Zensurvorwurf beim BR: Der Zoff geht weiter

Nach der Aufregung um den Kabarettisten Martin Puntigam. Zensur oder Zeitmangel? Eine richtige Antwort gibt der BR in dieser Frage nicht. Jetzt meldet sich die Agentin Puntigams zu Wort.
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Martin Puntigam im Vereinsheim in Schwabing. Wer seinen Auftritt unzensiert sehen will, muss im April nochmal ins Lustspielhaus.
BR Martin Puntigam im Vereinsheim in Schwabing. Wer seinen Auftritt unzensiert sehen will, muss im April nochmal ins Lustspielhaus.

Nach der Aufregung um den Kabarettisten Martin Puntigam. Zensur oder Zeitmangel? Eine richtige Antwort gibt der BR in dieser Frage nicht. Jetzt meldet sich die Agentin Puntigams zu Wort und sagt, was der BR falsch wiedergeben würde.

MÜNCHEN - Die Agentin von Martin Puntigam, Ruth Oppl, ärgert sich maßlos über den BR: „Der Sender versucht sich durchzumauscheln“, sagt sie. So seien die Änderungen am Textanfang und -ende zwar mit ihr besprochen worden. Zugestimmt habe sie aber nur, weil sie um „die Empfindlichkeiten in Sachen Religion“ wisse und der Sketch sonst wahrscheinlich gar nicht gesendet worden wäre.

„Nicht mit mir abgesprochen war jedoch der Schnitt bei der faktisch richtigen Sachverhaltsdarstellung, dass in katholisch geführten Kliniken vergewaltigten Frauen die medizinische Erstversorgung versagt wurde.“ Diese Sachverhaltsdarstellung koste maximal drei Sekunden Zeit, verletze keine religiösen Gefühle, sondern sei einfach nur eine unbequeme Wahrheit.

Fakt sei auch, dass am Montag die ungekürzte Version von Martin Puntigams Auftritt im Vereinsheim nicht online stand. Erst am Abend stellte der BR den ganzen Sketch auf seine Homepage, so Oppl.

Die ganze Stellungnahme von Puntigams Agentin können Sie in voller Länger auf der nächsten Unterseite lesen. Zur Stellungnahme des BR geht's hier.


 

Ruth Oppl:

"Wahr ist, dass OB Udes Wutbürgerrede, die gute zehn Minuten in Anspruch nahm, nicht eingeplant war und bei den Künstlern eingespart werden musste. Dass jetzt ausgerechnet die Kürzungen dieses Auftritts (auf drei Min.) als Beispiel für andere "Künstler" gilt, die noch stärker geschnitten werden mussten als Martin Puntigam, halte ich für einen besonders komischen Witz, zu dem ich dem BR gerne gratuliere.

Falsch ist, dass Martin Puntigams ungeschnittene Nummer auf der Homepage des BR zu sehen war. Das ist sie seit Montag Abend. Stattdessen war auf der Homepage als einziger mit seiner vollständigen "Nummer" OB Ude mit seiner restlichen Wutbürgerrede online.

Sowohl richtig als auch falsch ist, dass die Änderungen mit mir besprochen waren. Als Agentin der Science Busters, die eine eigene Fernsehsendung im ORF haben (ein Sender der ebenso wie der BR den Schutz der religiösen Gefühle in seinem Rundfunkgesetz verankert hat), kenne ich das Prozedere der Abnahmen und Empfindlichkeiten in Sachen Religion. Deshalb habe ich den Schnitten zugestimmt, denen der Beginn der Szene und die Messkofferpräsentation unterlegen sind. Bei beiden Szenen handelt es sich um eine Persiflage des Gottesdienstes und dass es dort zu Empfindlichkeiten kommen kann verwunderte mich nicht.

Nicht mit mir abgesprochen war jedoch der Schnitt bei der faktisch richtigen Sachverhaltsdarstellung, dass in katholisch geführten Kliniken vergewaltigten Frauen die medizinische Erstversorgung versagt wurde. Diese Sachverhaltsdarstellung kostet maximal 3 Sekunden Zeit, verletzt keine religiösen Gefühle, sondern ist einfach nur eine unbequeme Wahrheit."

 

 

 

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