Früher war der Vogel als "Lämmergeier" und "Kinderfresser" gefürchtet - "klassische Fake News", erklärt der Naturfotograf.



Auch heute noch hat der Bartgeier mit Gefahren zu kämpfen: "Der Faktor Mensch" mit seinen Drohnen etwa, Stromleitungen, Giftköder und Wilderei machen ihm zu schaffen, so Weyrich. Gerade in der Brutphase seien die Tiere extrem empfindlich. "Jeder Vogel ist ein Verlust" - umso mehr freue sich Weyrich auf die Auswilderung der spanischen Küken in Berchtesgaden. Hansruedi Weyrich, Hansjakob Baumgartner, Daniel Hegglin, Franziska Lörcher: "Der Bartgeier - seine erfolgreiche Wiederansiedlung in den Alpen", Haupt-Verlag, 48 Euro.