Weltmeister Peter Sagan von der Tour ausgeschlossen

Nach seinem Etappensieg blieb Peter Sagan gewohnt lässig und cool, nach dem Sturzfinale am Dienstag war er dagegen ganz kleinlaut. Der polarisierende Slowake wurde jetzt offiziell von der Tour ausgeschlossen.
| AZ/dpa/SID
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Schwerer Sturz mit Verletzten bei der vierten Etappe der Tour de France
dpa 4 Schwerer Sturz mit Verletzten bei der vierten Etappe der Tour de France
Schwerer Sturz mit Verletzten bei der vierten Etappe der Tour de France
dpa 4 Schwerer Sturz mit Verletzten bei der vierten Etappe der Tour de France
Schwerer Sturz mit Verletzten bei der vierten Etappe der Tour de France
dpa 4 Schwerer Sturz mit Verletzten bei der vierten Etappe der Tour de France
Wurde nach der vierten Etappe von der Tour ausgeschlossen: Peter Sagan.
dpa 4 Wurde nach der vierten Etappe von der Tour ausgeschlossen: Peter Sagan.

Doppel-Weltmeister Peter Sagan ist wegen seines Ellbogenchecks gegen den Briten Mark Cavendish von der Tour de France ausgeschlossen wurden. Das teilte die Rennjury am Dienstag mit. Der Slowake hatte beim Sprint-Finale auf der vierten Etappe in Vittel den Briten in das Absperrgitter abgedrängt. Cavendish wurde mit einer Schulterverletzung ins Krankenhaus gebracht.

Die Jury hatte Sagan zunächst mit einer Zeitstrafe von 30 Sekunden in der Gesamtwertung belegt, später aber dann ihr Urteil drastisch verschärft. Zuvor hatte auch Cavendishs Sportdirektor Rolf Aldag den Ausschluss gefordert.

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Nachdem der Superstar für den Kamikaze-Sprint im Ziel der vierten Tour-Etappe bei den Sturzopfern um Entschuldigung gebeten hatte, suchte der Weltmeister das Weite. Am Tag nach seinem imposanten Etappensieg hatte sich der gefeierte Held den Zorn der Rivalen zugezogen.

"Ich habe es nicht extra gemacht"

"Ich habe es nicht extra gemacht", sagte Sagan, der im hektischen Finale in Vittel den Briten Mark Cavendish in die Bande geschickt und dadurch unter anderem auch den deutschen Klassiker-Spezialisten John Degenkolb zu Fall gebracht hatte. Degenkolb kam offenbar glimpflich davon, Routinier Cavendish musste dagegen mit Hand- und Schulterverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

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Die gewohnte Lockerheit hatte Sagan verloren. Keine 24 Stunden zuvor hatte er noch seine Rolle als Showman zelebriert. Mit einer skurrilen Motocross-Brille um den Hals und flotten Sprüchen auf den Lippen genoss er den Sieg auf der dritten Tour-Etappe die Erwartungen.

"Was ist Druck? Ich nehme den Radsport nicht so ernst. Ich versuche Spaß zu haben", sagte der Exzentriker mit einem Schulterzucken, nachdem er dem deutschen Team Bora-hansgrohe den ersten Sieg bei einer Frankreich-Rundfahrt beschert hatte.

Sagan zieht die Aufmerksamkeit meist auf sich

Wie so oft stand Sagan auch da im Mittelpunkt. Kaum ein Fahrer zieht die Aufmerksamkeit derart stark auf sich wie der Slowake, kaum einer ist bei den Fans beliebter - und nur wenige erfolgreicher. Im zweiten Jahr in Folge trägt Sagan das Regenbogentrikot des Weltmeisters, acht Etappensiege feierte er mittlerweile bei der Tour, fünfmal trug er das Grüne Trikot nach Paris.

Sagan ist einer der wichtigsten und wenigen Charakterköpfe des Radsports, sein Wiedererkennungswert im Feld enorm. Wenn ein fast 200 Mann starkes Peloton an Zuschauern am Straßenrand vorbeirauscht oder über die TV-Geräte flimmert, sticht er allein optisch mit seiner schulterlangen Mähne aus der Masse heraus. Sein Stil ist einzigartig, seine ausgefallenen Jubelposen legendär, die teils flapsigen Interviews Klick-Garanten auf YouTube.

Für das Team Bora-hansgrohe ist Sagan trotz des ungeschickten Agierens am Dienstag ein Glücksfall. Nicht nur sportlich hievt der 27-Jährige die Mannschaft, die nach jahrelangem, sukzessivem Aufbau in die Weltspitze vorgestoßen ist, auf ein neues Level. "Für unsere Sponsoren ist er ein Riesengewinn, durch ihn ist der Output größer", sagte Teammanager Ralph Denk.

Mit der Verpflichtung Sagans zur laufenden Saison war dem 43-Jährigen ein für viele unerwartetes Meisterstück gelungen. Das dem Vernehmen nach im mittleren einstelligen Millionenbereich liegende Salär hätte Sagan auch bei anderen Mannschaften verdienen können, doch die deutsche Equipe überzeugte auch mit nicht-monetären Argumenten.

"Peter ist ein Gefühlsmensch"

Sagan genießt die Freiheit - und bei Bora-hansgrohe lassen sie ihm viele. "Peter ist ein Gefühlsmensch", sagt Denk, der auch dessen älteren Bruder Juraj unter Vertrag nahm: "Wenn er für etwas brennt und motiviert ist, dann reißt er Bäume aus. Wenn er auf etwas keinen Bock hat, dann lässt er es dich deutlich spüren."

Die Kunst, Sagan bei Laune zu halten, beherrscht die Teamleitung offenbar gut. Nach der enttäuschend verlaufenen Klassikersaison wurde Sagan ein Urlaub gewährt, in den USA schaltete er beim Mountainbiken ab. Dort hat Sagan seine sportlichen Wurzeln, 2008 wurde er Junioren-Weltmeister im Cross-Country. Bei der anschließenden Kalifornien-Rundfahrt gewann Sagan eine Etappe und sicherte sich die Punktewertung.

Mit fairen Mitteln will Sagan bei der kommenden Sprintetappe am Donnerstag um weitere Erfolge kämpfen, vom sechsten Gewinn des Grünen Trikots, mit dem er den Rekord von Erik Zabel egalisieren würde, beschäftigt er sich nach eigenen Angaben aber nicht. "Was würde sich ändern? Es gibt Wichtigeres im Leben."

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