Bier Royal im ZDF: Schablonenhafte Klischeefiguren

Münchner Bier- und Familiensumpf: Im ZDF-Zweiteiler "Bier Royal" erinnert nicht nur der Titel an Helmut Dietl.
| Adrian Prechtel
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Eine grandiose Besetzung! (von links:) Gisela Schneeberger muss in“ Bier Royal“ mit ihrer Stieftochter (Lisa Maria Potthoff) und deren Ami-Mann (Michael Klammer) kämpfen. Robert Palfrader ist der Geschäftsführer und Frank Pätzold der abgedrehte Miterbe.
Jacqueline Krause-Burberg /ZDF Eine grandiose Besetzung! (von links:) Gisela Schneeberger muss in“ Bier Royal“ mit ihrer Stieftochter (Lisa Maria Potthoff) und deren Ami-Mann (Michael Klammer) kämpfen. Robert Palfrader ist der Geschäftsführer und Frank Pätzold der abgedrehte Miterbe.

München - Wer Wiesnwirten in die Parade fährt und genauer auf die Finger schaut, scheint sich mit einer jovialen Biermafia anzulegen, die es offensichtlich gibt. "Bier Royal" ist da eigentlich ein passend witziger Titel für einen TV-Zweiteiler, der in München spielt. Aber es geht nicht um die Lodenmantel-Wiesn-Mogule, sondern um eine Brauereifamilie, bei der gerade der Patriarch gestorben ist. Schade nur, dass genau so ein größerer Mittelstandsbetrieb in Bier-globalen Zeiten seit Jahrzehnten in München nicht mehr existiert. Bis auf Hofbräu (staatlich) und Augustiner (in eine Stiftung übergegangen) gehören Münchner "Traditionsbrauereien" längst internationalen Großkonzernen.

Aber witzig könnte ein Großkopferten-Intrigantenstadl im Brauereimilieu natürlich trotzdem sein. Die biestige schwarze Witwe im Joan-Collins-"Dallas" Stil ist hier Gisela Schneeberger. Sie ringt mit ihrer Stieftochter (Lisa Maria Potthoff) und allen legalen und unsauberen Tricks resolut um die Vorherrschaft in der fiktiven "Arnulfbräu"-Dynastie. Was dann doch eine klare Anspielung auf den Augustiner-Keller zwischen Hackerbrücke und Hauptbahnhof ist.

Kampf nach dem Tod des Patriarchen

Beim ZDF hat man die Zeichen der Frauen-Power-Zeit erkannt und aus einer patriarchalischen biersumpfigen Macho-Struktur nach dem Tod des Patriarchen jetzt einen Kampf der Frauen gemacht. Gisela Schneeberger hatte im Vorfeld der Premiere auf dem Filmfest München gesagt, dass man "Bier Royal" nicht an Helmut Dietls kultige 80er-Jahre Bussi-Bussi-Klatsch-Satire "Kir Royal" messen sollte. Doch genau das legt nicht nur der Titel nahe, sondern auch die Grundkonstruktion mit investigativem Journalismus, der im Privatleben anderer wühlt. Wenn das ZDF die Erbschafts-Schlacht zwischen mehr oder weniger Schönen, jedenfalls aber Reichen also "Bier Royal" nennt, ist das Filmemacherinnen-Duo (Regie: Christiane Balthasar, Buch: Carolin Otto) eben doch in den Ring mit einem Mythos gestiegen.

Aus den zuprostenden Champagnergläsern geadelt mit Cassis wurde hier im Vorspann ein Bierflaschen-Abfüllanlagen-Ballett. Aus dem Kroetz-Baby-Schimmerlos ist – politisch korrekt jetzt ebenfalls weiblich – eine investigative Ulrike-Kriener-Journalistin geworden und aus der Pseudo-"Abendzeitung" jetzt ein TV-"Morgenjournal".

"Peinlich unelegant"

In Ordnung, aber wo mit ordinären Gags versucht wird, an "Kir Royal" heranzukommen, wird es peinlich unelegant. So wenn zum Beispiel der zynische Chefredakteur Constantin von Spreti (Thomas Loibl) von der "ungefickten" Reporterin – eine knallharte Aufregergeschichte verlangt. Im Wortgefecht geht es dann schnell um Dildos, was die Reporterin herausfordert, platt zotig zu kontern: "Ist das ihr Vergleichsmaßstab?"

Dabei ist oft auch noch das Timing der Pointen misslungen. Und richtig altbacken wird es, wenn die bayerische Haushälterin (Marianne Sägebrecht) sich vom Enkel ihres Gschpusis zeigen lassen muss, wie man eine E-Mail schreibt.

Schablonenhafte Klischeefiguren - mit einer Ausnahme

Dazu passt, dass der amerikanische Schwiegersohn (Michael Klammer) des gestorbenen Bier-Patriarchen natürlich auch mal einen Cowboyhut trägt und Denglisch spricht.

Und zur Erbenfeindschaft gehört auch noch der quoten-schwule Patrick (Frank Pätzold), der sich in eine Dracula-Kini-Welt zurückgezogen hat.

Alles schablonenhafte Klischeefiguren! Unter denen ragt allein Gisela Schneeberger heraus, weil sie ihrer Oberintrigantin eine spannende Mischung aus Boshaftigkeit und Bodenständigkeit, Bauernschläue und naiver Resolutheit gibt, so dass es wenigsten etwas funkt und schillert.


Montag, Dienstag und Mittwoch, 20.15 Uhr, ZDF

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