Tatort-Dreh zu Corona-Zeiten: Zwischen Stress und Dankbarkeit

Die Dreharbeiten des Münchner Tatorts "Kehraus" laufen unter Corona-Vorgaben. Christine Hartmann, die Regisseurin, erzählt der AZ, was das für die Filmleute bedeutet.
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Udo Wachtveitl (v.l.), Christine Hartmann, Nina Proll und Miroslav Nemec sind beim Tatort "Kehraus" als Protagonisten an Bord.
Udo Wachtveitl (v.l.), Christine Hartmann, Nina Proll und Miroslav Nemec sind beim Tatort "Kehraus" als Protagonisten an Bord. © BR/Lieblingsfilm GmbH/Zeno Kuhn

München - Schon beim Drehstart ist alles anders. Normalerweise werden Filmarbeiten mit einem großen Warm-up eingeleitet, bei dem sich Darsteller und Team besser kennenlernen. Der muss beim aktuellen Tatort-Dreh in München ausfallen, wie auch die üblichen Schnaps-Klappen zwischendurch und das Abschlussfest.

Coronamaßnahme: Weniger Leute am Tatort-Set

"Insgesamt bleiben die Dreharbeiten viel anonymer als sonst", beschreibt Christine Hartmann die Stimmung. Es sind weniger Leute am Set als normalerweise. Es wird stark darauf geachtet, wer genau am Set sein darf. Auch das gemeinsame Mittagessen findet nicht statt. Jeder isst einzeln hinter einer Trennwand.

Dafür gibt es dieses Mal ein neues Teammitglied. Mit Lucie Lechner ist jetzt eine gelernte Krankenschwester als Hygienebeauftragte am Set. Sie kümmert sich um die Masken, Abstandsregeln und die regelmäßige Desinfektion von Requisiten. Jeder Drehtag beginnt morgens erst mal mit Fiebermessen.

Die Regisseurin (l.) beim Fiebermessen mit Hygiene-Frau Lucie Lechner.
Die Regisseurin (l.) beim Fiebermessen mit Hygiene-Frau Lucie Lechner. © BR/Lieblingsfilm GmbH/Zeno Kuhn

Das komplette Team wird einmal pro Woche auf Covid-19 getestet, Darsteller und Regie sogar zwei Mal wöchentlich. Bei Szenen mit Körperkontakt ist vorher ein Schnelltest fällig. Die Maskenpflicht gilt für alle, außer vor der Kamera. "Am härtesten ist es für die Leute am Set, die körperlich arbeiten müssen, wie etwa Beleuchter oder die Kameraabteilung. Die müssen richtig körperlich arbeiten und kommen unter ihren Masken ganz schön ins Schwitzen", erzählt Hartmann.

Masken hinter der Kamera Pflicht, vor der Kamera tabu

Auch der Filmdreh selbst ist aufwendiger als sonst. Wie immer werden einige Szenen auch an öffentlichen Plätzen gedreht. Passanten, die durchs Bild laufen, dürfen normalerweise gezeigt werden. "Aber nicht mit Maske" erklärt Hartmann und weiter: "Corona ist im Drehbuch nicht thematisiert." Das heißt, sobald ein Maskenmensch durchs Bild läuft, muss die Aufnahme wiederholt werden. "Wir drehen quasi historisch", sagt die Regisseurin und lacht. Auch einige Szenen mussten wegen der neuen Bestimmungen umgeschrieben werden.

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Trotzdem ist die Stimmung am Set insgesamt gut. Jeder hält sich diszipliniert an die Regeln und ist dankbar und froh, arbeiten zu dürfen. Immerhin stand die Filmbranche in den vergangenen Monaten so gut wie still. Aber sobald ein Mitarbeiter an Covid-19 erkrankt, müssen die Dreharbeiten unterbrochen werden. "Das hatten wir zum Glück bis jetzt nicht. Aber jeden Abend ist da diese Angst, dass jemand positiv sein könnte", sagt Hartmann.

Ein Schmankerl: Die Roy-Bar hat einen Auftritt im Tatort

Genaueres zu den Szenen darf die Regisseurin nicht verraten. Die Folge mit dem Titel "Kehraus" spielt im Münchner Fasching und es wird seit Langem mal wieder richtig bayerisch gesprochen. Die Geschichte beschreibt Hartmann als tragik-komisch mit einigen lustigen Szenen in Helmut-Dietl-Manier.

Besonders freuen dürfen sich die Fans der kürzlich geschlossenen Roy-Bar am Sendlinger Tor. Dort wurden nämlich die Szenen rund um die Wirtin Irmi (Johanna Bittenbinder) und "Irmis Stüberl" gedreht. Neben den Kommissaren Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) spielen unter anderen auch Nina Proll und Monika Gruber. Ausgestrahlt wird die Folge voraussichtlich 2022.

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