Anna Ziegler ist der "Dödel fürs Grobe"

Irene Fischer hat ihre "Lindenstraßen"-Figur Anna Ziegler liebgewonnen. Und doch bekommt gerade sie die unbequemsten Handlungsstränge ab. Warum das so ist, erklärt sie im Interview mit spot on news.
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Anna (Irene Fischer, r.) kehrt zurück und trifft auf ihre Rivalin Helga (Marie-Luise Marjan)
ARD/WDR LINDENSTRASSE Anna (Irene Fischer, r.) kehrt zurück und trifft auf ihre Rivalin Helga (Marie-Luise Marjan)

München - Bei der "Lindenstraße" meldet sich am kommenden Sonntag (22. Februar um 18:50 Uhr im Ersten) "Unangekündigter Besuch" an: Anna Ziegler kehrt nach zwei Jahren zurück, nachdem sie ihren Mann Hans mit ihrem gemeinsamen Kind zurückließ. Ihre Darstellerin Irene Fischer (55) blieb der Kultserie allerdings erhalten, denn sie ist nicht nur seit 28 Jahren Darstellerin bei der "Lindenstraße", sondern seit über 15 Jahren auch Autorin. Warum sie Anna gehen ließ und ob sie diesmal bleibt, erzählt Fischer im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

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Warum haben Sie sich vor zweieinhalb Jahren entschieden, der "Lindenstraße" zumindest vor der Kamera den Rücken zu kehren?

 

Irene Fischer: Das war eine Entscheidung von Autorenseite. Wir wollten in aller Ruhe erzählen, wie es ist, wenn ein 70-jähriger, rückenkranker Mann alleine einen Säugling großzieht - wie er das schafft, woran er scheitert, wer ihm hilft. Das wollten wir nicht schnell abfrühstücken. Eines der besonderen Merkmale der "Lindenstraße" ist ja, dass wir uns Zeit lassen können, die Geschichten zu erzählen. Deswegen war von Anfang an geplant, dass Anna für lange Zeit weg sein - aber auch, dass sie wiederkommen würde.

 

War es schwer für Sie als Autorin, diese Entscheidung für Anna zu treffen?

 

Fischer: Im Autorenteam lassen wir kontrovers diskutierbare Handlungen gern von Anna übernehmen, weil diese Figur ja ohnehin sehr polarisiert und keine durchweg sympathische ist. Ich bin damit quasi der Dödel fürs Grobe. Es ist mir nicht schwergefallen, zwei Jahre vom Bildschirm weg zu sein.

 

Warum kriegt Anna soviel Unbequemes ab? Sie muss Ihnen doch über die Jahre ans Herz gewachsen sein.

 

Fischer: Klar, ich hab die Anna lieb. Denn privat bin ich wirklich komplett anders. Es macht Spaß, Eigenschaften, die ich privat nicht besitze, in eine Figur einfließen zu lassen und eine Art Doppelleben zu führen - und noch dazu dafür bezahlt zu werden.

 

Haben Sie als Autorin schon einmal protestiert, wenn Anna etwas tun sollte, mit dem Sie nicht einverstanden waren?

 

Fischer: Als Autorin ist mir das nie passiert. Da Anna eine fiktive Figur ist, kann ich bei ihr alle Fantasien walten lassen. Das einzige Mal, als ich wirklich Schwierigkeiten hatte, war, als Benno vor vielen Jahren Aids bekam und Anna mit großer Hysterie und Berühungsängsten reagierte. Das zu spielen, fiel mir sehr schwer, weil ich diese Art von Reaktion ganz schlimm finde.

 

Sie sind Botschafterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und leiden selbst an Depressionen. Warum haben Sie sich dazu entschlossen, das mit der Öffentlichkeit zu teilen?

 

Fischer: In meiner Rolle als Botschafterin wäre es mir verlogen vorgekommen, für Verständnis zu werben und selbst ein Geheimnis daraus zu machen. Der Auslöser war dann, dass ein sehr guter Bekannter, Vater von drei Kindern, sich wegen Depressionen das Leben genommen hat. Da wurde mir klar, dass ich damit an die Öffentlichkeit gehen muss, um zu sagen: Das ist eine schwere Krankheit, die sich aber behandeln lässt. Ich selbst stehe ständig unter medikamentöser Behandlung und bin dennoch voll leistungsfähig.

 

Nochmal zurück zur "Lindenstraße" - bleibt Anna nun?

 

Fischer: Das darf ich nicht verraten. Jetzt ist sie erstmal da.

 

Wie lange möchten Sie selbst denn noch Teil der Sendung bleiben?

 

Fischer: Ich mache gerne weiter, solange es die Serie gibt. Solange es eine gute und interessante Entwicklung für Anna gibt, bleibe ich dabei.

 

Also kein "Lindenstraßen"-Überdruss?

 

Fischer: Mich reizt an dieser Langzeitserie gerade, dass ich mit der Rolle älter werden kann. Das ist ja nicht wie beim Theater, wo man 30 oder 40 Mal dasselbe Stück aufführt. Anna entwickelt sich weiter, die Kinder werden groß, wir wurden wirklich zu einer Art Ersatzfamilie. Wir sind zusammen alt und reif oder erwachsen geworden. Deshalb liebe ich es, Anna zu spielen, und ich liebe die "Lindenstraße". Wenn es nach mir geht, kann das unbegrenzt so weiter gehen.

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