„Unsere Gegner sind zittrig aus der Umkleide gekommen“

1860 kehrt zurück ins Sechzger-Stadion. Die Helden von einst erzählen in der AZ von ihren schönsten Erlebnissen in der Giesinger Kultstätte:
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Heimat ist, wo die Anzeigentafel noch von Hand verstellt werden muss: Die Löwen-Fans in der legendären Westkurve des Städtischen Stadions an der Grünwalder Straße, wie das Sechzger offiziell heißt.
az Heimat ist, wo die Anzeigentafel noch von Hand verstellt werden muss: Die Löwen-Fans in der legendären Westkurve des Städtischen Stadions an der Grünwalder Straße, wie das Sechzger offiziell heißt.

MÜNCHEN - 1860 kehrt zurück ins Sechzger-Stadion. Die Helden von einst erzählen in der AZ von ihren schönsten Erlebnissen in der Giesinger Kultstätte:

Einmal im Jahr wollen die Löwen jetzt zurückkehren ins Grünwalder. Was das Kultstadion auf Giesings Höhen zur Heimat der Löwen gemacht hat, verraten alte Löwen-Helden in der AZ.

Manfred Wagner (69, Meisterlöwe, von 1958-1971 bei 1860): „An drei Momente erinnere ich mich besonders gern. Einmal das Spiel gegen den HSV 1966, als wir Deutscher Meister wurden. Was waren wir da nervös! Wir haben einen Punkt gebraucht, und sind auch 1:0 in Führung gegangen. Dann kam das 1:1. Nach dem Ausgleich hab ich zu Uwe Seeler gesagt: ‚Du, macht’s kein Schmarrn.' Er antwortete: ‚Das schafft ihr schon.' Am Ende waren wir Meister! Sehr schön, war auch das Europapokal-Halbfinale gegen Turin, wir haben am Ende 3:1 gewonnen. Für mich persönlich war auch das Spiel 1964 gegen Nürnberg ein Highlight. Wir haben 2:0 gewonnen, ich habe beide Tore geschossen. Danach durfte ich auf dem Oktoberfest dirigieren."

Hans Rebele (65, Meisterlöwe, von 1961-1972 bei 1860): „Das Spiel gegen Turin 1966 im Europapokal war einmalig. So eine Stimmung wie an diesem Abend habe ich leider nie wieder erlebt: Die Zuschauer haben uns 90 Minuten nach vorne gepeitscht. 1956 war auch ein sehr schönes Erlebnis für mich. Ich war dreizehn und in der 1860-Schülermannschaft. Wir spielten im Grünwalder, bevor die erste Mannschaft ran musste. In der zweiten Halbzeit schlug ich ein paar Haken mit dem Ball und die knapp 30000 Zuschauer haben gejubelt."

Karsten Wettberg (66, Aufsichtsrat, Ex-Trainer): „Die schönsten Erlebnisse im Sechzger waren immer die Duelle Sechzig gegen Haching, ganz egal auf welcher Seite ich stand. Als ich Trainer bei 1860 war, haben wir einmal 54 Spiele hintereinander nicht verloren. Das lag auch am Grünwalder.“

Petar Radenkovic (73, Meisterlöwe, von 1963-1970 bei 1860): „In meinem Herzen wird ewig die Meisterschaft 1966 bleiben. Wir haben erst im Stadion gefeiert, sind dann im Autokorso in die Stadt gefahren und anschließend haben wir die erste Deutsche Meisterschaft einer Münchner Mannschaft nach dem Krieg in der Stadt gefeiert.“

Daniel Baier (24, VfL Wolfsburg, von 2003-2007 bei 1860): „Ich habe ja schon in der Jugend im Sechzger gespielt und hatte zu der Zeit viele schöne Erlebnisse. Aber was auf jeden Fall hängen bleibt als schönster Moment, war mein erstes Profitor in der Saison 2004/05 beim 5:2 Sieg gegen Oberhausen. Unbeschreiblich!“

Michael Hofmann (35, seit 1996 Torwart bei 1860): „Natürlich die Zweitligasaison vor vier Jahren, aber auch der 4:0 Sieg auf Giesings Höhen 1993/94 gegen Bochum bleibt mir im Gedächtnis. Da stand ich noch als neutraler Zuschauer in der Westkurve. Klasse war aber auch das Spiel gegen Ahlen am Nikolaustag 2004, als das Flutlicht ausfiel.“

Olaf Bodden (40, von 1994-1998 bei 1860): „1995 spielten wir gegen Köln um Bodo Illgner. Bereits nach zehn Minuten flog Manni Schwabl vom Platz. Am Ende haben wir trotzdem 2:1 gewonnen – und den Abstieg damit im drittletzten Spiel verhindert. Und das zu Zehnt! Auch die Nachtspiele mit über 30000 Zuschauern bei Flutlicht waren immer toll.“

Bernd Meier (36, von 1993-1999 bei 1860): „Das Grünwalder ist sozusagen das Millerntor des Südens. Unsere Gegner sind ja damals schon zittrig aus den Umkleidekabinen gekommen, weil sie dort den ersten Schreck bekommen haben. Der FC St. Pauli nutzt diesen Vorteil ja heute noch aus."

Roland Kneißl (45, Leiter der 1860-Fanartikelabteilung, von 1986-1995 bei 1860): „Ein schöner Moment war der erste Aufstieg unter Trainer Karsten Wettberg 1991. Da haben wir gegen Neunkirchen gespielt und 2:1 gewonnen und sind nach der langen Zeit in der Bayernliga endlich aufgestiegen. Lange in Erinnerung bleiben wird mir auch das Spiel gegen Schweinfurt in der Bayernliga um den Meistertitel 1990. 35000 Zuschauer strömten ins Stadion, vor den Toren standen Tausende ohne Karte. Das Spiel ging hin und her, wir führten 2:1, es herrschte eine unglaubliche Atmosphäre im Stadion und der Trainer der Schweinfurter hieß Werner Lorant. Dramaturgisch war es das beste Spiel, das ich je gesehen habe. Am Ende haben wir es leider nicht geschafft."

R. Franke, M. Maurer

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