Doku über Rassismus im Fußball: Wann endet der weiße Blick?

"Schwarze Adler": Ein Dokumentarfilm über nicht-weiße Fußballerinnen und Fußballer in Deutschland geht in die Tiefe.
| Margret Köhler
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Patrick Owomoyela wurde mit Borussia Dortmund zweimal Meister.
Patrick Owomoyela wurde mit Borussia Dortmund zweimal Meister. © Broadview

Affenlaute von den Zuschauertribünen, Würfe von Bananen auf den Platz, Schmähungen mit dem "N-Wort", Komplimente als "schwarze Perlen" oder "schwarze Bomber".

Thorsten Körner beobachtet in seinem etwas sehr ausgedehnten Projekt über Jahrzehnte Rassismus im und außerhalb des Stadions, erzählt die persönliche Geschichte von schwarzen Männern und Frauen in der Fußball-Nationalmannschaft wie Gerald Asamoah, Cacau oder Patrick Owomoyela, fragt über die Spieler-Generationen hinweg nach ihren Träumen und den Barrieren, die sie überwinden mussten, nach Anfeindungen und Vorurteilen.

Doku von Thorsten Körner: Nicht-weiße Fußballer sprechen offen

Das ambitionierte Unterfangen funktioniert, weil die Fußballerinnen und Fußballer aus verschiedenen Generationen sich nicht in ein ideologisches Korsett pressen lassen und Gefühle zeigen. Sie reden offen über rüde Angriffe, aber auch über zunehmende Unterstützung von Fans und DFB.

Hart war es jedenfalls nicht nur für die ersten schwarzen Nationalspieler Erwin Kostedde und Jimmy Hartwig in den 1970er Jahren, die allein durch ihre Hautfarbe für Neugier auf die "Exoten" sorgten und Aggression herausforderten. Galt der Fußball mit dem "schwarzen Adler" auf dem Trikot doch als "urdeutsches" Terrain und weißer Volkssport. Da tönte es schon mal "Husch husch husch, Neger in den Busch" von der Tribüne.

Beispiele Asamoah, Cacau oder Boateng

Körners Gesprächspartner verstehen sich als "Afrodeutsche", "Schwarze" oder "Besatzungskinder" und erzählen, wie der "weiße" Blick ihre Existenz prägte.

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Auch heute bekannte Spieler wie der Ghanaer Gerald Asamoah, der sich mit Grausen an das Spiel gegen Hansa Rostock II 2006 erinnert, der Brasilianer Cacau oder Jérôme Boateng litten unter Diskriminierungserfahrungen. Jordan Torunarigha wurde noch im Februar 2020 von Schalke-Anhängern wüst beleidigt.

Ex-Bundestrainerin Steffi Jones erinnert sich

Bei den Fußballerinnen war es nicht besser, sie wurden sogar egal welcher Hautfarbe nicht ernst genommen. Unvergessen der Kommentar von ZDF-Moderator Wim Thoelke zum Frauenfußball: "Decken, decken, nicht Tisch decken". Als die in Jamaica geborene Beverly Ranger 1976 im Sportschau-Studio vom jovialen Moderator die Auszeichnung für das "Tor des Monats" erhielt (als zweite Frau überhaupt) dröhnte Vico Torrianis Stimme aus dem Lautsprecher mit "Schön und kaffeebraun".

Steffi Jones, von 2016 bis 2018 Bundestrainerin der Frauen-Nationalmannschaft erinnert sich, wie sie als Kind versuchte, sich mit Kernseife weiß zu waschen, um so zu sein wie alle anderen, Ex-FIFA-Botschafterin und Fußballerin Shary Reeves erzählt den Tränen nahe, wie der alltägliche Rassismus sie "sehr sehr müde" macht.

Entlarvender Blick auf Gesellschaft, Medien und Zuschauer

Interessant ist der Film auch als Spaziergang durch die Zeitgeschichte, angefangen von der Werbung für schöne weiße Wäsche und Persil, über unsägliche, von Naivität geprägte, ungewollt rassistische Talkshows bis hin zu medialer Frauenfeindlichkeit und Verachtung Fußballerinnen gegenüber.

So ist dieser Film ein entlarvender Blick auf Gesellschaft, Medien und Zuschauer, ein Stück spannende Zeitgeschichte. Der Wandel in den Köpfen geht nur langsam voran, den Menschen als Menschen sehen, bis dahin wird es noch dauern.


"Schwarze Adler" ist ab Donnerstag (15. April) abrufbar bei Amazon Prime und hat am 18. Juni TV-Premiere im ZDF

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