Vater von Linus Straßer erklärt: Darum hat's für den Weltcup-Sieg gereicht

Nach dem Weltcup-Sieg von Linus Straßer spricht sein Vater in der AZ über den furiosen Auftritt seines Sohnes in Zagreb, Tränen nach dem Triumph - und warum das Münchner Slalom-Ass mental so stark ist.
| Thomas Becker
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Voll am Limit! Mit einem furiosen zweiten Durchgang fuhr Linus Straßer in Zagreb noch auf Platz eins - da schmeckt der Sieger-Champagner natürlich besonders gut.
Voll am Limit! Mit einem furiosen zweiten Durchgang fuhr Linus Straßer in Zagreb noch auf Platz eins - da schmeckt der Sieger-Champagner natürlich besonders gut. © imago/Xinhua

München - AZ-Interview mit Georg Eisenhut: Der gebürtige Münchner ist der Vater von Linus Straßer und gleichzeitig der Sportwart der Ski-Löwen des TSV 1860.

AZ: Herr Eisenhut, Glückwunsch zum Weltcup-Sieg Ihres Sohnes Linus Straßer! Seit sieben Jahren fährt er nun im Weltcup, hat 2017 ein sogenanntes City-Event in Stockholm gewonnen - und nun eben den Slalom in Zagreb. Wie geht's Ihnen gerade?
GEORG EISENHUT: Die Glückwünsche richte ich gerne aus. Mir geht's gut - ich musste ja nicht fahren.

Was sagen Sie denn zum sensationellen Auftritt Ihres Juniors in Zagreb?
Das war eine richtig tolle Leistung vom Linus, bei der sogar ich noch ein bisschen gestaunt habe.

Linus Straßer ist ein Instinkt-Skifahrer

Inwiefern?
Nachdem ich in Zagreb die Bedingungen beim Frauen-Rennen am vergangenen Sonntag gesehen habe, war mir eigentlich klar: Wenn der Linus nach dem ersten Durchgang hier einigermaßen platziert ist, dann muss in diesen Spuren und Wannen erst mal einer besser sein als er.

Liegen dem Linus solche Verhältnisse: Plusgrade, nasser, schwerer Schnee, bei dem sich auf der Strecke schon nach wenigen Rennläufern tiefe Wannen und eine Art Bobbahn bilden?
Er kann das perfekt fahren, aber er ist auch bei anderen Pistenverhältnissen bestens unterwegs. Das trennt dann den Rennfahrer vom Rennfahrer, der dann auch noch ein richtig guter Skifahrer ist. Dem Linus macht man auch im Tiefschnee und in der Buckelpiste nichts vor. Er ist einfach so umfänglich ausgebildet, dass er alles fahren kann.

Sozusagen ein Instinkt-Skifahrer.
Ja, das ist Instinkt, das kann er. Ich hab' das ja schon ein paar Mal bei Europacups gesehen: Da geht's ja nur um den Sieg, da interessiert niemanden ein zweiter Platz und die Bedingungen sind definitiv nicht so gut wie im Weltcup - und so was kann der Linus.

Erste Gratulanten: Guido Heuber und Frank Wörndl

Wie haben Sie seinen Triumph verfolgt? Am Fernseher?
Wir sind gerade in unserer Wohnung in Tirol und haben immer zwischen dem ORF und Eurosport hin- und her gezappt, da die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland das Rennen bedauerlicherweise nicht in voller Länge gezeigt haben.

Bei Eurosport gab es live persönliche Glückwünsche an Sie und Ihre Frau von den beiden Moderatoren Guido Heuber und Frank Wörndl.
Die beiden waren danach dann auch gleich bei den allerersten Gratulanten.

Haben Sie mit Ihrem Sohn nach dem Rennen gesprochen?
Nein, das ist sein Sieg, nicht mein Sieg. Linus soll das jetzt mal genießen. Familie ist dann gefragt, wenn etwas in die Hose geht.

Georg Eisenhut: "Mental muss es auch stimmen"

Als der Sieg nach Platz acht im ersten Durchgang und einem furiosen Ritt im zweiten Lauf tatsächlich feststand, war er schon ganz schön mitgenommen und musste offenbar auch ein paar Tränchen vergießen.
Ist ja auch verständlich. Vor zwei Jahren war er drauf und dran, dass die Karriere daneben geht. Beim ersten Slalom der Saison in Levi ging's schon los. Die Trainer waren nach der Vorbereitung der Meinung: 'Es geht nurmehr ums Stockerl. Wenn's schlecht läuft dritter Platz, wenn's gut läuft, gewinnt er.' Und dann ist er in Levi gleich früh rausgeflogen, danach hatte Linus eine Blockade, und es ging erst mal gar nichts. In Madonna di Campiglio fahren - zum ersten Mal, seit ich Rennen verfolge - Sportler mit Startnummern über 60 in die Top Ten und drängen den Linus da wieder raus. Die Saison ging dann so immer weiter!

Erzählen Sie!
In seinem Lieblingsrennen in Adelboden fädelt er ein. Aber im letzten Jahr hat er dann die Kurve gekriegt. Da war die Saison corona-bedingt leider zu kurz. Aber da hat man schon gemerkt: Jetzt ist er in der Spur. Und heuer hatte er im Sommer eine Reizung der Quadrizeps-Muskulatur und daher war die Vorbereitung extrem kurz. Linus war sehr wenig auf Schnee, konnte im Grunde nicht trainieren und steht jetzt erst seit ein paar Wochen wieder auf den Skiern. Aber da sieht man, wie sehr dieser Sport auch im Kopf entschieden wird. Tolle Skifahrer sind die meisten, aber mental muss es auch stimmen.

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Die Reisen zu den Weltcups sind selbst für Angehörige wie Sie mehr oder weniger unmöglich. Wie oft sehen Sie den Filius überhaupt während der Saison?
Im Moment oft. Er wohnt ja im Nachbarort, in Kirchberg. An Weihnachten war die ganze Familie zusammen, danach ist er zum Training nach Hinterreit gefahren und von da aus nach Zagreb. Jetzt fliegen sie nach Bern, von wo aus es nach Adelboden weitergeht.

Und danach nach Kitzbühel, sozusagen in die zweite Heimat. Vielleicht können Sie ja wenigstens dort zuschauen.
Nicht einmal das! Ich habe gerade den Chef vom Organisations-Kommittee getroffen: Die sind da ganz strikt, wollen natürlich auch keine schlechte Presse haben und niemanden ohne Maske sehen. Auch die Athleten müssen direkt nach dem Rennen eine tragen obwohl sie gerade körperliche Höchstleistungen erbracht haben und kaum Luft bekommen.

Dann müssen Sie sich wohl - wie die Löwen-Hardcore-Fans am Grünwalder Stadion - bei einem Nachbarn mit Blick auf den Ganslern-Hang einmieten, vielleicht beim ehemaligen Rennleiter Axel Naglich.
(lacht) Da könnten wir auch gleich zum Hinterseer gehen. Aber das ist alles kein Problem, ich muss die Rennen nicht unbedingt live vor Ort sehen. Es ist cool, so wie es der Linus gerade macht.

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