Aiwanger spricht von "Vollbremsung" für Erneuerbare: Pläne von Ministerin Reiche in der Kritik

Die Wirtschaftsministerin will die Betreiber von Wind- und Photovoltaik-Anlagen an den Kosten für die Netzprobleme beteiligen – und so den Strompreis senken. Bedenken kommen von mehreren Seiten.
AZ/ dpa |
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Während Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei jeder Gelegenheit, die Werbetrommel für Mini-Atommeiler dreht, ist sein eigener Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) skeptisch und setzt verstärkt auf erneuerbare Energien. Von Berlin wird letzteres jetzt ausgebremst. (Archivbild)
Während Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei jeder Gelegenheit, die Werbetrommel für Mini-Atommeiler dreht, ist sein eigener Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) skeptisch und setzt verstärkt auf erneuerbare Energien. Von Berlin wird letzteres jetzt ausgebremst. (Archivbild) © Armin Weigel/dpa

Die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zur Zukunft der Erneuerbaren Energien stoßen auf massive Kritik in Bayern. "Sollten die derzeitigen Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums umgesetzt werden, wird es in weiten Teilen Bayerns keine neuen Investitionen in Wind- und Solarparks mehr geben", sagte der Fraktionschef der CSU im bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, auf dpa-Anfrage. "Damit wird unsere Politik der vergangenen Jahre konterkariert." 

Aiwanger spricht von "Vollbremsung"

Zuvor hatte bereits Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) im Bayerischen Rundfunk Reiches Pläne heftig kritisiert. Die Ministerin lege bei den Erneuerbaren Energien eine "Vollbremsung" hin, sagte Aiwanger. Auch die Bayern-SPD schlägt Alarm. "Die Pläne von Ministerin Reiche sind brandgefährlich für den Klimaschutz und werden die Energiekosten im Freistaat nicht senken, sondern dramatisch erhöhen", sagte der SPD-Politiker Florian von Brunn.

Reiche plant bei der Energiewende Reformen, um Kosten zu sparen. Sie will den Ausbau der erneuerbaren Energien besser an den Ausbau der Stromnetze anpassen. Die Netze sind in Deutschland vielerorts marode, der Ausbau verläuft schleppend. Sie plant außerdem, die Förderung für neue, kleine Solaranlagen zu streichen. 

In Bayern befürchtet die Politik, dass der Ausbau Erneuerbarer Energien durch die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zum Erliegen kommen könnte (Archivbild)
In Bayern befürchtet die Politik, dass der Ausbau Erneuerbarer Energien durch die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zum Erliegen kommen könnte (Archivbild) © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Hausgemachtes Problem

Das Problem in Bayern ist aber zum Teil hausgemacht: Noch immer fehlen zwei große Stromtrassen von Nord- nach Süd, deren zunächst für 2022 geplante Fertigstellung auch wegen bayerischer Widerstände bis mindestens nächstes Jahr verzögert ist. Die bayerische Stromproduktion ist zudem seit 2012 um ein Drittel auf etwa 60 Terawattstunden im Jahr gesunken – verbraucht werden im Freistaat aber 80 Terrawattstunden.

Da die zwei großen Stromtrassen nach wie vor fehlen und auch der Ausbau der regionalen Stromnetze mit dem Solarausbau nicht Schritt gehalten hat, kommt es in Bayern häufig zu Netzengpässen. Die bundesweiten Kosten des Netzengpassmanagements beliefen sich nach Daten der Bundesnetzagentur 2025 auf über drei Milliarden Euro. Diesen beiden Problemen will Reiche nun begegnen, indem sie etwa die Erneuerbaren an den Netzregulierungskosten beteiligen und Vergütungen für Abschaltungen zum Schutz vor Netzüberlastungen streichen will.

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  • Wolff vor einer Stunde / Bewertung:

    Was nutzen Erzeugungskapazitäten, wenn die Netze fehlen? Gar nichts. Das ganze Gejammer ist die pure Heuchelei. Es offenbart sich nur immer weiter die Unfähigkeit der Politik, Dinge vernünftig strategisch zu planen und umzusetzen.

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  • tutnixzursache vor einer Stunde / Bewertung:

    hätte man ihr nicht einfach das Verkehrsministerium geben können?

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  • Mobilitätsfreund vor 22 Minuten / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von tutnixzursache

    Blöde Idee. Dann hätte sie bei Tram, Bus und Eisenbahnnetz die Oberleitung verboten und alles wieder auf Diesel und Gasantrieb umgestellt.
    Dann doch einen Grünen nehmen, der mehr gelernt hätte als nur Fossilenergielobbyismus sich mit den Verkehrswissenschaften auskennt.

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