"Westerwelle": Spannende Doku zum 10. Todestag von Guido Westerwelle

Zum 10. Todestag von Guido Westerwelle zeigt das Erste eine interessante Doku über den früheren Außenminister und Vizekanzler - mit unveröffentlichten Tonaufnahmen, in denen er nach seiner Leukämiediagnose auf sein Leben zurückblickt. Für rührende Szenen sorgt Lebensgefährte Michael Mronz.
(ili/spot) |
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"Westerwelle": Guido Westerwelle (l.) mit Ehemann Michael Mronz im Jahr 2007.
"Westerwelle": Guido Westerwelle (l.) mit Ehemann Michael Mronz im Jahr 2007. © WDR/AFP/Christof Stache

"Jahrzehntelang war ich ein Starker, und plötzlich bin ich ein ganz Schwacher." Dieser Satz, den Guido Westerwelle (1961-2016) im Jahr 2015 über seine Leukämieerkrankung sagte, klingt nach. Zehn Jahre nach seinem Tod erinnert das Erste nun mit einem Dokumentarfilm an einen der schillerndsten Politiker der Bundesrepublik. "Westerwelle" wird am Montag, 9. März, ab 22:45 Uhr ausgestrahlt und ist ab demselben Tag in der ARD-Mediathek abrufbar.

Der Film des Regisseurs Jobst Knigge, produziert von der Open Minds Media GmbH, ist dabei mehr als eine bloße politische Rückschau. Im Zentrum stehen bislang unveröffentlichte Tonbandaufnahmen, in denen Westerwelle nach seiner Krebsdiagnose stundenlang mit dem Journalisten und Buchautor Dominik Wichmann gesprochen hatte. Wichmann hatte 2015 gemeinsam mit Westerwelle das Buch "Zwischen zwei Leben" veröffentlicht - aus jenen Gesprächen, die damals rund vier Stunden Audiomaterial ergaben, sind nun erstmals Auszüge öffentlich zu hören.

30 Jahre im Rampenlicht

Guido Westerwelle prägte über drei Jahrzehnte hinweg den Übergang von der Bonner zur Berliner Republik mit: als Oppositionsführer, Vizekanzler und Außenminister, als pointierter Redner und taktischer Stratege. Seinen größten Triumph erlebte die FDP unter seiner Führung bei der Bundestagswahl 2009, als die Liberalen mit fast 15 Prozent ihr historisch bestes Ergebnis einfuhren. Dass er den anschließenden Niedergang seiner Partei nicht aufhalten konnte, gehört zu den Widersprüchen einer politischen Karriere, die selten eindeutig war.

Die Dokumentation beleuchtet diese Ambivalenz: Westerwelle als streitbare, oft polarisierende Figur - und zugleich als einen Menschen, der in seinen letzten Jahren eine unerwartete persönliche Tiefe zeigte. Weggefährten und Kontrahenten kommen gleichermaßen zu Wort: Michael Mronz, Wolfgang Kubicki, Christian Lindner, Philipp Rösler, Daniel Bahr, Silvana Koch-Mehrin, Renate Künast, Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Klaus Wowereit, um nur einige zu nennen. Ergänzt wird dies durch umfangreiches Archivmaterial, teils ebenfalls bislang nicht öffentlich gezeigt.

Coming-out ohne großes Aufheben

Neben dem Politischen widmet sich der Film auch einem Kapitel, das weit über die FDP hinaus Spuren hinterlassen hat: Westerwelles öffentlicher Umgang mit seiner Homosexualität. Bereits 1997 wurde er in einem einschlägigen Nachschlagewerk ohne Widerspruch als schwul geführt. Ab 2003 lebte er mit dem Sportmanager Michael Mronz (59) zusammen, im September 2010 schlossen die beiden in Bonn eine Lebenspartnerschaft. Als erster offen homosexueller Außenminister Deutschlands schrieb er Geschichte - ohne seine sexuelle Orientierung je zum politischen Programm zu machen. Das war damals, kurz nach den Coming-outs von Klaus Wowereit (2001) und Ole von Beust (2003), noch alles andere als selbstverständlich.

Seine Offenheit veränderte etwas im gesellschaftlichen Diskurs - subtil, aber nachhaltig. Ähnliches gilt für seinen Umgang mit der Krankheit: Als Westerwelle 2015 seine Leukämiediagnose öffentlich machte, motivierte er damit viele Menschen zur Stammzellspende.

Am Ende nur noch der Mensch

In den Tonaufnahmen, die nun erstmals ein breites Publikum erreichen, blickt Westerwelle auf politische Weichenstellungen zurück, benennt persönliche Brüche und beschreibt innere Wandlungsprozesse - jene Transformation, die schwere Krankheit manchmal erzwingt. Wer ihn nur als den kantigen Machtpolitiker kannte, dürfte überrascht sein.

Am 18. März 2016 starb Guido Westerwelle im Alter von 54 Jahren im Universitätsklinikum Köln - an Komplikationen nach einer Knochenmarkstransplantation.

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