Interview

Wie Hannes Ringlstetter Namenspatron eines Stadion wurde

Das Stadion des SV Großköllnbach trägt jetzt seinen Namen. Im AZ-Interview erklärt Hannes Ringlstetter, wie es dazu kam, warum ihm der Fußball derzeit kaum fehlt und wie die Stadion-Toilette aussehen soll.
| Thomas Becker
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Hannes Ringlstetter ist nun Pate eines Stadions.
BR Hannes Ringlstetter ist nun Pate eines Stadions.

München - AZ-Interview mit Hannes Ringlstetter: Der Münchner Kabarettist, Komiker, Musiker, Schauspieler und TV-Moderator (49) ist jetzt auch Namensgeber der Fußball-Arena des SV Großköllnbach.

AZ: Herr Ringlstetter, seit letzten Donnerstagabend ist es offiziell: Sie sind Namenspate des Fußballstadions des SV Großköllnbach, eines Kreisligisten im Landkreis Dingolfing-Landau. Wie konnte das denn passieren?
HANNES RINGLSTETTER: Aufhänger war die Continental-Arena in Regensburg, also das Jahnstadion, für das ein neuer Name gesucht wurde. Ich hab’ mich mal erkundigt, was so was kostet: eine Million Euro im Jahr – ein bisschen viel. In der Sendung hab’ ich im Dezember gesagt: ‘Ich hab’ 370 Euro über, die könnt’ ich ausgeben.’ Schließlich haben die beim Jahn monatelang gesucht.

So viel hatten Sie gerade in der Hosentasche?
Genau. Daraufhin hat sich der SV Großköllnbach gemeldet: Sie wären bereit, mir die Namensrechte am Stadion, was ein gewöhnlicher Fußballplatz ist, für 370 Euro im Jahr zu geben. Ich meinte: ‘Okay, dann machen wir das in Naturalien’, also zehn Fassl Bier. Und die Caro (Caro Mutzke, sein Sidekick in der BR-Sendung "Ringlstetter") übernimmt die Patenschaft für die Damen-Toilette. In dieser Woche wollten wir eine feierliche Stadioneinweihung machen, samt Fußballspiel, und die Sendung von dort aufzeichnen, was ja nun nicht geht. So war dann am Donnerstag in der Sendung die offizielle Vertragsunterzeichnung.

Neben der Pfarrkirche St. Georg, hochragenden Grabmälern aus dem 19. Jahrhundert und Spuren des ehemaligen Hofmarkschlosses der Hoholtinger gehört die Ringlstetter-Arena laut Wikipedia schon zu den Sehenswürdigkeiten der 1000-Einwohner-Gemeinde...
Das Schild steht schon! Im satirischen Umgang mit all den Großsponsoren, die im Fußball unterwegs sind, muss man genau das Gegenteil machen: den kleinsten Verein hochpimpen!

Stadion-Namenspate: Jetzt haben Sie’s geschafft!
Ich hab’ jetzt natürlich auch großen Einfluss im Verein.

"Einfluss wie Hasan Ismaik beim TSV 1860 München"

Das ist ja wohl das Mindeste! Zehn Fässer Bier: Wenn man da keinen Einfluss hat...
So wie der Hasan Ismaik bei Sechzig, so sehe ich mich da ehrlich gesagt.

Da müssen Sie aber noch ein bissl Gas geben: Der hat ein dezentes Häuschen in den Holmby Hills von L.A.
Ich habe auch schon sportliche Ziele ausgegeben.

Ach ja?
Platz vier.

Warum das denn?
Weil man da auf keinen Fall aufsteigen kann.

Im Moment sieht es nicht gut aus: Vorletzter, noch hinter Thanndorf, Haidlfing und Gottfrieding. Eigentlich müssten Sie gleich mal den Trainer rausschmeißen!
Mit meinen 370 Euro haben Sie eine Finanzspritze erhalten. Wahrscheinlich muss ich neue Spieler kaufen – für 200 Euro.

Sagen Sie Bescheid! Ich laufe mich praktisch schon warm!
Was die Kicker dort wirklich sind: wahnsinnig nett, schwer motiviert und vor allem sehr lustig. Mit Hans-Peter Höpfl, der das alles angezettelt hat, hab’ ich studiert in den 90ern. Den kenn’ ich aus der Cafeteria – nicht aus dem Hörsaal.

Nun heißt das Birkenstadion also Ringlstetter-Arena. Warum eigentlich Arena?
Das war mir wichtig. Weil alle wirklich großen Stadien jetzt Arena heißen. Zurück zu Brot und Spiele, zu Würstl und Bier.

Wie lange gilt die Patenschaft?
Für ein Jahr. Im Januar verlängert sich das automatisch um ein Jahr, wie ein Sky-Abo. Wenn ich vergesse zu kündigen, muss ich nachliefern, wieder zehn Fassl, einer regionalen Brauerei natürlich.

Großköllnbach ist ja die Nachbargemeinde von Dornwang, der Heimat des neuen FC Bayern-Präsidenten Herbert Hainer. Geben Sie’s zu: Sie suchen doch nur die Nähe zum ganz großen Fußball!
Absolut.

"Auf Geisterspiele hab ich keinen Bock"

Wie sehr ist Ihnen der Fußball zuletzt abgegangen?
Ich hab’ eine Woche gebraucht, und dann war’s mir plötzlich wurscht. Ich war selbst überrascht. Am ersten Wochenende wusste ich nicht so recht, was man macht, wenn kein Fußball ist – so wie die meisten Männer, die nicht wissen, was man Samstagnachmittag sonst machen kann. Ehrlich gesagt ging’s mir dann gar nicht ab.

Und nun Geisterspiele....
Da hab’ ich keinen Bock drauf. Ich weiß auch noch gar nicht, ob ich mich freue, dass es wieder losgeht. Weil’s einfach komisch ist.

Und wie soll Ihr Club, der 1. FC Nürnberg, ohne Sie auskommen?
Zuletzt hat der BR ja das Pokalfinale von 2007 wiederholt, gegen Stuttgart, wo der Club den einzigen Titel gewonnen hat, den ich erlebt habe bis jetzt. Das war schön. Mei, der Club: Da muss man jetzt wie bei vielen Zweitligisten hoffen, dass es denen nicht das Genick bricht.

Oder dass die Saison abgebrochen wird und es keine Absteiger gibt.
Das wäre die zweite Hoffnung.

"Fernsehen ist manchmal auch unerfreulich"

Aber man wundert sich schon, oder? Einmal zahlt das Fernsehen nicht, und prompt ist ein Drittel aller Klubs pleite.
Jaja, voll krass. Da sieht man mal, auf was für Füßen dieser ganze Alarm steht.

Die Kleinkunst dagegen: solides Handwerk, unkaputtbar, da kann nix schief gehen...
Genau, spielt man halt mal ein halbes Jahr lang nicht.

Da sind Sie wahrscheinlich heilfroh, dass Sie mit dem Fernsehen neben der Bühne noch ein Standbein haben.
So sehr das Fernsehen auch anstrengend, manchmal auch unerfreulich ist und Druck hat ohne Ende: Natürlich bin ich froh. Ich komme gut über den Sommer. Dann warten, was kommt, Konzepte ausdenken, wie man vielleicht doch zu den Leuten kommt.

Ich hab’ wenig Bock auf dieses Streaming-Zeug, das finde ich seltsam. Da unterstelle ich einen gewissen künstlerischen Narzissmus, dass man es nicht aushält, mal unbedeutend zu sein. Mit Till Hofmann überlege ich gerade, ob man nicht im Sommer mit 50 Stühlen über die Dörfer fährt und guerillamäßig auf dem Marktplatz spielt, wie früher.

Nun ist Sendepause bis Anfang September. Am 2. Juni haben Sie jedoch noch einen Termin im Kalender...
Meinen 50er.

Was werden Sie machen?
Einen Fisch grillen, einsam, in Quarantäne. Nein, ich hab’ wirklich nichts Großes geplant, wäre eigentlich im Urlaub gewesen. Das mit dem Geburtstag hole ich nach. Es erwartet jetzt auch keiner ein großes Fest. Krasse Zeiten.

Nochmal kurz zur Damen-Toilette: Gibt’s da eigentlich auch ein Schild?
Klar, das ist die Caro-Mutzke-Arena. Sobald man hinfahren darf, wird sie die auch ausstatten, designen sozusagen. Ich vermute, es wird sehr rosa werden.

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