Interview

X-Alps-Extremsportler: "Der letzte Flug ist purer Genuss"

Seit Sonntag fliegen und rennen sie wieder: 29 Athleten nehmen an den X-Alps teil. Es ist das härteste Gleitschirm-Rennen der Welt von Salzburg bis zum Montblanc und zurück nach Zell am See.
| Thomas Becker
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Fliegen ist schön: Beim Extremwettkampf Red-Bull-X-Alps durchqueren die Athleten die Alpen von Ost nach West und wieder zurück, nur mit Gleitschirm und Wanderschuhen.
Fliegen ist schön: Beim Extremwettkampf Red-Bull-X-Alps durchqueren die Athleten die Alpen von Ost nach West und wieder zurück, nur mit Gleitschirm und Wanderschuhen. © Vitek Ludvik, Red Bul/ho

Alle zwei Jahre misst sich die Paragliding-Elite bei dieser inoffiziellen Weltmeisterschaft - den X-Alps. Einzig erlaubte Fortbewegungsmittel: der Flug per Gleitschirm sowie die Fortbewegung zu Fuß. Ein Gespräch mit zwei deutschen Startern, Manuel Nübel und Michael Lacher.

AZ: Herr Nübel, Sie waren drei Mal bei den X-Alps dabei, haben zwei Mal das Ziel erreicht, das bis zuletzt immer Monaco war. Der finale Flug von der Steilküste Monacos runter zum Strand fällt aufgrund der neuen Streckenführung heuer aus. Wie finden Sie das?
MANUEL NÜBEL: Es ist traurig, dass sie uns den glorreichen Flug runter nach Monaco klauen. Die Idee war von Anfang an immer, die Alpen zu durchqueren, was mit der neuen Route etwas verloren geht. Andererseits waren die letzten Abschnitte vor Monaco immer ziemlich haarsträubend, und Monaco selbst ist für Outdoor-Sportler nicht besonders attraktiv: Nach zwei Stunden am Strand reicht's einem wieder. Jetzt haben wir das finale Event mitten in den Alpen, in Zell am See, wo schon mehr Outdoor-Leute hinkommen werden als nach Monte Carlo, wo nur reiche Snobs unterwegs sind.

Manuel Nübel: "Der letzte Flug ist natürlich etwas Besonderes"

Da sich der Wettkampf je nach Wetterbedingungen schon mal über zehn Tage ziehen kann und das Rennen eine gewisse Weile, nachdem der Sieger im Ziel ist, beendet wird, kommen nur wenige Athleten in den Genuss dieses letzten Fluges mit Blick aufs Mittelmeer. . .
Es gibt zwei Gefühle: Einmal, wenn man nach über tausend Kilometern oben am letzten Kontrollpunkt ankommt. Da spürt man eine krasse Erleichterung, kann es fast nicht fassen, man lässt die weite Strecke nochmal Revue passieren. Das ist schon surreal. Es kann aber sein, dass der finale Flug erst am nächsten Tag erlaubt ist. Da haben sich die Gefühle dann etwas gelegt, aber der letzte Flug ist natürlich etwas Besonderes: volle Entspannung, purer Genuss, 100 Prozent Spaß.

Der Extremsportler Manuel Nübel.
Der Extremsportler Manuel Nübel. © zooom.at / Red Bull Content Pool

Wie anders wird das Rennen durch die neue Route?
Es wird noch länger, aber es geht nicht mehr so oft über den Alpenhauptkamm. Es gibt Abschnitte, die sehr schnell zu fliegen sind, wenn das Wetter gut ist - wenn nicht, wird es sehr schwer, überhaupt ins Ziel zu kommen. Es soll ziemlich gewittrig werden: kein ganz schlechtes Wetter für Gleitschirmflieger.

Der Winter war schneereich - kann das in den Höhenlagen noch ein Problem werden?
Wir haben wenig ganz hohe Passagen dabei, und derzeit taut von Tag zu Tag ganz schön viel weg. Und wir haben ja alle gute Schuhe.

Mit besten Grüßen an den Sponsor. Wie bereitet man sich als Allgäuer auf eine Tour quer durch die Alpen vor?
Seit Herbst habe ich strukturiertes Ausdauertraining gemacht: Laufen, Radfahren, im Winter Skitouren und Langlaufen. Equipment und Strategie müssen natürlich passen. Bei der Ausrüstung muss man sich hundertprozentig wohlfühlen. Dann schaut man sich die Routen auf Google Earth an, erkundet noch ein paar Streckenabschnitte und schaut sich die Schlüsselstellen an.

Zum ersten Mal bei den X-Alps dabei: Michael Lacher.
Zum ersten Mal bei den X-Alps dabei: Michael Lacher. © zooom.at / Red Bull Content Pool

Kommen wir zu Ihnen, Herr Lacher, Sie sind heuer zum ersten Mal dabei, waren beim letzten Rennen kurzzeitig Supporter von Manuel, der mit dem Auto sozusagen dem Flieger hinterherfährt, um ihn am Abend mit Speis und Trank zu versorgen. Wie sehr muss man da auch Psychologe sein?
MICHAEL LACHER: Man muss vor allem kühlen Kopf bewahren, ihn vielleicht ein bisschen aufmuntern, ihm einfach bestmöglich helfen.

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Wenn wetterbedingt nicht geflogen wird, kann man auch laufen. Ein Athlet ist 2017 mal 942 Kilometer gelaufen, ein anderer verlor elf Kilo während des Rennens. Wie sieht der Proviant aus? Womit füllt man die Speicher wieder auf?
Man isst eigentlich den ganzen Tag. Am Mann trägt man ganz viele Gels und Riegel und man nimmt auch schon mal was Deftiges mit, wie Reis oder Nudeln in der Tupperbox. Sachen, die viele Kohlehydrate haben und viel Energie versprechen. Und natürlich viel trinken!

Feierabendbier fällt aus, oder?
Es gibt einen Joker - für ganz harte Zeiten.

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