Game of Thrones: Die Kritik zum Finale der Siebten Staffel

Sorry, Sansa! Ach, Jaime! Und: Wow, Jon - oder wie auch immer. Die Nachtkritik zur letzten Folge der siebten Staffel.
| Anja Perkuhn
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"Na gut, kämpfen wir eben zusammen", sagt Cersei Lannister - Hand hoch, wer ihr das abnimmt! Selbst dem ewigtreuen Bruder/Liebhaber scheint's schwerzufallen
"Na gut, kämpfen wir eben zusammen", sagt Cersei Lannister - Hand hoch, wer ihr das abnimmt! Selbst dem ewigtreuen Bruder/Liebhaber scheint's schwerzufallen © HBO

Sorry, Sansa! Ach, Jaime! Und: Wow, Jon – oder wie auch immer. Die Nachtkritik zur letzten Folge der siebten Staffel.


Vorsicht, Spoiler: Dieser Text enthält kaum bis gar nicht verschleierte Hinweise auf den Inhalt der aktuellen Folge von "Game of Thrones". Wenn Sie "Der Drache und der Wolf" noch nicht gesehen haben und nichts verraten bekommen möchten, sollten Sie den Artikel später lesen. Die siebte GoT-Staffel wird parallel zur US-Ausstrahlung immer in der Nacht auf Montag in Deutschland auf Sky On Demand, Sky Go und Sky Online veröffentlicht. Wahlweise stehen das englische Original und die deutsche Synchronisation zur Verfügung. Im Fernsehen laufen die Folge der neuen Staffel immer montags um 21 Uhr auf Sky Atlantic.


Was ist passiert?

Bevor irgendjemand jetzt wieder von Eiszombie-Drachen anfängt oder von einstürzenden Altbauten (Mauern) oder von inzestuösem Geknutsche zwischen Tanten und Neffen, ganz wichtig: Sorry, my Lady Sansa Stark – es war verständlich aber unangemessen, nach der vorigen Folge Eure Klugheit und Umsicht in Zweifel zu ziehen.

Wobei: Petyr "Littlefinger" Baelish (Aiden Gillen) dachte ja auch, er hätte alles begriffen und im Hause Stark die Oberhand, weil er die Schwestern Sansa (Sophie Turner) und Arya (Maisie Williams) dazu gebracht hat, sich gegenseitig zu misstrauen. "Du bist des Mordes angeklagt", sagt Sansa, nachdem sie Arya in die Goße Halle gerufen hat, und Aryas Gesicht versteinert, "du bist des Verrats angeklagt." Littlefinger, wie immer im Halbschatten lauernd grinst selbstzufrieden – doch der Satz geht weiter und Sansas Blick schwenkt um zu ihm: "...wie verteidigt Ihr Euch, Lord Baelish?"

Er stammelt, er winselt, er kniefällt und er behauptet auch, alles wäre anders gewesen, war ja schließlich niemand dabei – dann meldet sich aber der dritte Stark, Three-Eyes-Raven und Winterfells burgeigener Rain Man Bran, mit einer sanften Erinnerung daran, dass eben doch jemand alles mitbekommen hat. Und niemand möchte Gewalt verherrlichen, schon gar nicht als Reaktion auf Gewalt, aber: Zumindest in einer Münchner Wohnung ertönte lauter Jubel, als Arya die Kehle des Manipulationsmeisters mit dessen eigenem Dolch bearbeitete und sich dieses Thema damit endlich erledigt hatte.

Geheimnis um Jon Snow gelüftet

So, und nun zu den anders wichtigen Geschehnissen: Heiliger Scheiß! Endlich ist es raus! Jon Snow (Kit Harington) ist nicht Jon Snow, sondern Jon Sand. Ach nein, doch anders: Jon Targaryen. Oder nein: Aegon Targaryen! Mit wunderbarem Timing – nämlich während Jon sich traut, an die Schlafzimmertür von Daenerys Targaryen zu klopfen – puzzeln Alleswisser Bran und Allesleser Sam Tarly zusammen, was GoT-Fans schon länger vermuteten.

Jon ist nicht der Bastard von Ned Stark – er ist in Dorne geboren, darum müsste er "Jon Sand" heißen, denn im Süden von Westeros werden die unehelichen Kinder der Region nicht mit dem Zunamen "Snow" bedacht, sondern eben mit "Sand". Allerdings hat Gilly ja gerade erst nebenher aus einem Buch vorgelesen, dass es offenbar eine Annullierung der Ehe von Prinz Rhaegar und seiner Frau gab und eine geheime Hochzeit zwischen ihm und Lyanna Stark, also nix Bastard. Und dann bestätigt auch noch die zweite unabhängige Quelle, nämlich Bran: Auf dem Totenbett übergab Lyanna kurz vor ihrem Tod den kleinen Jon an ihren Bruder Ned Stark – mit dem Hinweis, er heiße übrigens Aegon (Ja, wie der Mad King) und sei ein Targaryen.

Jon ist der rechtmäßige Thronfolger in Westeros, so das Fazit von Bran. Aber als er das endlich mal laut ausspricht, sehen wir gerade Jons nackten in die Luft gereckten Po und eine silberhaarige Khaleesi ­- immerhin damit seine Tante - die darunter liegt und versucht, Haarknötchen zu vermeiden. Es gibt nämlich auch etwas zu Feiern! Immerhin hat die zusammengewürfelte Abordnung vom "Team Atmen" es mit einem Eiszombie im Gepäck bis nach King’s Landing geschafft, sich mit den Lannisters und damit auch Königin Cersei (Lena Headey) getroffen und es geschafft, dass Cersei ihnen angesichts des verrottenden und geifernden Beweises glaubt, dass aus dem Norden eine riesige Bedrohung herankommt.

Fast hätte der neue Aegon Targaryaen es mit seiner Jon-Snowighaftigkeit versaut – die Königin der kalten Herzen bietet eine Zusammenarbeit an, wenn Jon ihr die Treue schwört und er lehnt dankend ab mit "Ich hab schon eine Königin" – aber am Ende sieht Cersei ein, dass zuerst der gemeinsame Feind bekämpft werden muss.

"Die Monster sollen sich alle gegenseitig umbringen"

Na, Hand hoch: Wer hat ihr geglaubt? Ziemlich wahrscheinlich niemand, abgesehen von – wieder mal – ihrem ewigloyalen Bruder/Liebhaber Jaime (Nikolaj Coster-Waldau). Der fällt aus allen Wolken, als sie später in ein steriles Königin-der-Nacht-Kostüm gewandet nur kurz den Mund verzieht und verkündet: Alles gelogen gewesen. "Da geht es nicht um Adelshäuser, da geht es um die Toten und die Lebenden!" Drachen, White Walkers – interessiert Cersei aber auch nur mäßig: "Lass uns die Monster sich einfach alle gegenseitig umbringen lassen." Das ist selbst Jaime zu ignorant und zum wahrscheinlich ersten Mal in seinem Leben packt er physisch und emotional sein Gepäck und reitet vom Hof.

Außerdem gab’s zum Abschluss noch eine Nachhilfestunde in westerosischer Übernatürlichkeits-Physik: Ja, wenn ein Drache stirbt wie in der vergangenen Folge Viserion und der Night King seines Wiedererweckungs-Handbewegung macht, woraufhin der Drache seine eigentlich toten Augen öffnet, dann kann er weiterhin Feuer speien – allerdings kein warmrotes mehr, sondern gasherdflammenblaues. Allerdings ist die unerheblich für den Fakt, dass ebendieser Drache, vom Night King zur beschützenden Mauer im Norden des Landes geritten, mit seinen Flammen die Mauer zum Einsturz bringen kann.

Jawohl: Die monströs große Eismauer, die Westeros und dessen Bewohner vor den Monstrositäten aus dem Hohen Norden beschützen sollte, ist gefallen. Einzige winzige Hoffnung ist nun, dass die tiefgefrorene Zombiearmee weiterhin so langsam unterwegs ist wie in den vergangenen Wochen.

Wer ist in dieser Folge gestorben?

Abgesehen von Littlefinger, der sich seinen Tod aber auch karmamäßig hart erarbeitet hat, indem er immerhin mit seinen Ränkespielen zuerst den Tod von Ned Stark und damit im Grunde die gesamte Umwälzung im Königreich verursachte: die Komplettbesatzung der Night’s Watch an der Mauer – und sehr wahrscheinlich damit auch der Wildling Tormund Giantsbane – noch bevor die ebenfalls riesige Brienne of Tarth sich für ihn erwärmen konnte. Ein Verlust auf so vielen Ebenen!

Wem hätten wir eher den Tod gewünscht?

Ach Cersei. Natürlich entspricht es ihrem Charakter, sich und Jaime und das gemeinsame ungeborene ominöse Kind auf eine Insel zu wünschen, bis der Wahnsinn um die White Walker und ihre Armee vorbei ist, um dann die Herrschaft wieder umso leichter an sich zu reißen. Aber Jaime und damit den einzigen Menschen, dem tatsächlich noch etwas an ihr liegt, mit dem Tod durchs Schwert von Ritter Frankenstein "The Mountain" Gregor Clegane zu bedrohen, das ist selbst für sie eine Nummer zu hart. Es reicht langsam.

Unterm Strich: Mehr Haut oder mehr Blut?

Mehr Blut: Es spritzt und schmiert und steht für die vierhundertsiebzehnte versuchte Wandlung von Theon Greyjoy (Alfie Allen) zu einem Mann mit Integrität. Ihm geht nämlich wieder einmal auf, dass er nicht nur die Familie Stark verraten hat – "Es steht nicht in meiner Macht, dir alle deine Taten zu vergeben", sagt Jon Snow da gewohnt dackeläugig, "aber die, die ich kann, vergebe ich dir" – , sondern auch seine eigene Schwester im Stich gelassen, die der irre Onkel Euron Greyjoy vom gemeinsamen Schlachtschiff entführt und nach King’s Landing geschleppt hat. Das will er jetzt noch nachholen, stellt sich vor den Rest der Männer von den Iron Islands – und holt sich erstmal schlimme Prügel ab.

Allerdings nur so lange, bis sein "Wenn du nochmal aufstehst, dann bringe ich dich um"-Kontrahent ihm zwischen die Beine tritt. Da befindet sich ja aber seit Theons Folterzeit in Ramsay Boltons Spielzimmer ja nichts mehr, das er wirklich treffen könnte – Theon grinst, knockt ihn mit seinem Kopf aus und hat (so einfach geht’s manchmal) nun wieder die Männer auf seiner Seite. Hurra!

Die Poesie der Folge?

So dramatisch der Vorgang eigentlich ist – aber schöner hätten Jon Snow und Sandor "The Hound" Clegane den Eiszombie nicht präsentieren können, als sie es taten, nämlich wie ein Set Steakmesser auf dem Teleshoppingkanal. Sie halbieren das Wesen. Sie hacken ihm einen Arm ab. Jon nimmt den sich windenden Arm in die Hand. "Wir können sie verbrennen", sagt er flugbegleiterbeschwingt, "und wir können sie mit Dragonglass zerstören."

Ähnlich begeistert war höchstens noch Gary Oldman von seiner eigenen Waffenpräsentation in "Das fünfte Element" . Wer da nicht auch mindestens ein Zombie-Dreierpack bestellen will, dessen Herz ist ein Night King.

Der beste Dialog?

Brienne of Tarth und der Hound laufen nebeneinander im Tross – bei ihrem letzten Treffen hatte sie ihn im Kampf besiegt und sterbend zurückgelassen über der Frage, wer Arya Stark beschützen soll. Sich nicht anschauend wie beim ersten Treffen nach einer schlimmen Trennung stolzieren sie.

Brienne bringt ihn auf den neuesten Stand: "Sie ist am Leben."

"Wo?"

"Winterfell."

"Wer beschützt sie, wenn du hier bist?"

"Der einzige, der Schutz braucht, ist derjenige, der sich ihr in den Weg stellt."

"Ich werd’s nicht sein", sagt der Hound.

Kurz lächeln beide stolz – mei, die Kinder werden so schnell groß.

Wer ist dem Iron Throne aktuell am nächsten?

Jon Snow – Verzeihung: Aegon Targaryen, der Sechste seines Namens, der 998. Kommandant der Night’s Watch und König des Nordens, König der Andalen und der ersten Menschen, Herr über die sieben Königslande und Beschützer des Reichs.

And now my watch is ended – zumindest bis zur finalen achten Staffel von "Game of Thrones."

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